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Marcs Multiversum

Sven Richter 16. September 2026 Review Keine Kommentare zu Marcs Multiversum

Dreimal Deutschland – drei Alben, die bei mir ganz weit vorne landen

Deutschland war dieses Jahr bisher verdammt fleißig.Deshalb habe ich heute gleich dreimal etwas aus Deutschland dabei.

Antrisch – „Jenseits der Expedition 3: Renitenzpfad“

Fangen wir mit Antrisch an. „Jenseits der Expedition 3: Renitenzpfad“ ist das dritte Album der Band, gleichzeitig aber erst das zweite Full-Length-Album.

Wie der Name schon vermuten lässt, geht es auch diesmal wieder um eine Expedition. Der erste Teil beschäftigte sich mit einer Bergwanderung, im zweiten Teil „Die Passage“ ging es um die Franklin-Expedition und damit um eine Schifffahrt durch die eisige Welt des Polarmeeres. Diesmal verschlägt es uns nach Südamerika, genauer gesagt in den Dschungel. Und ich muss ganz ehrlich sagen: Für mich ist das jetzt ihr bestes Album.

Schon „Die Passage“ war extrem atmosphärisch. Diese einsame, kalte und frostige Gefahr des Polareises wurde unglaublich gut dargestellt. Genau das schaffen Antrisch jetzt wieder – nur diesmal eben mit den Gefahren des Dschungels.

Die Expeditionsteilnehmer werden von allen Seiten bedrängt. Und es ist nicht nur irgendein Gegner, der ihnen das Leben schwer macht. Die Natur selbst wendet sich gegen diese Expedition. Genau diese Atmosphäre bekommt die Band unglaublich gut hin.

Dazu kommen wieder diese wunderschönen Textpassagen. Antrisch können einfach unfassbar gut schreiben. Gerade die eingesprochenen Texte am Anfang der Stücke funktionieren für mich hervorragend. Sie werden in klarer Sprache vorgetragen und geben der Musik noch einmal eine ganz andere Ebene. Schon bei „Die Passage“ gab es solche großartigen Formulierungen wie „Trägst du auch das „frank“ im Namen – frei sollst du nimmer sein! “. Auf „Renitenzpfad“ geht dieses Spiel weiter. Wenn es beispielsweise heißt, dass man sich „Wir bekreuzigten uns und kreuzten auf“, weiß man sofort, worum es geht. Christliche Eroberer, fremde Länder und der Anspruch, diese Welt zu erobern und zu verändern.

Solche kleinen sprachlichen Details machen für mich einen großen Teil des Reizes dieser Band aus.

Musikalisch passt ebenfalls alles wunderbar in das Konzept. Antrisch schaffen es erneut, eine Geschichte nicht einfach nur zu erzählen, sondern sie musikalisch erlebbar zu machen.

Für mich ist „Jenseits der Expedition 3: Renitenzpfad“ deshalb ganz klar das bisher beste Album von Antrisch.

Jetzt bin ich vor allem gespannt, wie sie das Ganze live umsetzen werden.

Atronos – „Gram“

Als Zweites habe ich Atronos dabei.

Auch hier reden wir über das dritte Album der Band. Und wer mich kennt, weiß, dass ich bei Atronos bereits ziemlich früh sehr begeistert war. Das erste Album „Fehde“ habe ich damals völlig zu Recht über den grünen Klee gelobt. Für mich war es 2022 sogar das Album des Jahres. Der Nachfolger „Erwachen“ war ebenfalls gut, hat für mich aber nicht ganz das Niveau des Debüts erreicht.

Jetzt ist im April „Gram“ erschienen – und das ist wieder eine ganze Spur besser. Für mich ist „Gram“ das zweitbeste Album von Atronos.

Musikalisch bekommt man das, was man von der Band kennt: deutschen, relativ melodischen Black Metal mit hier und da einem leichten Pagan Metal Einschlag. Das Ganze ist durchaus eingängig, ohne dass dabei die Härte verloren geht. Das Album beginnt zunächst relativ typisch für Atronos. „Geisterflug“ und „Ein Raunen im Sturm“ sind Lieder, bei denen man sofort weiß, mit wem man es zu tun hat.

Aber dann kommt „Knochen“. Für mich ist das eindeutig das beste Lied des Albums. Das Riff ist einfach unglaublich geil. Der Song ist noch eine Spur melodischer und gleichzeitig schneller, ohne dabei unnötig aggressiv zu werden. So ein stumpfes Black Metal Geknüppel würde meiner Meinung nach ohnehin überhaupt nicht in das Konzept von Atronos passen. Leider ist „Knochen“ mit etwa dreieinhalb Minuten etwas kurz geraten. Es ist sogar das kürzeste Lied auf dem Album. Von mir aus hätte der Song ruhig noch ein bisschen länger dauern dürfen.

Danach geht es aber genauso stark weiter. „Hass im Auge und Stahl im Blut“ ist ebenfalls ein richtig gutes Stück, und auch „Richtschwert deiner Sünde“ gefällt mir ausgesprochen gut.

Insgesamt ist „Gram“ einfach ein verdammt gutes Album.

An „Fehde“ kommt es für mich zwar noch nicht ganz heran. Stücke wie „Feuer und Stahl“ oder „Dein Zauber“ sind für mich absolute Meisterwerke.

Aber „Gram“ kommt verdammt nah ran.

Interessant ist auch die Zusammensetzung der Band. Atronos ist letztlich eine Art Mischband aus Musikern verschiedener derzeit sehr gefragter und angesehener deutscher Black Metal Bands. Baptist, der Sänger beziehungsweise Kopf der Band, ist auch bei anderen Projekten wie Mavorim und Eisenkult aktiv. Dazu kommen Henker von Drudensang und Falfor, der unter anderem bei Totenwache am Schlagzeug sitzt. Wenn Musiker aus solchen Bands zusammenkommen, kann eigentlich nicht allzu viel schiefgehen.

Und das hört man auf „Gram“ auch. Für mich gehört das Album definitiv zu den stärksten deutschen Black Metal Veröffentlichungen dieses Jahres.

Horn – „Apokalyps 1618“

Und dann haben wir noch Horn. Die Band gibt es schon deutlich länger und ich hatte gestern sogar die Gelegenheit, sie live in der Turbinenhalle in Oberhausen zu sehen.

Das neue Album heißt „Apokalyps 1618“ und ist für mich ebenfalls ein ganz heißer Kandidat für das Album des Jahres. Der Titel verrät eigentlich schon, worum es geht: den Dreißigjährigen Krieg. Ausgelöst wurde dieser unter anderem durch den berühmten Prager Fenstersturz. Aus dreißig Tagen wurden schließlich dreißig Jahre Krieg.

Herzlichen Glückwunsch!

Musikalisch ist „Apokalyps 1618“ für mich eine sehr schöne Mischung aus verschiedenen Phasen von Horn.

Einige Stücke erinnern stärker an die älteren Alben, beispielsweise an „Naturkraft“ oder „Distanz“. Andere Songs gehen eher in die Richtung der neueren Veröffentlichungen wie „Daudswiärk“ oder „Verzet“. Diese Mischung funktioniert für mich ausgesprochen gut.

Horn spielen einen eher ruhigen, dafür aber unglaublich kraftvollen deutschen Black Metal, der immer wieder von Pagan Metal Elementen durchzogen wird.

Und Horn haben etwas, das nicht jede Band von sich behaupten kann: einen absolut eigenen Klang. Ich habe es schon ein paar Mal gesagt, aber ich würde Horn wahrscheinlich aus tausend Black Metal Bands heraus hören. Die haben einfach eine ganz eigene Art zu spielen. Und dieser Sound passt perfekt zu dem Konzept der Band.

Horn sind sehr naturverbunden und beschäftigen sich viel mit Geschichte und Folklore. Religion steht dabei für mich deutlich weniger im Vordergrund.

Auch die Texte sind etwas Besonderes. Sie sind zwar deutschsprachig, aber Horn sagen eben nicht alles direkt. Vieles wird angedeutet und umschrieben. Man bekommt nicht immer punktgenau erklärt, worum es gerade geht. Stattdessen muss man sich ein bisschen mit den Texten beschäftigen.

Und genau das macht sie für mich so interessant.

Das Album wird am Ende noch durch ein Cover von „Cross-Vault“ abgerundet – und damit gibt es tatsächlich einmal einen englischsprachigen Song auf einem Horn-Album.

Insgesamt ist „Apokalyps 1618“ für mich wieder ganz toller, Pagan Metal durchsetzter Black Metal. Eher ruhig, aber unglaublich kraftvoll und mit diesem unverwechselbaren Horn Klang.

Dazu kommen die durchdachten historischen Themen und die verspielt geschriebenen Texte.

Ich kann das neue Horn-Album deshalb nur empfehlen.

Drei deutsche Alben, drei klare Empfehlungen

Wenn ich diese drei Alben miteinander vergleiche, könnte ich mich ehrlich gesagt nur schwer entscheiden, welches davon am Ende ganz oben landet. Antrisch haben für mich mit „Jenseits der Expedition 3: Renitenzpfad“ ihr bisher bestes Album veröffentlicht.

Atronos kommen mit „Gram“ verdammt nah an ihr überragendes Debüt „Fehde“ heran.

Und Horn liefern mit „Apokalyps 1618“ ein Album ab, das für mich ebenfalls ein ernsthafter Kandidat für das Album des Jahres ist.

Deutschland liefert dieses Jahr einfach gewaltig ab. Und wenn das so weitergeht, dürfte mein Jahresrückblick tatsächlich ziemlich Deutschland lastig werden.

Marc Roby

 

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