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Life Undying – Mourn | Release: 25.09.2026

Life Undying – Mourn

Release: 25.09.2026

Manchmal braucht es nicht viel, um sich in einem Album zu verlieren. Kopfhörer auf, Augen zu und einfach laufen lassen. Genau das ist mir bei „Mourn“ passiert. Die Musik von Life Undying besitzt eine Atmosphäre, die einen regelrecht wegtragen kann. Verträumte Melodien treffen auf schwere Gitarren, aggressive Screams und immer wieder auf Momente, in denen plötzlich alles etwas ruhiger wird. Und während man sich musikalisch darin verlieren kann, erzählen die Texte eine Geschichte, die deutlich weniger zum Träumen einlädt, sondern eher zum Nachdenken bewegt.

Hinter Life Undying steht der Grazer Musiker Luke Iggy. „Mourn“ ist sein Debütalbum und wurde komplett in Eigenregie geschrieben, aufgenommen, gemischt und gemastert. Musikalisch bewegt sich das Projekt zwischen Post Metal und Blackgaze. Tremolo-Gitarren, wütende Ausbrüche und harscher Gesang treffen auf cleane Passagen und eingängige Melodien. Das könnte schnell nach einer bekannten Mischung klingen und funktioniert auf „Mourn“ sehr gut. Vor allem die Dynamik macht einen großen Teil des Reizes aus. Die Songs müssen nicht ständig mit maximaler Härte überzeugen. Sie lassen sich Zeit und geben den Melodien Raum.

Der Opener „Flowers In Concrete“ zeigt das direkt sehr gut. Starke emotionale Melodien treffen auf Lukes wandelbaren Gesang. Mal rau und aggressiv, dann wieder deutlich cleaner. Diese stimmliche Vielfalt gefällt mir auf dem gesamten Album ausgesprochen gut. Man hört nicht nur unterschiedliche Gesangstechniken, sondern vor allem Emotion. Das passt hervorragend zu den Songs und sorgt dafür, dass die Musik trotz aller Atmosphäre niemals steril wirkt.

Mein persönlicher Favorit ist momentan „Like A Bird In Rain“. Der Song hat genau diese Mischung, die „Mourn“ für mich so interessant macht. Verträumte Melodien wechseln sich mit kurzen Raserei-Passagen ab. Dazu kommt überwiegend rauer Gesang, der immer wieder von cleanen Stellen aufgelockert wird. Inhaltlich geht es um die Frage, warum es so schwer ist, ins Handeln zu kommen, obwohl man die Probleme längst erkannt hat. Der Text fordert dazu auf, nicht einfach wegzusehen und den eigenen Teil beizutragen.

Damit sind wir auch bei einem wichtigen Bestandteil von „Mourn“. Die Texte beschäftigen sich mit Umweltzerstörung, Klimakrise und dem Verlust von Natur. Das wird nicht nur irgendwo am Rand erwähnt, sondern zieht sich konsequent durch das Album. „In Harmony“ formuliert dabei beinahe einen Gegenentwurf. Die Erde soll nicht als selbstverständlich betrachtet, sondern bewahrt werden.

Besonders eindringlich finde ich „Endless Autumn“. Hier entsteht beim Hören beinahe automatisch ein Bild von einer Landschaft, die einmal voller Leben war und nun nur noch aus Erinnerung besteht. Der Erzähler blickt auf eine Natur zurück, die früher ruhig, warm und wunderschön war. Jetzt bleibt die Frage, wann die Zerstörung endlich ein Ende findet. Diese melancholische Stimmung funktioniert gerade deshalb so gut, weil Musik und Text dieselbe Sprache sprechen.

Trotz der überwiegend melancholischen Grundstimmung wird es immer wieder richtig hart. „Grieve“ ist dafür ein gutes Beispiel. Der Song wirkt direkter und weniger verträumt als manches andere auf dem Album. Gerade dadurch setzt er einen interessanten Kontrapunkt, ohne aus dem Gesamtbild herauszufallen. „5AM Torrential Rain“ bringt dagegen eine Menge Energie mit. Der Song fühlt sich geradezu danach an, irgendwann vor einem Publikum gespielt zu werden. Bei einigen Passagen kann ich mir sehr gut vorstellen, dass die Energie live noch einmal deutlich größer ausfällt.

Und dann gibt es Songs wie „Little Step To Eternity“, die wieder stärker zum Nachdenken einladen. Vergangenheit, Gegenwart und eine wenig verheißungsvolle Zukunft werden miteinander verbunden. Die Frage, wie es überhaupt zu diesem Zustand kommen konnte, taucht immer wieder auf. Besonders interessant ist dabei, dass der Text nicht nur Anklage ist. Er stellt auch die eigene Verantwortung in den Raum.

Den Abschluss bildet „Bury It Next To Me When I’m Dead“. Ein Song über Vergänglichkeit, vergangene Lasten und das Loslassen. Der Titel klingt zunächst düster, tatsächlich wirkt der Song auf mich aber eher wie ein abschließender Blick zurück. Was bleibt von dem, was war? Was nimmt man mit und was darf man zurücklassen? Mit diesem Stück endet ein Album, das sich immer wieder zwischen Trauer, Wut, Hoffnung und Resignation bewegt.

Was mir an „Mourn“ besonders gefällt, ist, dass die Platte nicht auf eine einzige Hörsituation festgelegt ist. Ich kann sie während der Arbeit laufen lassen oder im Auto hören und sie funktioniert hervorragend als atmosphärische Begleitung. Noch stärker wird sie aber, wenn man sich bewusst darauf einlässt. Mit Kopfhörern, ohne Ablenkung und mit etwas Zeit entwickeln die Songs eine ganz andere Wirkung. Dann werden aus schönen Melodien plötzlich kleine Geschichten und aus den schweren Passagen emotionale Ausbrüche.

Luke Iggy hat „Mourn“ laut eigener Aussage während einer schwierigen Phase geschrieben und die Arbeit am Album als eine Art Therapie erlebt. Vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum die Platte trotz ihres klaren thematischen Rahmens nicht wie ein durchgeplantes Konzeptprodukt wirkt. Sie fühlt sich emotional an. Und das ist etwas, das man nicht einfach durch eine gute Produktion oder die richtige Mischung aus Screams und cleanem Gesang erzeugen kann.

„Mourn“ ist für mich deshalb eines dieser Alben, bei denen ich nach dem letzten Song nicht einfach auf die nächste Platte wechseln möchte. Ich möchte zurückspulen und noch einmal hören. Noch einmal in diese Atmosphäre eintauchen. Noch einmal „Like A Bird In Rain“ aufdrehen. Und genau das ist vermutlich das größte Kompliment, das ich einem Debüt machen kann. Life Undying hat mit „Mourn“ ein Album geschaffen, das mich nicht nur musikalisch erreicht, sondern bei dem ich auch wissen möchte, wie es weitergeht. Jetzt fehlt eigentlich nur noch der Moment, in dem ich diese Songs einmal live erleben kann.

Wer „Mourn“ selbst hören und das Projekt direkt unterstützen möchte, findet das Album auch auf Bandcamp. Aus Deutschland ist „Mourn“ dort aktuell nur als digitale Version erhältlich. Die physische Version wird derzeit nur nach Österreich verschickt.  https://lifeundying.bandcamp.com/

Mario W.

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About The Author

Metal ist für mich mehr als nur Musik. Es sind Alben, die im Kopf bleiben, Konzerte, die man nicht so schnell vergisst, und Festivals, deren Eindrücke einen noch lange begleiten. Mehr Metal, Reviews und Live-Eindrücke von mir findest du auf Instagram: @marios_moshnotes

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