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ROCKHARZ 2026 Freitag: Zwischen Teufelsmauer und Circle Pits

Der Freitag beginnt unspektakulär mit einem Iso-Getränk und einer Reis-Hackbällchen-Konserve. Anschließend steht ein Programmpunkt an, auf den wir uns schon lange gefreut haben: die Teufelsmauer. Der Aufstieg bringt meine Waden ordentlich zum Brennen, doch oben angekommen entschädigt der Ausblick für jede Anstrengung. Ein Gipfelbier gehört natürlich ebenfalls dazu. Auf dem Rückweg kommen wir an der Sonderstempelstelle der Harzer Wandernadel vorbei. Der exklusive ROCKHARZ-Stempel wandert selbstverständlich direkt ins Heft.

Zurück am Camp brauchen meine Beine erst einmal eine Pause. Dazu gönne ich mir ein Smirnoff Ice. Das hatte ich bestimmt seit zwanzig Jahren nicht mehr getrunken und war entsprechend skeptisch. Am Ende schmeckt es überraschend gut und liefert genau die Motivation, um wieder Richtung Infield aufzubrechen.

Rodeo 5000

Als wir dort ankommen, sind Rodeo 5000 bereits mitten im Set. Sänger Mr. Hurley liefert mit seiner Country-Show beste Unterhaltung und sorgt sofort für gute Laune.

Haggefugg

Direkt danach betreten Haggefugg die Bühne. Mit den Worten „Wir sind Haggefugg und ihr seid hackevoll!“ ist die Richtung sofort klar. Das Publikum singt lautstark mit und feiert jede Minute. Auf diesen Auftritt hatte ich mich im Vorfeld besonders gefreut und wurde nicht enttäuscht. Lediglich Sanduhr hätte ich gerne noch auf der Setlist gesehen.

Motorjesus

Während die Eindrücke noch nachhallen, legen auf der Rock Stage bereits Motorjesus los. Ihr selbst ernannter Schweinerock funktioniert live einfach immer. Druckvoll, energiegeladen und mit jeder Menge Spielfreude zeigen sie einmal mehr, warum sie zu den zuverlässigsten Livebands der Szene gehören.

Hiraes

Viele Besucher warten anschließend gespannt auf Hiraes. Britta Görtz übernimmt vom ersten Moment an die Kontrolle über das Publikum. Mit ihrem Melodic Death Metal fordert sie immer wieder lautstark mehr Circle Pits, mehr Crowdsurfer und noch mehr Bewegung vor der Bühne. Ein besonderes Highlight folgt, als Britta gemeinsam mit Gitarrist Oli mitten ins Publikum geht und dort einen Song performt, während sich ein Circle Pit um die beiden bildet.

Hiraes

Gleichzeitig balancieren zahlreiche Fotografen auf der Absperrung zum Fotograben, um genau diesen Moment einzufangen. Passend zum traditionellen Casual Friday der Grabenschlampen tragen viele Fotografen bunte Hawaiihemden, ein herrlicher Kontrast zum sonst überwiegend schwarzen Festivalbild. Selbst bis weit in die hinteren Reihen wird geklatscht und die Pommesgabel in die Höhe gereckt. Für mich wirkt das wie eine Band, die beim nächsten ROCKHARZ problemlos einen späteren Timeslot bekommen könnte.

Gothminister

Mit Gothminister folgt anschließend ein kompletter Stilwechsel. Das letzte Mal habe ich die Band 2006 als Support von Theatre of Tragedy gesehen. Damals nahm mich meine Schwester mit zu dem Konzert, weshalb ich bis heute viele schöne Erinnerungen damit verbinde. Umso schöner ist es, die Band zwanzig Jahre später wiederzusehen. Besonders I Am The Devil entfaltet live enorme Wirkung. Vor der Bühne drückt der Sound gewaltig und je länger das Set dauert, desto mehr Besucher bleiben stehen. Ich bin mir sicher, dass Gothminister hier einige neue Fans gewonnen hat.

Walls of Jericho

Von Walls of Jericho und Fiddler’s Green bekomme ich leider nur Teile der Shows mit. Beide Bands hinterlassen einen starken Eindruck, doch mindestens genauso viel Spaß machen die Gespräche mit einigen sehr sympathischen Festivalbesuchern.

Fiddler's Green

Die Apokalyptischen Reiter

Die Apokalyptischen Reiter gehören für mich seit über zwanzig Jahren zu den verlässlichsten Livebands überhaupt. Eine schlechte Show habe ich bislang nicht erlebt und auch diesmal liefern sie eindrucksvoll ab. Der Sound sitzt, die Stimmung ist hervorragend und Songs wie Der Adler, Auf und Nieder und Seemann werden lautstark mitgesungen. Natürlich dürfen auch die zahlreichen Crowdsurfer nicht fehlen. Nur Unter der Asche vermisse ich ein wenig. Das hätte mein persönliches Traumset perfekt gemacht.

Biohazard

Direkt im Anschluss übernehmen Biohazard die Rock Stage. Metallastiger Hardcore voller Energie. Schon mit den ersten Songs herrscht Ausnahmezustand. Klassiker wie Urban Discipline treffen auf neuere Songs wie Fuck the System. Vor und auf der Bühne gibt es kaum eine ruhige Sekunde. Black and White and Red All Over wird lautstark mitgegrölt, ein riesiger Circle Pit zieht über das Infield und die Musiker springen unermüdlich über die Bühne oder nutzen sogar den Fotograben, um möglichst nah bei den Fans zu sein. Genau diese Nähe macht Hardcore-Konzerte so besonders.

POD

Meine Beine verlangen inzwischen nach einer Pause. Von P.O.D. sehe ich deshalb nur den Opener, bevor ich zurück zum Camp gehe. Dort wartet glücklicherweise bereits das Abendessen und nach einer kurzen Verschnaufpause geht es frisch gestärkt wieder Richtung Bühne.

im wahrsten Sinne Airbourne

Airbourne stehen als Nächstes auf dem Plan. Eigentlich bin ich kein großer Fan von endlosen Gitarrensoli oder ausgedehnten Mitmachspielchen. Bei Airbourne gehört genau das aber einfach zum Gesamtpaket – und erstaunlicherweise funktioniert es jedes Mal. Die Band versprüht eine ansteckende Energie und schafft es, selbst solche Momente nie langweilig wirken zu lassen. Ebenso wie die halb gefüllten Bierbecher, die Sänger Joel O’Keeffe immer wieder in hohem Bogen ins Publikum wirft. Ich meine sogar gesehen zu haben, wie einer der Becher tatsächlich direkt aus der Luft gefangen wurde.

Kreator

Den Abschluss meines Festivaltages bilden Kreator. Für mich sind sie live seit Jahren eine absolute Bank. Präzise gespielt, mit druckvollem Sound und einem beeindruckenden Bühnenbild samt riesigem Dämon ziehen sie das Publikum vom ersten Moment an in ihren Bann. Das Infield ist bis in die hintersten Reihen gefüllt und feiert jede Sekunde. Klassiker wie Pleasure to Kill sorgen für riesige Moshpits, während Phantom Antichrist für mich auch diesmal wieder zu den absoluten Höhepunkten des Sets gehört. Ein besonderer Moment folgt bei Tränenpalast, als Britta Görtz auf die Bühne kommt und den Song gemeinsam mit Mille Petrozza singt, genau wie auf dem Album. Solche Gastauftritte wirken oft etwas aufgesetzt, hier passt jedoch einfach alles zusammen. Meine Beine schmerzen inzwischen ordentlich, doch an Weggehen ist gar nicht zu denken. Dafür ist die Show einfach zu stark. Nach diesem grandiosen Auftritt ist für mich Schluss. Noch schnell duschen, ein letztes Bier genießen und anschließend zufrieden ins Zelt fallen.

Britta bei Kreator

Fazit

Der Freitag war für mich der abwechslungsreichste Festivaltag. Mit der Wanderung zur Teufelsmauer begann der Tag ganz entspannt, bevor auf dem Festivalgelände ein Highlight das nächste jagte. Zwischen starken Konzerten, vielen Gesprächen und jeder Menge Bewegung vor den Bühnen verging die Zeit wie im Flug. Am Ende machten sich zwar die vielen Stunden auf den Beinen deutlich bemerkbar, doch genau solche Tage sind es, die ein Festival unvergesslich machen. Erschöpft, aber glücklich ging es zurück ins Zelt.

Text: Mario W.

Fotos: JJ

 

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