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Helmfest 2026 – Tag 1: Hitzeschlacht, Piraten und ein verdammt starker Auftakt

Das war knapp! So ist das eben, wenn man dem Enkel vor dem Urlaub noch schnell etwas Taschengeld zustecken möchte. Aus „mal eben“ wird ganz schnell ne Stunde und plötzlich sitzt einem die Uhr im Nacken. Zum Glück läuft die Akkreditierung beim Helmfest genauso entspannt ab, wie man es von diesem Festival kennt. Ein paar Minuten später stand ich dann auch schon pünktlich vor der Bühne.

Den Anfang machten Last Instance. Laut eigener Aussage Modern Heavy Metal. Meine ersten Gedanken gingen allerdings eher Richtung moderner Hard Rock. Je länger das Set dauerte, desto mehr zeigten die Jungs aber, dass sie durchaus auch ordentlich zupacken können. Und mal ehrlich: Ein singender Schlagzeuger hat bei mir sowieso direkt einen Stein im Brett. Das Thermometer zeigt Knapp unter 40 Grad. Völlig egal. Die Band hatte Bock und das Publikum ebenfalls. Von den Jungs dürfte man in Zukunft noch hören.

Als Nächstes war erst einmal der obligatorische Rundgang über das Gelände angesagt. Und genau da zeigt sich jedes Jahr wieder, warum das Helmfest so besonders ist. An jeder Ecke bekannte Gesichter. Hier quatscht man vorm Hotel 666, dort trifft man jemanden am Bierstand und ehe man sich versieht, ist schon wieder eine halbe Stunde vorbei. Herrlich!

Mit Orage wurde es anschließend moderner. Ehrlich gesagt nicht unbedingt meine Baustelle. Aber genau das ist ja das Schöne. Während ich nicht so richtig warm wurde, füllte sich der Bereich vor der Bühne ordentlich. Geschmäcker sind eben verschieden und genau deshalb funktioniert das Helmfest. Hier findet jeder seine Band.

Danach wurde es… sagen wir mal… maritim.

Tortuga enterten die Bühne. Die Piratencrew hatte sich auf der Suche nach dem „One Piece“ offenbar verfahren und landete stattdessen in Büddenstedt. Kann passieren. Musikalisch irgendwo zwischen Folk und Heavy Metal, dazu jede Menge Humor und Partylaune. Die Truppe versteht es einfach, die Leute mitzunehmen. Und dann war da noch diese verdammte Piratonese, eine Art Polonaise nur mit Piraten, die plötzlich durchs Publikum wanderte. Ich weiß bis heute nicht, wer mehr Spaß hatte – die Band oder die Zuschauer. Wenn ihr wissen wollt, was da genau los war, schaut euch unbedingt die Bilder an.

Wer das alles als zu lustig empfand, wurde mit der nächsten Band wieder eingefangen.

Wolves of War servierten feinsten Dark Metal mit deutlichen Einflüssen aus Melodic Death und Black Metal. Für die einen ist das aufgepumpter Melo-Black, für die anderen einfach verdammt gute Musik. Ich gehöre eindeutig zur zweiten Fraktion. Atmosphärisch, druckvoll und mit ordentlich Wiedererkennungswert. Eigentlich hätte die Band locker noch ein oder zwei Songs mehr spielen können. Leider war sechs Minuten vor der Zeit Schluss. Warum auch immer. Immerhin hatte der Merchstand geöffnet. Das aktuelle Album steht inzwischen bei mir im CD-Regal. Mehr Empfehlung braucht es eigentlich nicht.

Mit We Are Perspectives war anschließend die jüngere Fraktion an der Reihe. Deathcore. Jetzt könnte ich natürlich so tun, als wäre das genau mein Ding. Ist es aber eben nicht. Das Genre wird vermutlich nie mein bester Freund werden. Können kann man der Band allerdings überhaupt nicht absprechen. Technisch war das richtig stark und die Leute vor der Bühne hatten ihren Spaß. Genau deshalb liebe ich Festivals wie das Helmfest. Hier stehen Deathcore, Thrash, Black, Heavy und Folk Metal völlig selbstverständlich nebeneinander. So bringt man unsere kleine verrückte Subkultur zusammen.

Mein persönliches Highlight des Tages!

DEFACING GOD aus Dänemark.

Was für ein Brett! Irgendwo zwischen melodischem Black Metal, Death Metal und einer ordentlichen Portion Dark Metal. Wer sich Arch Enemy mit einer düsteren skandinavischen Atmosphäre vorstellen kann, bekommt ungefähr eine Ahnung, wohin die Reise geht. Trotz des einsetzenden Regens hatte die Band das Publikum komplett im Griff. Das war intensiv, druckvoll und genau mein Geschmack. Eigentlich hätte ich direkt zum Merchstand rennen müssen. Blöd nur, dass die Dänen überhaupt keinen Merch dabeihatten. Sonst wäre das Vinyl des Tages sicher mit nach Hause gefahren. Schade! Aber vielleicht ergibt sich ja noch einmal eine Gelegenheit. Hoffentlich!

Als Headliner betraten anschließend Traitor die Bühne.

Was soll ich groß erzählen? Die Jungs liefern einfach immer. Seit Jahren gehören sie zu den stärksten Thrash-Metal-Bands Deutschlands und auch heute gab es wieder etwas mehr als eine Stunde Vollgas. Fette Riffs, ordentlich Druck und dazu diese herrlich nerdigen Texte über Videospiele oder Star Trek. Genau diese Mischung macht Traitor aus. Hart, ehrlich und dabei nie verbissen. Wer die Gelegenheit hat, sollte sich die Band unbedingt einmal live ansehen. Es lohnt sich jedes Mal.

Wer immer noch nicht genug hatte, konnte den Tag mit Trapjaw ausklingen lassen. Die Truppe erinnerte mich stellenweise an eine schön rumpelige Version von Coroner. Anspruchsvoll, technisch und definitiv nichts, was man mal eben nebenbei konsumiert. Je länger das Set dauerte, desto interessanter wurde es für mich. Da werde ich nach dem Festival definitiv noch etwas tiefer eintauchen.

Schade war eigentlich nur, dass sich zu dieser Uhrzeit nur noch eine Handvoll Leute vor der Bühne eingefunden hatte. Da stellt sich schon die Frage, ob es wirklich sinnvoll ist, in der Nacht von Donnerstag auf Freitag nach dem Headliner noch weitere Bands spielen zu lassen. Verdient hätten Trapjaw deutlich mehr Publikum gehabt.

Mein Fazit zum ersten Festivaltag?

Das Helmfest hat mal wieder genau das geliefert, was viele von uns so schätzen. Familiäre Atmosphäre, überall bekannte Gesichter und ein Billing, das bewusst über den Tellerrand schaut. Von Modern Heavy Metal über Deathcore bis hin zu Thrash und melodischem Black Metal war alles dabei. Mein persönlicher Sieger des Tages heißt ganz klar Defacing God, dicht gefolgt von Traitor und Wolves of War. Wenn Tag zwei dieses Niveau halten kann, wird das wieder ein verdammt gutes Wochenende in Büddenstedt.

Text/Foto: S.R.

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