Donnerstag, 29. Oktober 2026. Bei Chez Heinz, meinem Lieblingsmusikkeller in Hannover. Der Weg einer Freiheit haben zur Tour geladen und mit Conjurer aus Großbritannien sowie BRNJSMIN ein musikalisch durchaus ungewöhnliches Paket geschnürt. Auf dem Papier erwartete uns ein Abend zwischen elektronischen Klanglandschaften, Sludge und Post-Black-Metal. Dass Blastbeats dabei eine tragende Rolle spielen würden, war zumindest zu erwarten.
Kurz nach Einlassbeginn fand ich Sven, und um etwa 19:15 Uhr standen wir am Merch-Stand. Das Heinz war zu diesem Zeitpunkt relativ leer, was aber verständlich ist. Die Merch Preise waren bei allen drei Bands fair: Die Standard-LP kostete 30 €, das Standardshirt ebenfalls etwa 30 €. Erfreulich, wenn auch mittlerweile fast überall Standard: Es gab Kartenzahlung. DWEF hatten jedoch leider schon ihre Tourshirts ausverkauft, sodass es einige enttäuschte Fans gab, die wohl leer ausgehen würden. Anmerkung des Schreiberlings: Sie bieten sie mittlerweile in ihrem Shop an. Surft gerne dort vorbei und greift euch noch etwas, das ihr braucht.
Nach einem Abstecher zu den Getränken standen wir schon vor der Bühne und harrten gespannt dem doch minimalistischen Bühnenaufbau des ersten Künstlers.
BRNJSMIN
Pünktlich um 20:00 Uhr signalisierte BRNJSMIN, dass er bereit sei, sein Konzert zu beginnen. Er tat dies mit dem Satz: „Ich spiele 30 Minuten keinen Metal.“ Beim Bühnenaufbau – einem DJ-Pult, bei dem „Cure ME/CFS“ drapiert war – war das eigentlich auch schon zu erwarten. Zumindest überraschte mich die Ansage nicht.
Es folgten 30 Minuten voller atmosphärischer, elektronischer Musik. Immer wieder wurden live Samples eingespielt, die anschließend wiederholt und ergänzt wurden. Mich persönlich erinnerte es ein wenig an die Bühnenauftritte von Imogen Heap, nur dass hier noch ein elektronischer Blaswandler hinzukam. Das Instrument machte auf jeden Fall Eindruck auf mich.
Das Publikum wirkte zunächst durchaus interessiert und ließ sich auf die ungewöhnlichen Klangwelten ein. Mit zunehmender Dauer machten sich jedoch erste Unterhaltungen bemerkbar. Ob das an der Musik selbst oder an der etwas monotonen visuellen Inszenierung lag, lässt sich schwer sagen. Blaues Licht und dichter Nebel ließen BRNJSMIN jedenfalls über weite Strecken, selbst in der ersten Reihe, eher erahnen als erkennen.
Zum Ende des Sets kamen dann doch noch Blastbeats zum Vorschein, wenn auch „aus der Dose“. Insgesamt machte mich das Set neugierig, aber ob es im Kontext eines Metal-Konzerts passte, weiß ich noch immer nicht. Auf jeden Fall war es mal eine Pause von der eher fluffigen Fingerschnipsmusik, die den Rest des Abends dominierte.
Conjurer
Nach etwa 15 Minuten Umbaupause war das Quartett aus Rugby, UK, auf der Bühne bereit, und es begann eine dreiviertel Stunde feinster Sludge Metal. Dabei flossen auch viele andere Genres in den Mix ein. Dass der Drummer Noah beim Warmup zu Phil Collins’ „Easy Lover“ noch Tricks mit den Sticks vorführte, war ein gutes Omen. Jeder Tempowechsel, von denen es reichlich gab, wurde auf jeden Fall gut umgesetzt.
Das Publikum war von Anfang an voll dabei. Es wurde enger um die Bühne, und die ersten Reihen bangten im Takt. Die Arme und Fäuste waren in der Luft, und generell waren alle sehr schnell aufgetaut. Es gab zwar keine klassischen Mitsing-Aufforderungen oder „Hands-in-the-Air“-Momente, aber emotional wurden alle mitgenommen. Spätestens als im zweiten Lied Dan das Mikrofon losließ und den Text einfach so rausschrie, waren die meisten an Bord.
Das Set war geprägt vom jüngsten Album „Unself“. Und das brachte genau die Mischung mit, die Conjurer auszeichnet: massive, tief gestimmte Gitarrenwände, aggressive Ausbrüche und immer wieder überraschend melodische, beinahe zerbrechliche Passagen. Die zahlreichen Tempowechsel sorgten dafür, dass die dreiviertel Stunde wie im Flug verging. Mit „Hadal“ spielten sie am Ende noch einen Track vom Debütalbum „Mire“. Für mich ist dieses Lied Sinnbild dessen, was Conjurer sehr gut macht: Die Haare können fliegen, die Augen kurz träumen, und dann holen einen die Tiefe der beiden Gitarren direkt wieder in die Gegenwart. Auch das abwechselnde Singen zwischen Brady und Dan kommt hier besonders gut zur Geltung.
Nach dem Konzert wurde klar, dass es im Heinz ordentlich voll geworden war. Zwar nicht ausverkauft, aber dennoch gut gefüllt. In Gesprächen stellte sich heraus, dass doch mehr Zuschauer die Band zuvor nicht kannten. Alle Neulinge wirkten angetan. Es war für mich das erste Konzert mit Conjurer, aber sicher nicht das letzte.
Der Weg einer Freiheit
Direkt nach Conjurer blieben die ersten Reihen stehen, um bei DWEF weit vorne zu sein. Auch hier wurden nur 15 Minuten Umbauzeit benötigt, bis das Intro begann. Mit „Marter“ wurde sowohl das aktuelle Album als auch die Show eröffnet. Das Publikum war, wie schon vermutet, ab Sekunde eins an Bord. Textsicherheit und Rhythmusgefühl bewiesen viele und waren sofort dabei.
Meinem Gefühl nach drehte das Quartett auch noch einmal die Lautstärke auf. Der Bass – sowohl der Bassdrum als auch des E-Basses – drückte stark in der Brust. Es war zwar am Limit, und nicht nur ich drückte ab und an den Hörschutz etwas dichter ins Ohr, um sicherzugehen, dass nichts schiefgeht – ich stand aber auch direkt vor den Boxen. Auf jeden Fall kamen die Herren super druckvoll daher. So wünsche ich mir das, vor allem, wenn es keine Abstriche bei der Soundqualität gibt.
Visuell war es das abwechslungsreichste Set des Abends. Passend zum hohen Tempo wurde gekonnt der Strobo eingeschaltet, sodass das Bangen und Bewegen auch in Zeitlupe zu beobachten war. Die Fans ließen sich auch gegen Ende des Sets nicht lumpen und begleiteten Nikita fleißig mit ihren Stimmen. Zwischen den Songs war es vor allem Tobias, der Drummer, der einen eigenen Fanclub mitgebracht zu haben schien. Zu Recht, denn die Drums waren auch hier traumhaft genau gespielt, und jeder Blastbeat drückte.
Besonders hervorzuheben war „Eos“ aus der Setlist. Nicht nur, dass das Publikum hier auch mitgesungen hat, als gäbe es dafür einen Preis – hier zeigte sich auch, warum der Song die Lead-Single von „Innern“ war. Ein absolutes Brett, das sich live richtig lohnt. Leider leitete dieser Song auch die zweite Hälfte der Setlist ein, die dann mit „Monument“, „Aufbruch“ und „Forlorn“ endete.
Am Ende beendete Tobi, der Drummer, das Konzert. Erstaunlicherweise aber nicht hinter den Trommeln, sondern mit Gitarre und sehr melodischen Klängen. Ein sehr ruhiger Kontrast zu den knapp 1:20 Stunden, die wir vorher gemeinsam erlebt hatten. Danach kam das Quartett noch einmal gemeinsam auf die Bühne, um sich zu verneigen.
Ich habe mir Zeit gelassen, DWEF wiederzusehen. Ich meine, es war das Summer Breeze 2017. Ein schmerzlicher Fehler, wie ich nun zugebe. Das nächste Mal lasse ich mir keine neun Jahre Zeit. Versprochen.
Der Abend bei Chez Heinz hat sich auf jeden Fall gelohnt. Im Nachhinein hätte ich mir gut vorstellen können, wie ein BRNJSMIN-Set nahtlos in Der Weg einer Freiheit übergehen könnte. Vielleicht wäre das eine Lösung gewesen, um auch das Publikum positiver zu stimmen. Conjurer zeigten alle Facetten ihres Spiels und überzeugten auch „Nicht-Kenner“ mit ihrem Set. Der Weg einer Freiheit machten deutlich, warum sie meiner Meinung nach eine der stärksten Black-Metal-Bands sind.
Unterstützt weiterhin kleine Bands und kleine Clubs, es lohnt sich auf jeden Fall!
Text: Steven
Foto: Sven


























