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Wandar – Tiefe Erde 01.05.2026 Vendetta Records

Wandar ist eine deutsche Band aus dem schönen Städtchen Halle. Sie musizieren schon seit 2006 zusammen und sind im atmosphärischen Black Metal zuhause. Die Diskografie umfasst:

Kälte (Demo) 2007

Vergessenes Wandern (EP) 2008

Landlose Ufer (Album) 2012

Zyklus (Album) 2019

Landlose Ufer (Album) 2021

Tiefe Erde (Album) 2026

 

Bandmitglieder:

„Mara“ Bass

Westram Gitarre

Zazhgul Gitarre

Skoll von Kallenheim Gesang

Totz Schlagzeug

Wandar singen auf deutsch meist über dunkle, emotionale und spirituelle Themen wie Leid, Vergänglichkeit und innere Abgründe. Ihre Texte sind stark von Natur, Mystik und Isolation geprägt und erzeugen eher eine dichte, melancholische Atmosphäre als konkrete Geschichten.

Wandar – Tiefe Erde

  1. Bedrängnis 1:37
  2. Trug 7:48
  3. Visol-Bolvis 8:26
  4. …Nächtlich 3:09
  5. Drangsal 8:05
  6. Erden 8:45
  7. Irrlicht 3:08
  8. Hetäre 6.52
  9. Gestirne 12:45 

Veröffentlicht am 1. Mai 2026 über das Label Vendetta Records

Fast alle Songs sind zwischen 7-8 Minuten lang bis auf das Meisterwerk „Gestirne“zum Schluss mit 12:45. Aber von vorne…

Das Album beginnt mit einem sachten Intro auf Klavierbasis. „Bedrängnis“ stimmt ein auf eine musikalische Reise voller Höhen und Tiefen. Der instrumentale Opener ist kein klassischer Song, sondern ein Tor ins Album. Düstere Klavierflächen mit langsamen Aufbau bereiten mental auf den Abstieg vor. Zu der Singleauskopplung „Trug“ gibt es auch ein Video, das mir durch den You Tube Algorithmus vorgeschlagen wurde. So wurde ich erst auf die Band aufmerksam. Wimmernde Gitarrenläufe nehmen dich sofort in Beschlag gefolgt von den so wunderschönen typischen Black-Metal-Screams. Langsam fließender Aufbau der sich stellenweise in Doublebass und/oder Blastbeats aggressiv entlädt. Spannung entsteht durch wechselnde Tempoläufe, nicht chaotisch, eher kontrolliert führt der Gesang durch den Song.

Mit einer der stärksten Tracks ist definitiv „Visol-Bolvis“.Ein Paradebeispiel für die Dynamik in Wandars Songstrukturen. Er wächst mit jeder Minute aus einem Wechsel an aggressiven und introvertierten Parts mit fast hypnotischen Wiederholungen. Ein sachter Orchesterpart zu Beginn bereitet auf das kommende Brett vor. Schöne atmosphärische Gitarren plus das Fauchen erzeugen eine geheimnisvolle Stimmung – immersiv, sphärisch, klangmalerisch. Zum Ende nochmal die volle Breitseite aus Schlagzeug, Bass und Gitarrenarbeit.

„Nächtlich“ bietet eine bewusste Ruhephase. Raum zum Atmen. Raum zum Versinken. Das Klavier ist stärker melancholisch, fast verträumt, tragend. Ein orchestraler Übergang zum nächsten Titel.

Mit „ Drangsal“ geht es sehr körperlich weiter. Mehr Tempo, direktere Aggressionen und drückende Rhythmen – die treibenden Doublebass mit den typischen Gitarrenläufen gehen ordentlich nach vorne. Hell yeah – der so geniale Gesang mit den hellen Gitarrenriffs treibt mir immer wieder Gänsepelle über die Arme.

Mit Trompeten, Chor und eine undefinierbare Geräuschkulisse geht es über in „Erden“. Der zugänglichste Moment mit klaren Strukturen und hymnischen „Tiefe Erde“ Refrain. Sehr bedeutungsschwere tiefe Gitarrenparts, würdevoll getragen durch die starke Schlagzeugarbeit – erdig, kalt und schwer. Gesprochene Parts führen hinab in die Tiefe aus der es kein entrinnen gibt – schnellere Drums und Gitarren lassen diese schwere Macht treibend nach vorne gehen ohne die Atmosphäre zu verlieren. Selten so etwas geniales gehört.

„Irrlicht“ ist ein klangliches Verirren im Dunkeln. Das Klavier wirkt orientierungslos, fragmentiert und drückend. Die hellen Töne wirken wie ein Irrlicht, das doch noch den Weg nach draußen findet.

Der Übergang zu „Hetäre“ ist tranceartig, nur um dem geneigten Zuhörer noch heftiger die schnelle, aggressive Rhythmussektion ins Gehirn zu ballern. Sofortige Gänsehaut. Es ist weniger ein klassischer Song , sonder eher ein Zustand, rituell, repetitiv und ungewöhnlich. Gefangen in den düsteren Klängen klebt das Stück im Kopf wie ein letzter Trost vor dem Ende. Ziemlich schwere Kost, nichts für Anfänger. Ich persönlich suche gezielt nach genau dieser Art künstlerischer Schaffenskraft.

Trotzdem ist und bleibt das Herzstück des Albums mit fast 13 Minuten „Gestirne“. Der letzte Song bündelt nochmal alles: schnelle Raserei gepaart mit theatralischer Melancholie. Hier geht es ganz klar in epische, hymnische und emotionale Spähren. Lange Spannungsbögen bauen sich langsam immer wieder auf mit einer Erhabenheit des atmosphärischen Black Metals. Bei Minute 10 fängt er an zu schreien, dass mir wohlige Schauer über den Rücken laufen.

Bei so einem starken Ende muss man einfach sofort auf REPEAT drücken. Was ein ganz außergewöhnliches und gefühlvolles Klangerlebnis diese Musiker geschaffen haben. Ich hoffe, ich erreiche mit dieser Review mehr Menschen für dieses Meisterwerk. Es ist vielleicht nicht für jeden sofort zugänglich, aber ein intensives Reinhören lohnt sich auf alle Fälle.

Wertung: volle Punktzahl

Diane Zapfe

 

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