kernkraftritter.de

ROCKHARZ 2026 Donnerstag: Ein Tag voller Highlights

Nach dem Frühstück im Camp und den ersten Kaltgetränken geht es direkt wieder Richtung Bühnen. Final Cry spielen den größten Festivalauftritt ihrer Bandgeschichte und liefern dabei richtig ab. Mit dieser Meinung stehe ich nicht allein. Das Infield ist bereits am frühen Tag erstaunlich gut gefüllt und das Publikum hat sichtlich Bock. Schon bei On Glacial Trails entstehen die ersten Moshpits, die Refrains werden lautstark mitgesungen.

Final Cry

Sänger Kai, der gleichzeitig zum ROCKHARZ-Team gehört, entschuldigt sich für seine angeschlagene Stimme. Er ist bereits seit einer Woche auf dem Gelände und das hinterlässt hörbare Spuren. Trotzdem gibt er alles und macht jede stimmliche Einschränkung mit Spielfreude und Leidenschaft wett. Ein schönes Detail am Rande: Die Grabenschlampen tragen extra für den Auftritt „Käpt’n Blaubär Team Kai“-Shirts. Zum Abschluss folgt mit Walk with the Dead der Bandklassiker, bei dem Band und Publikum noch einmal alles geben. Besser kann ein Festivaltag kaum beginnen.

Die Habenichtse

Die Habenichtse gehörten für mich zu den Überraschungen des Festivals. Vorher kannte ich die Band eigentlich nur dem Namen nach, danach stand für mich fest: Die schaue ich mir gerne wieder an. Trotz der brennenden Mittagssonne haben sie das Publikum mit ihrem herrlich schrägen „Schmierentheater“ fest im Griff. Ansagen wie „Wir werden uns hineinfühlen, wie es ist, eine Weinschorle zu sein“ – gefolgt von einer „Wall … ich meine natürlich Schorle of Death“ – geben die Richtung vor. Hier steht Unterhaltung klar im Mittelpunkt und genau das funktioniert an diesem heißen Nachmittag hervorragend.

Stahlmann

Bei Stahlmann wird es anschließend wieder deutlich ernster. Schwarz ist hier nicht nur ein Songtitel, sondern auch optisch Programm. Mit reichlich Pyrotechnik und druckvollem Sound feuert die Band einen Song nach dem anderen ins Publikum. Dieses ist schnell auf Betriebstemperatur, singt laut mit und startet bei Tanzen eine Wall of Death. Besonders positiv fällt mir dabei ein Besucher mit Blindenstock auf. Alle achten darauf, dass ihm nichts passiert und trotzdem jeder seinen Spaß haben kann. Ein schönes Beispiel dafür, wie respektvoll die Metal-Community miteinander umgeht. Mit Süchtig erreicht die Stimmung zum Abschluss noch einmal ihren Höhepunkt.

Sagenbringer

Mit Sagenbringer folgt eines meiner persönlichen Highlights des Tages. Ich schaffe es bis in die zweite Reihe und werde dafür belohnt. Bereits bevor die Band überhaupt die Bühne betritt, skandiert das Publikum lautstark „Sagenbringer, Sagenbringer“. Die Musiker wirken davon sichtlich beeindruckt. „Ihr seid vollkommen verrückt. Nein, ihr seid einfach geil!“, kommentiert die Band die Begrüßung.

Neben dem live hervorragend funktionierenden neuen Song Reiter Rohans gibt es mit Der Hort des Metdrachen auch ältere Stücke, die lautstark mitgesungen werden. Circle Pits, eine Wall of Death und zahlreiche Crowdsurfer sorgen zusätzlich für ordentlich Bewegung. Passend zu Berserker kommt dann auch noch Tetzel von Asenblut auf die Bühne und heizt die Stimmung weiter an. Nach dem Auftritt sieht man den Musikern regelrecht an, wie sehr sie die euphorische Reaktion des Publikums genießen.

Dogma

Von Dogma habe ich anschließend nicht allzu viel mitbekommen. Die Musikerinnen sind optisch natürlich ein Hingucker, der Sound passt ebenfalls und das Publikum feiert die Show ordentlich. Während viele Besucher die Performance sichtlich genießen, kann sie mich musikalisch nicht in gleichem Maße überzeugen. Die Songs klingen für meinen Geschmack etwas zu beliebig. Also gebe ich schließlich meinem Hunger nach und gönne mir hausgemachte Spätzle mit Champignonrahm. Eine ausgezeichnete Entscheidung.

Warmen

Warmen sind für mich als kleine Nachfolgeband von Children of Bodom Pflichtprogramm. Leider ist der Sound anfangs etwas basslastig. Vor der Bühne ist es rappelvoll. Neben zahlreichen Crowdsurfern dreht sich fast während der gesamten Show ein riesiger Circle Pit. Die Band liefert eine energiegeladene Performance und auch die Ansagen sorgen für gute Stimmung.

„Are you besoffen? Nur ein bisschen besoffen? You are the best crowd we have outside Finland!“

Besonders sympathisch: Keyboarder Janne filmt zwischendurch mit seinem Handy das Publikum. Den von mir erhofften Song von Children of Bodom gibt es zwar leider nicht, trotzdem bleibt ein starker Auftritt.

Dominum

Dominum wollte ich unbedingt sehen. Da kam es gerade recht, dass sie mit Hämatom die Slots tauschten. Dieses Mal verfolge ich die Show etwas weiter hinten. Sänger Dr. Dead ist ein geborener Entertainer und sorgt permanent für gute Laune. Ansagen wie „Macht mal Krach für den Typen, der hier gerade in einer Mülltonne nach vorne gecrowdsurft ist!“ bleiben einfach hängen. Auch die neuen Songs The Circus in Town und Doctor Doctor vom frisch erschienenen Album Night Is Calling zünden beim Publikum sofort.

Avatar

Während Avatar gönnen wir uns erst einmal eine ausgedehnte Gerstensaftpause. Dadurch merken wir allerdings zu spät, wie voll es vor der Bühne bereits geworden ist. Für Alice Cooper scheint wirklich jeder einen guten Platz ergattern zu wollen. Nach vorne kommen wir deshalb nicht mehr und bleiben im hinteren Bereich.

Alice Cooper

Das hat Vor- und Nachteile. Getränke gibt es dort problemlos, allerdings zieht inzwischen kräftiger Wind auf, der den Sound deutlich verweht. Dafür kann natürlich niemand etwas. Die Stimmung lassen wir uns trotzdem nicht verderben. Alice Cooper liefert eine gewohnt starke Show mit allen Klassikern seines Bühnenprogramms. Inklusive Guillotine. Besonders überrascht mich das abschließende Nirvana-Cover Smells Like Teen Spirit, das ich von ihm bisher noch nie live gehört hatte.

Hämatom

Zum Schluss noch ein großes Dankeschön an David und Laura. Sie haben mich überzeugt, mir anschließend auch noch Hämatom anzusehen. Und was soll ich sagen? Scheiße, war das geil!

Zum Glück haben wir diesen Entschluss gefasst, auch wenn wir zu diesem Zeitpunkt schon ziemlich gut mit Bier versorgt waren. Die Show ist beeindruckend, obwohl wetterbedingt nicht die komplette Produktion aufgebaut werden konnte. Songs wie Bleibst du heute mit mir wach und Wir sind Gott sorgen für mächtig Stimmung. Spätestens beim Deichkind-Cover Remmidemmi eskaliert das komplette Infield.

Einer der spektakulärsten Momente folgt bei Scheiße kommt – Scheiße geht. Drummer Frank Jooss lässt sich mitsamt Drumkit über das Publikum tragen. So etwas habe ich vorher noch nie gesehen.

Emotional wird es anschließend mit Gott muss ein Arschloch sein, das dem viel zu früh verstorbenen Bassisten Peter Haag gewidmet ist. Traurig endet der Abend deshalb aber nicht. Mit Ein auf den Tod, zwei auf das Leben läutet Hämatom den Endspurt ein, bevor sich die Band mit Es regnet Bier standesgemäß verabschiedet.

Für mich steht fest: Das war garantiert nicht meine letzte Hämatom-Show.

Mit Final Cry, Sagenbringer und Warmen gab es gleich mehrere Highlights, bevor Alice Cooper als lebende Rocklegende die Bühne betrat. Dass ausgerechnet Hämatom den Tag am Ende noch toppen würde, hätte ich vorher nicht erwartet. Müde, glücklich und mit einigen Ohrwürmern ging es schließlich zurück ins Camp – in Vorfreude auf das, was der Freitag noch bereithalten würde.

Text: Mario W.

Fotos: JJ

👁 15 Aufrufe

Like this Article? Share it!

About The Author

Leave A Response