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Rude (Rock unter dem Eichen) Freitag 18.07.2026

RUDE

Kurz nach 12 Uhr erreichte ich das La Porte Restaurant. Wie jedes Jahr dauerte es keine fünf Minuten, bis ich die ersten bekannten Gesichter entdeckte. Ein frisch gezapftes Bier, etwas zu essen und die Vorfreude auf zwei Tage Extreme Metal, besser kann ein Festival kaum beginnen.

Kurz vor 14 Uhr machte ich mich schließlich auf den Weg zum Einlass. Die Schlange hielt sich noch angenehm in Grenzen.
Pünktlich oder besser gesagt sogar leicht überpünktlich eröffnete APEP das RUDE Festival 2026.

Für viele Metalfans war die Uhrzeit allerdings wohl doch etwas zu früh. Während die Band bereits spielte, wurde die Schlange am Eingang immer länger. Trotzdem hatten sich bereits viele Besucher vor der Bühne eingefunden und sorgten für einen gelungenen Start in den Tag.

Apep

APEP stammen aus Sachsen und stehen für technisch anspruchsvollen Death Metal mit einer angenehm mystischen Atmosphäre. Seit ihrer Gründung im Jahr 2016 hat die Band bereits zwei Alben veröffentlicht. Seit 2024 verstärkt Henrik als zweiter Gitarrist die Band, eine Entscheidung, die dem Sound hörbar guttut. Mit seiner Erfahrung aus Bands wie Deny the Urge, Headshot oder Magna Mortalis bringt er zusätzliche Qualität in den Sound. Frontmann Flecki überzeugte derweil mit perfekt eingesetzten Harsh Vocals. Genau mein Ding, Technical Death Metal funktioniert live einfach hervorragend.

 

Die erste Umbaupause nutzte ich, um zahlreiche Freunde und Bekannte zu begrüßen. Natürlich waren auch die Mitglieder vom Braunschweiger Verein Hotel 666 und den Hannoveraner Verein 30666 wieder zahlreich vertreten. Genau solche Begegnungen machen für mich den besonderen Reiz eines kleinen Festivals aus.

Fleshworks

Mit Fleshworks aus Osnabrück ging es anschließend ohne Umwege weiter in Sachen Death Metal. Die Band wurde bereits 2008 gegründet und setzt seit jeher auf kompromisslosen Old-School-Sound ohne unnötigen Schnickschnack. Zwar ließ der Nachfolger des Debütalbums einige Jahre auf sich warten, doch spätestens mit den Veröffentlichungen von 2018 und 2023 meldeten sich Fleshworks eindrucksvoll zurück. Frontmann Dirk erschien wie gewohnt in seiner Metzgerschürze und suchte sofort den direkten Kontakt zum Publikum. Inzwischen hatte sich das Infield deutlich gefüllt. Viele Besucher kamen direkt vom Campingplatz zur Bühne, teilweise noch bevor überhaupt das Zelt vollständig aufgebaut war.

 

In der nächsten Pause führte mein Weg selbstverständlich zum Merchandising-Stand. Die beiden APEP-CDs mussten einfach mit nach Hause. Fleshworks besitze ich bereits, nachdem die Band 2024 beim Metal Embrace in Barleben gespielt hatte.

V8 Wankers

Mit den V8 Wankers folgte anschließend der erste stilistische Ausreißer des Tages. Das Infield wurde zwar etwas leerer, was allerdings weniger an der Band lag. Viele Besucher nutzten die Gelegenheit, ihre Camps fertig aufzubauen. Außerdem bewegt sich die Band musikalisch eher im Rock’n’Roll als im Death- oder Black-Metal-Bereich. Die V8 Wankers gibt es inzwischen seit fast drei Jahrzehnten. Ihr Mix aus dreckigem Rock’n’Roll und einer gehörigen Portion Motörhead-Vibes funktionierte trotzdem hervorragend und sorgte für lockere Festivalstimmung.

Chaos and Confusion

Erstmals für heute wird auch die kleine Bühne bespielt. Den Anfang machte Chaos and Confusion mit einer Hommage an Hypocrisy. Das Publikum nahm die Idee begeistert auf. Für mich persönlich war es zwar etwas schwieriger, da ich Hypocrisy erst beim Ragnarök Festival und wenige Wochen zuvor auf ihrer Europa-Tour live erlebt hatte, trotzdem eine schöne Überbrückung der Wartezeit.

Rats of Gomorrha

Kurz vor dem Auftritt von Rats of Gomorrha setzte leider leichter Regen ein. Bei Temperaturen jenseits der 25 Grad störte das allerdings kaum jemanden. Auf diese Band hatte ich mich im Vorfeld am meisten gefreut. Bereits ihre Vorgängerband Divide durfte ich zweimal live erleben. Meine Erwartungen wurden sogar noch übertroffen. Daniel und Moritz haben sich musikalisch enorm weiterentwickelt. Die beiden Kieler schaffen es als Duo, einen unglaublich druckvollen Technical-Death-Metal-Sound auf die Bühne zu bringen. Besonders beeindruckend war das Zusammenspiel zwischen Daniel an der Gitarre und Gesang, sowie Moritz am Schlagzeug, der mit seinen zusätzlichen Vocals immer wieder Freiräume für die Gitarrenarbeit schuf.

Rats of Gomorrha

Der Regen hielt das komplette Set über an, doch das Publikum störte das überhaupt nicht, vor der Bühne wurde gefeiert. Nach dem Konzert führte mein erster Weg erneut zum Merch-Stand. Natürlich musste die aktuelle CD mit nach Hause. Außerdem nahm ich mir noch Zeit für ein kurzes Gespräch mit Daniel und Moritz. Zwei unglaublich sympathische Musiker.

Dark Oath

Pünktlich zum Beginn von Dark Oath verzog sich schließlich auch der Regen wieder und die Sonne kommt raus und das Infield füllte sich erneut. Die Portugiesen stehen für epischen Melodic Death Metal und wurden bereits 2009 gegründet. Sängerin Sara war damals gerade einmal 16 oder 17 Jahre alt, als sie zur Band stieß. Ihre kraftvollen Harsh Vocals harmonieren perfekt mit den orchestralen und melodischen Elementen der Band. Beeindruckend war außerdem, dass der fehlende Bassist überhaupt nicht auffiel.

 

Die nächste Pause verbrachte ich entspannt vor der kleinen Bühne bei weiteren Hypocrisy-Klassikern. Zwischendurch noch schnell ein Fischbrötchen, Festivalherz was willst du mehr?

Acranius

Mit Acranius aus Rostock änderte sich anschließend die Atmosphäre schlagartig. Hardcore stand auf dem Programm. Vor der Bühne bildeten sich sofort die ersten Moshpits, weshalb ich mich lieber einige Meter zurückzog. Mit dieser Art von Tanzeinlagen werde ich wohl nie richtig warm. Spannend war allerdings der Vergleich. Vor zwei Jahren durfte ich Acranius noch in meinem Jugendzentrum vor gerade einmal 70 bis 80 Zuschauern erleben. Nun standen mehrere hundert Fans vor der Bühne und feierten die Band frenetisch. Der beste Beweis ist der Merch-Stand in der Pause, denn der war mit Acranius Fans überlaufen.

Also nutzte ich die Gelegenheit, meine bis dahin gekauften CDs erst einmal in Sicherheit zu bringen. Langsam näherte sich der erste Festivaltag seinem Höhepunkt.

Jungle Rot

Mit Jungle Rot aus Kenosha im US-Bundesstaat Wisconsin stand eine Band auf dem Programm, die man in Europa nur äußerst selten live erleben darf. Umso größer war meine Vorfreude. Seit über 30 Jahren steht die Band für kompromisslosen Old-School-Death-Metal und präsentierte natürlich auch Songs ihres aktuellen Albums Cruel face of war. Vor der Bühne entstanden mehrere riesige Circle Pits und die Stimmung erreichte erstmals an diesem Tag ihren Höhepunkt. Ich habe Jungle Rot richtig abgefeiert. Allein die seltene Gelegenheit, die Band live zu erleben, machte den Auftritt zu einem persönlichen Highlight.

Während Jungle Rot noch spielten, wurde bereits die kleine Bühne für den nächsten Programmpunkt vorbereitet.

Gangrea Gasosa

Erstmals trat dort mit Gangrena Gasosa aus Brasilien eine Band mit eigenen Song auf. Was dann folgte, war wohl einer der verrücktesten Kontraste des gesamten Festivals. Samba trifft Thrash Metal.
Die Brasilianer hatten bereits eine Woche zuvor das In Flammen Festival begeistert und sorgten nun auch beim RUDE für ausgelassene Stimmung. Die Energie der Band sprang sofort auf das Publikum über. Überall wurde getanzt, gelacht und gefeiert. Ein völlig anderer Stil als der Rest des Line-ups und genau deshalb funktionierte der Auftritt so hervorragend.

Den Abschluss des ersten Festivaltages übernahmen schließlich Vomitory.

Vomitory

Die Schweden gehören seit Jahrzehnten zu den festen Größen des Old-School-Death-Metal und zeigten vom ersten Ton an, warum. Keine  Ansagen, d.h. kein überflüssiger Smalltalk. Einfach kompromissloser schwedischer Death Metal. Vor der Bühne tobten riesige Circle Pits und die Fans feierten jede einzelne Minute. Normalerweise leert sich das Infield gegen Ende diese Uhrzeit langsam, schließlich war es ein langer erster Tag und meistens wollen die Leute ins Camp zum Feiern, aber nicht heute. An diesem Abend blieb das Publikum bis zum Schluss. Nach rund 65 Minuten war der Auftritt leider schon vorbei. Viel zu früh, wenn man mich fragt. Es für mich eine Bereicherung, da Vomitory auf dem Ragnarök eine kurze Setlist hatten.

 

So endete ein erster Festivaltag, der genau das bot, was das RUDE Festival seit Jahren auszeichnet: großartige Bands, viele bekannte Gesichter, jede Menge Death Metal und eine Atmosphäre, die man nur auf einem familiären Festival erleben kann.

Danke an Thomas für die Akkreditierung. Wir sehen uns morgen wieder vor der Bühne!

Text: Frank
Fotos: JJ

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