Der Wetterbericht für das ROCKHARZ versprach im Vorfeld perfektes Festivalwetter. Zwar änderte sich die Vorhersage noch ein paar Mal, am Ende blieb es für mich aber nahezu ideal: nicht zu heiß, nicht zu kalt. Wind und Regen hielten sich ebenfalls in Grenzen.
Mittwochmorgen, Auto beladen, noch einmal den Wetterbericht checken und dann endlich los Richtung Ballenstedt. Das ROCKHARZ 2026 kann beginnen. Die Anfahrt verläuft problemlos über die vorgegebene Route und auch der Stau am Einlass hält sich in Grenzen. Für ein Festival dieser Größe läuft alles erstaunlich entspannt. Vom Verlassen der Autobahn über die Bändchenausgabe und Akkreditierung bis zum Campingplatz brauche ich knapp eine Stunde.
Das Camp steht gerade noch rechtzeitig, bevor ein Gewitter mit einem ordentlichen Wolkenbruch über den Platz zieht. Besser hätte das Timing kaum sein können. Also erst einmal mit einem Kaltgetränk unter den Pavillon und den Regen aussitzen. Zum Glück klart es schnell wieder auf und pünktlich zum Infield-Opening scheint wieder die Sonne.

Den Festivalauftakt übernehmen Heavysaurus. Die Dinos schaffen es direkt, eine beachtliche Menge an Zuschauern vor der Bühne zu versammeln. Ihr Konzept, Kindern Heavy Metal näherzubringen, geht auch hier voll auf. Für den Auftritt wurde ein eigener Bereich direkt vor der Bühne abgesperrt, damit die jungen Fans freie Sicht haben und nicht zwischen den Erwachsenen untergehen. Zusätzlich waren Kinder aus der Umgebung eingeladen. Die Eltern konnten das Konzert entspannt hinter der Absperrung verfolgen, während vorne ausgelassen mitgesungen und getanzt wurde. Meine beiden Jungs zu Hause wären sicherlich auch gerne dabei gewesen. Dank der regelmäßigen Touren wird sich aber bestimmt bald wieder die Gelegenheit ergeben, gemeinsam ein Heavysaurus-Konzert zu besuchen. Spätestens bei Kaugummi ist mega und den gewohnt witzigen Ansagen von Mr. Heavysaurus war klar: Der Festivalstart ist gelungen.
Einer der großen Vorteile des ROCKHARZ sind die beiden gleich großen Bühnen direkt nebeneinander. Lange Umbaupausen gibt es dadurch praktisch nicht. Nach wenigen Minuten geht es bereits auf der zweiten Bühne weiter.

Mit Soulbound steht nun eine Band auf dem Plan, die ich schon länger einmal live sehen wollte. Bisher hat es aus den unterschiedlichsten Gründen nie geklappt. Umso schöner, dass es diesmal endlich passt. Der Sound drückt von Beginn an ordentlich aus den Boxen. Erste Crowdsurfer machen sich auf den Weg in Richtung Bühne und man merkt, dass sich Soulbound in den letzten Jahren eine Fanbase aufgebaut hat. Es fällt mir tatsächlich schwer, die Musik von Soulbound einem Metalstil zuzuordnen. Die Band selbst bezeichnet ihren Stil als „Don’t give a fuck Metal“. Das kann man, denke ich, so stehen lassen. Der genaue Stil ist ja auch gar nicht so wichtig. Hauptsache, es macht Spaß – und das tut es.

Die österreichischen Post-Black-Metaller Harakiri For The Sky hinterlassen ebenfalls einen starken Eindruck. Große Ansagen gibt es kaum. Zwischen rasenden Passagen und weit aufgezogenen Melodien entwickelt sich stattdessen eine dichte, melancholische Atmosphäre. Sänger J.J. verarbeitet in seinen Texten Depressionen, negative Emotionen und den Tod. Wer sich darauf einlässt, bekommt einen intensiven Auftritt geboten. Gleichzeitig zeigt die Band einmal mehr, dass auf dem ROCKHARZ auch musikalische Nischen ihren festen Platz haben.

Auf The Haunted hatte ich mich schon im Vorfeld besonders gefreut. Songs of Last Resort lief bei mir in den vergangenen Monaten regelmäßig, entsprechend groß war die Vorfreude auf den Auftritt. Mit Warhead und In Fire Reborn schaffen es auch zwei Songs des aktuellen Albums in die Setlist, über die ich mich besonders freue. Zu Beginn ist der Sound noch etwas unausgewogen, doch das wird schnell nachgebessert. Danach entwickelt der Auftritt einen enormen Sog. Die druckvollen Riffs und der Groove setzen das Publikum sofort in Bewegung. Circle Pits entstehen beinahe wie von selbst und in der Luft liegt der unverkennbare Duft der etwas sportlicheren Zigaretten. Wohin man auch blickt, überall grinsende Gesichter und fliegende Haare. Für mich gehört The Haunted ganz klar zu den Highlights des ersten Festivaltages.

Ensiferum begleiten mich inzwischen seit vielen Jahren. Ihre Konzerte machen einfach immer Spaß. Ich muss allerdings gestehen, dass mir die Auftritte mit der damaligen Akkordeonspielerin noch ein kleines Stück besser in Erinnerung geblieben sind. Das ist allerdings Jammern auf hohem Niveau. Die Setlist bietet einen gelungenen Querschnitt durch die Bandgeschichte, auch wenn ich Songs vom Album One Man Army etwas vermisst habe. Die neueren Stücke funktionieren live gut und der cleane Gesang von Keyboarder Pekka Montin sorgt zwischendurch für frische Akzente. Trotzdem schlägt mein Herz bei Klassikern wie Token of Time und Lai Lai Hei etwas höher. Circle Pits und zahlreiche Crowdsurfer gehören während des gesamten Auftritts selbstverständlich dazu. Mit In My Sword I Trust endet eine weitere starke Show.

Nach Ensiferum ist es Zeit für eine kleine Pause und etwas zu essen. Im Infield gibt es reichlich Auswahl. Ich entscheide mich für einen Käsedöner, eine Entscheidung, die ich keine Sekunde bereue. Danach geht es zurück ins Camp, um die Beine etwas zu entlasten. Wie das auf Festivals so ist, bleibt man bei dem einen oder anderen Getränk doch länger sitzen als geplant. Das führt leider dazu, dass ich den größten Teil der Black Label Society-Show verpasse. Das bisschen, das ich noch mitbekomme, gefällt mir allerdings gut. Nach allem, was ich später höre, habe ich wohl einiges verpasst.

Als Headliner betreten schließlich Helloween die Bühne. Eingeleitet wird das Konzert von Robbie Williams‘ Let Me Entertain You, bevor March of Time den eigentlichen Auftakt bildet. Statt eines klassischen Backdrops setzt die Band auf eine große Videowall, die mit ihren Animationen der ohnehin beeindruckenden Show zusätzliche Dynamik verleiht. Das Infield ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Gefühlt ist kaum jemand auf dem Campingplatz geblieben.
Deris und Kiske wechseln sich mühelos ab, während Kai Hansen immer wieder Akzente setzt. Dadurch bleibt die Show auch über die knapp zwei Stunden erstaunlich abwechslungsreich. Selbst neue Songs wie This Is Tokyo vom aktuellen Album Giants & Monsters werden vom Publikum hervorragend aufgenommen und stehen den Klassikern der Keeper-Alben kaum nach. Ein besonderer Moment ist Future World, bei dem alle drei Sänger gemeinsam am Mikrofon stehen.
Fast genauso unterhaltsam wie das Geschehen auf der Bühne ist zeitweise das Publikum. Direkt neben mir lässt ein offensichtlich gut gelaunter Besucher gleich zweimal sein frisch geholtes Bier fallen. Nach dem zweiten Versuch gibt er sich geschlagen. Offenbar hatte sein Körper an diesem Abend keinen weiteren Durst mehr.
Die knapp zwei Stunden vergehen erstaunlich schnell. Mit allen, mit denen ich später über den Auftritt spreche, herrscht Einigkeit: Helloween liefern einen Headliner-Auftritt, über den während des Festivals noch oft gesprochen wurde.

Steve ’n’ Seagulls lasse ich anschließend aus. Nach diesem langen Tag ist eine Dusche einfach wichtiger. Auf dem Rückweg zum Camp bleibe ich am Ausgang des Infields noch kurz bei der Cantina Band stehen. Irgendwie gehört dieser Song auf Festivals einfach dazu.
Zurück am Zelt gibt es noch ein letztes Bier und ein kleines Fazit des Tages. Neben Helloween haben mich vor allem The Haunted begeistert. Kurz darauf falle ich todmüde auf die Luftmatratze.
Zumindest war das der Plan.
Irgendwann in der Nacht verabschiedet sich langsam die Luft aus der Matratze und ich wache direkt auf dem harten Wiesenboden auf. Viel zu müde, um mich darum zu kümmern, schlafe ich zunächst einfach weiter. Irgendwann meldet sich allerdings mein Rücken so deutlich, dass an Weiterschlafen nicht mehr zu denken ist. Nach ein wenig Bewegung geht es zwar wieder, trotzdem bin ich froh, vorsorglich eine Ersatzmatratze eingepackt zu haben. Die wird am nächsten Morgen direkt zum Einsatz kommen.
Text: Mario W.
Fotos: JJ










