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Mike Tirelli (Holy Mother): „Genau deshalb stehe ich auf der Bühne“

Über 30 Jahre Holy Mother, zahlreiche Stationen im internationalen Metal und eine beeindruckende persönliche Geschichte: Mike Tirelli blickt auf eine bewegte Karriere zurück. Im Rahmen der „Holy Storm Tour 2026“ haben wir uns mit dem Sänger über seine musikalischen Wurzeln, seine verschiedenen Bands, Ronnie James Dio und die Bedeutung der Musik ausgetauscht.

Holy Mother aus New York stehen für klassischen Heavy und Power Metal, der auch nach einer langen Pause nichts von seiner Kraft verloren hat. Mit den Alben „Face This Burn“ und „Rise“ meldete sich die Band eindrucksvoll zurück. Doch Mike Tirelli ist weit mehr als nur der Frontmann von Holy Mother. Seine musikalische Laufbahn führte ihn unter anderem zu Burning Starr, Messiah’s Kiss und Riot.

Auf der kommenden „Holy Storm Tour“ lässt er verschiedene Kapitel seiner Karriere wieder aufleben. Ein besonderes Highlight ist dabei das angekündigte Dio-Tribute. Im schriftlichen Interview erzählt Mike Tirelli von seiner musikalischen Entwicklung, den Veränderungen innerhalb von Holy Mother und davon, wie schwierige persönliche Erfahrungen seine Wertschätzung für das Leben und die Musik verändert haben.

 

Holy Mother gibt es inzwischen seit über 30 Jahren. Wenn du heute auf die Geschichte der Band zurückblickst: Welche Bedeutung hat Holy Mother für dich persönlich?

Mike Tirelli: Wenn ich auf die Geschichte von Holy Mother zurückblicke, wird mir bewusst, wie sehr mir diese Band am Herzen liegt und wie viel sie mir heute bedeutet – genauso wie vor 30 Jahren.

Nach der langen Pause seid ihr mit „Face This Burn“ zurückgekehrt und habt 2024 „Rise“ veröffentlicht. Was hat sich für dich zwischen der ursprünglichen Holy-Mother-Zeit und der heutigen Band am stärksten verändert?

Mike Tirelli: Nach einer 18-jährigen Pause hat sich natürlich einiges verändert, insbesondere was den Schreibprozess betrifft. Der offensichtlichste Unterschied liegt in der Art und Weise, wie Musik aufgenommen wird.

Damals, in der analogen Zeit, hatte ich noch nicht die Möglichkeiten, die mir heute durch meine eigenen Aufnahmemöglichkeiten zur Verfügung stehen. Die Technologie hat die Art und Weise, wie Musik entsteht, komponiert, arrangiert und aufgenommen wird, grundlegend verändert. Heute befinden sich häufig nicht mehr alle Musiker im selben Raum, um gemeinsam Musik und Arrangements zu entwickeln.

Jim Harris und ich haben die Musik und Texte allerdings schon immer gemeinsam geschrieben. Der Unterschied besteht heute darin, dass ein Großteil des Schreibprozesses in unseren Heimstudios stattfindet.

Außerdem sind wir inzwischen anderen Einflüssen ausgesetzt, die es vor 18 Jahren noch nicht gab. Das wirkt sich definitiv auf unseren Stil und die Art und Weise aus, wie wir unsere Musik gestalten. Vor allem aber lassen wir uns weiterhin von der Musik inspirieren, die wir lieben und mit der wir aufgewachsen sind. Darum dreht sich bei Holy Mother alles.

„Rise“ ist inzwischen seit zwei Jahren draußen. Wenn du heute auf das Album zurückblickst: Gibt es einen Song, der für dich eine besondere Bedeutung hat oder den du besonders gerne live spielst?

Mike Tirelli: Ich würde sagen: „The Elevator“. Dieser Song beschreibt sehr gut die Höhen und Tiefen des Lebens.

Wir leben in einem Zeitalter der sofortigen Information und werden stark von sozialen Medien und politischen Meinungen beeinflusst. Viele Menschen machen ihr eigenes Glück oder ihre Stimmung von den Meinungen anderer abhängig. Wir scheinen unser Leben ständig mit dem zu vergleichen, was in der Welt geschieht und was andere Menschen tun.

„The Elevator“ beschreibt, wie unsere Stimmung und unser Glück davon abhängig werden können, was andere denken und wie wir uns mit ihnen vergleichen. In einem Moment sind wir noch voller Glück, und im nächsten warten wir bereits auf den nächsten Kommentar zu einem Beitrag, der die Stimmung eines ganzen Tages bestimmen kann.

Das Erste, was viele Menschen morgens nach dem Aufwachen tun, ist, ihr Handy in die Hand zu nehmen und durch die sozialen Medien zu scrollen. Sie suchen nach dem nächsten Kommentar, dem nächsten Beitrag oder der nächsten Information, die ihre Stimmung für den Tag bestimmen könnte.

Genau darum geht es in „The Elevator“. Die Textzeile lautet: „Another scene in the elevator / Up 50 floors till your nose bleeds.“ Der Song handelt von den Höhen und Tiefen, die entstehen, wenn wir uns von den Meinungen anderer abhängig machen, insbesondere durch soziale Medien.

Du hast im Laufe deiner Karriere bei Holy Mother, Riot, Burning Starr und Messiah’s Kiss gesungen. Was hast du aus diesen unterschiedlichen Stationen jeweils für dich als Sänger und Musiker mitgenommen?

Mike Tirelli: Bei Burning Starr war ich noch sehr jung und habe viel über meine Stimme gelernt. Damals wurde ich stark von den Bands und der Musik beeinflusst, die gerade sehr populär waren. Bands wie Iron Maiden, Judas Priest, Queensrÿche, Dio und Black Sabbath standen am Anfang ihrer Karrieren, die sie später zu Legenden machen sollten. Genau so wollte ich klingen.

Als Holy Mother ins Leben gerufen wurde, konzentrierte ich mich bereits sehr darauf, meinen eigenen Gesangsstil zu entwickeln.

Messiah’s Kiss bot mir eine großartige Gelegenheit, meine Stimme in die Musik einzubringen, die die Band schrieb. Ihr Sound war stark von Judas Priest, Dio und anderen Metal-Bands beeinflusst.

Teil von Riot zu sein, war eine unglaubliche Erfahrung. In Ländern zu spielen und auf Tour zu gehen, in denen ich zuvor noch nie gewesen war – darunter zweimal in Japan –, war einfach fantastisch. Auch die Möglichkeit, noch vor seinem Tod mit Mark Reale spielen zu dürfen, bedeutet mir sehr viel.

Außerdem durfte ich Songs singen, für die Riot bekannt ist. Zusammen mit der unglaublichen Vielfalt großartiger Sänger, die alle Teil der Bandgeschichte waren, machte das diese Erfahrung zu etwas ganz Besonderem.

Deine Stimme ist ein wichtiger Teil des Holy-Mother-Sounds. Welche Sänger haben dich selbst am stärksten beeinflusst und wie hat sich dein eigener Gesangsstil im Laufe der Jahre entwickelt?

Mike Tirelli: Mein größter Einfluss ist Ronnie James Dio. Ronnie bei Black Sabbath und später bei Rainbow zu hören, hat sich tief in meiner Seele festgesetzt.

Schon früh liebte ich auch Rob Halford, Bruce Dickinson und Geoff Tate. Sie sind allesamt unglaubliche Sänger.

Mein Gesangsstil hat sich durch die verschiedenen Musikrichtungen, mit denen ich in Berührung gekommen bin und die ich selbst aufführen durfte, stetig weiterentwickelt.

Ich bin außerdem Teil einer achtköpfigen Band namens Entourage, die verschiedenste Musikrichtungen und Stile spielt. Das reicht von Jazz und R&B der 70er-Jahre bis hin zu aktuellem R&B und vielen populären Musikrichtungen und Künstlern von heute.

Die unterschiedlichen Stile zu interpretieren, hat mir geholfen, meine Stimme weiterzuentwickeln und verschiedene Gesangstechniken einzusetzen. Wenn ich allerdings Hardrock und Metal singe, kehre ich ganz natürlich zu meinen Wurzeln zurück: zu Dio und den anderen Sängern, die mich schon früh beeinflusst haben.

Auf der „Holy Storm Tour“ möchtest du neben Holy-Mother-Songs auch Stücke aus anderen Stationen deiner Karriere präsentieren. Wie fühlt es sich an, Songs wieder auf die Bühne zu bringen, die teilweise schon mehrere Jahrzehnte alt sind?

Mike Tirelli: Auf der „Holy Storm“-Tour habe ich beschlossen, Songs aus verschiedenen Phasen meiner Karriere wieder aufleben zu lassen. Dazu gehören Stücke von Burning Starr, Messiah’s Kiss und Riot.

Ich wusste, dass es sehr aufregend werden würde, diese Songs wieder zu singen – nicht nur für mich selbst, sondern auch für das Publikum und die Fans.

Schon bei der ersten Probe, als Holy Mother diese Songs spielte, merkte ich, wie unglaublich sich das anfühlte. Es war fantastisch, sie wieder zu singen und zu hören, wie großartig sie immer noch klingen – sowohl musikalisch als auch gesanglich.

Das hat mir ein großartiges Gefühl gegeben. Ich kann es kaum erwarten, diese Songs live für die Fans all der klassischen Metal-Bands zu spielen, bei denen ich die Gelegenheit hatte, mitzuwirken.

Ein besonderer Bestandteil der aktuellen Show ist das Dio-Tribute. Ronnie James Dio hat Generationen von Metal-Sängern beeinflusst. Was hat Dio dir persönlich bedeutet und was macht seine Songs für dich als Sänger so besonders?

Mike Tirelli: Holy Mother spielt ein spezielles Set mit Dio-Songs, darunter auch sein Solomaterial und Stücke aus seiner Zeit bei Black Sabbath.

Dio hat meinen Gesangsstil und meine Karriere unglaublich geprägt. Seine Musik war ein großer Teil meines Lebens, und diese Songs aufführen zu können, bedeutet mir sehr viel.

Du hast in deiner Karriere auch schwierige persönliche Zeiten erlebt. Hat das deine Beziehung zur Musik und zum Auftreten verändert, oder war die Musik für dich gerade in solchen Zeiten eine Konstante?

Mike Tirelli: Ja, ich hatte vor 17 Jahren Magenkrebs und bin sehr gesegnet und dankbar, dass ich überlebt habe.

Ich lebe heute ohne Magen. Das nennt man eine vollständige Gastrektomie, die nach all den invasiven Behandlungen durchgeführt wurde, die ich über mich ergehen lassen musste.

Heute bin ich sehr dankbar und bei bester Gesundheit. Ich musste mir eine sehr strenge Ernährung angewöhnen, und es gab viele Höhen und Tiefen, bis ich mich an diese neue Lebensweise gewöhnt hatte. Aber nur so lernen wir.

Ich musste zwar für eine Weile eine Pause vom Musizieren einlegen, doch das hat meinen Wunsch, zu dem zurückzukehren, was ich liebe – zu singen, Musik zu schreiben und aufzutreten –, definitiv noch verstärkt.

Dadurch schätze ich es heute viel mehr, Musiker und Sänger zu sein, und auch die Großartigkeit des Lebens selbst.

Nach so vielen Jahren im Musikgeschäft: Was ist heute noch der Moment, bei dem du auf der Bühne stehst und denkst: Genau deshalb mache ich das?

Mike Tirelli: Meistens passiert das schon, bevor die Show überhaupt beginnt. Wenn ich am Veranstaltungsort ankomme, wird mir plötzlich bewusst: „Deshalb mache ich das.“

Und wenn ich dann auf der Bühne stehe und für die Fans auftrete, ist dieses Gefühl noch viel stärker.

Wenn du einem jungen Sänger begegnen würdest, der heute davon träumt, eine lange Karriere im Heavy Metal aufzubauen: Welchen Rat würdest du ihm geben, den du selbst gerne zu Beginn deiner Karriere bekommen hättest?

Mike Tirelli: Das mag vielleicht klischeehaft klingen, aber es ergibt wirklich Sinn: Tu, was du liebst, und arbeite kontinuierlich an deinen Zielen.

Das gilt nicht nur für Sänger oder Musiker, sondern für so ziemlich alles, was wir im Leben tun.

Lerne außerdem so viel wie möglich von anderen Sängern und Musikern. Dieses Wissen kann später unglaublich wertvoll sein. Es wird dir auch helfen, Selbstvertrauen aufzubauen und dich zu einem besseren Musiker und Performer zu machen.

 

Wir bedanken uns bei Mike Tirelli für die ausführlichen und persönlichen Antworten und freuen uns darauf, Holy Mother im Rahmen der „Holy Storm Tour 2026“ am 12.11. in Hannover live zu erleben.

Mario W.

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About The Author

Metal ist für mich mehr als nur Musik. Es sind Alben, die im Kopf bleiben, Konzerte, die man nicht so schnell vergisst, und Festivals, deren Eindrücke einen noch lange begleiten. Mehr Metal, Reviews und Live-Eindrücke von mir findest du auf Instagram: @marios_moshnotes

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