kernkraftritter.de

Thronehammer im Café Glocksee: Hypnotische Riffs und eine Reise durch die Dunkelheit

Thronehammer im Café Glocksee: Hypnotische Riffs und eine Reise durch die Dunkelheit

Am Dienstagabend machten Thronehammer im Rahmen des Ruby Tuesday im Café Glocksee Station. Der Eintritt war frei und zunächst sah es noch ziemlich überschaubar aus. Doch bis zum Konzertbeginn um 21:30 Uhr füllte sich der Club ordentlich. Am Ende war der Laden gut gefüllt.

Eine Vorband gab es nicht und ehrlich gesagt fand ich das im Nachhinein sogar gut. Dadurch lag der gesamte Fokus auf Thronehammer und ihrer rund 70-minütigen Reise durch schwere, düstere und immer wieder überraschend dynamische Klangwelten. Die Bühne selbst war eher schlicht gehalten, doch musikalisch wurde dafür umso mehr aufgefahren. Vor allem die drei Gitarren entfalteten live eine enorme Wirkung. Während das gemeinsame Riffing eine hypnotische Klangwand erzeugte, setzte sich immer wieder eine Gitarre mit Soli oder melodischen Linien davon ab. Genau diese Kombination machte den Sound so interessant.

Dabei blieb es natürlich nicht beim klassischen Doom. Death-Metal-Einsprengsel tauchten immer wieder auf und waren für meinen Geschmack genau richtig dosiert. Auch Heavy Metal und atmosphärische, fast schon post-rockige Momente fanden ihren Platz. Besonders stark waren die Übergänge: Aus zunächst ruhigen, atmosphärischen Passagen entwickelte sich eine immer stärkere Spannung, die sich schließlich in brutalen Death- oder Black-Metal-Ausbrüchen entlud. Diese Tempowechsel gaben den Songs ordentlich Pfeffer und sorgten dafür, dass selbst die längeren Stücke jederzeit spannend blieben.

Auch Kat Shevil Gillham überzeugte am Mikrofon. Ihre Growls kamen böse, rau und gleichzeitig sehr emotional daher. Dazu gesellten sich klare Gesangspassagen, die hervorragend zur Atmosphäre passten. Gerade der Wechsel zwischen den unterschiedlichen Gesangsarten verlieh den Songs zusätzliche Dynamik. Auf der kleinen Bühne blieb nicht viel Platz für große Bewegung, doch die Spielfreude der gesamten Band war jederzeit spürbar.

Das Publikum zeigte sich davon sichtlich angetan. Eigentlich wurde während des gesamten Auftritts irgendwo gebangt. Besonders bei „Kingslayer“ wurde auch der Refrain lautstark mitgesungen. Die neuen Songs, von denen Thronehammer gleich mehrere präsentierten, wurden ebenfalls durchweg positiv aufgenommen. Ein Zuschauer in der ersten Reihe blieb mir dabei besonders im Gedächtnis. Über längere Strecken hielt er die Augen geschlossen und tanzte ganz für sich. Völlig versunken in der Musik, als wäre der Rest des Clubs für ihn gerade nicht existent. Das spiegelte die intensive Atmosphäre des Abends wider.

Überhaupt war das Publikum bemerkenswert gemischt. Neben den erwartbaren Metal-Fans waren auch einige Besucher dabei, die optisch nicht unbedingt zum klassischen Metal-Publikum gehörten. Vielleicht hatte der kostenlose Eintritt den einen oder anderen dazu gebracht, einfach einmal hineinzuschauen. Genau darin liegt für mich ein schöner Gedanke hinter dem Ruby Tuesday: Live-Musik kann auch Menschen erreichen, die sich sonst vielleicht nicht mit einer Band wie Thronehammer beschäftigt hätten.

Als musikalisches Highlight blieb für mich „Thronehammer“ selbst hängen. Der Song brachte noch einmal all das zusammen, was den Abend ausmachte: schwere Riffs, Melodien, Atmosphäre und diese ganz besondere Mischung aus hypnotischer Langsamkeit und plötzlicher Härte. Zum Ende wurde es noch einmal richtig ausgelassen: Zwei Gitarristen mischten sich unter das Publikum und sorgten für einen letzten Schub Energie. Kurz darauf machte auch der Hut die Runde. Wer wollte, konnte etwas für die Band dalassen. Nach diesem intensiven Auftritt habe ich mich gerne beteiligt.

Das Publikum wirkte nach dem Auftritt zufrieden. Viele blieben noch am Merchstand oder vor dem Club stehen und unterhielten sich, anstatt direkt nach Hause zu verschwinden.

Für mich war es ein rundum gelungener Konzertabend. Thronehammer haben mich vor allem mit der Sogwirkung ihrer Musik begeistert. Die schweren, sich wiederholenden Riffs entwickelten live eine fast hypnotische Wirkung, während die drei Gitarren immer wieder eigene Akzente setzten und Raum für Melodien und Soli ließen. Dazu kamen die atmosphärischen Passagen und die plötzlichen Ausbrüche in härtere Gefilde, die den Songs zusätzliche Intensität verliehen, ohne ihren charakteristischen Fluss zu unterbrechen. Dass der kostenlose Eintritt auch Besucher ins Café Glocksee lockte, die vielleicht sonst nicht bei einem Doom-Konzert gelandet wären, ist ein schöner Nebeneffekt. Für mich stand am Ende vor allem eines fest: Thronehammer haben einen Dienstagabend in ein intensives Live-Erlebnis verwandelt.

Text: Mario W.

Fotos: Sven R.

Like this Article? Share it!

About The Author

Metal ist für mich mehr als nur Musik. Es sind Alben, die im Kopf bleiben, Konzerte, die man nicht so schnell vergisst, und Festivals, deren Eindrücke einen noch lange begleiten. Mehr Metal, Reviews und Live-Eindrücke von mir findest du auf Instagram: @marios_moshnotes

Leave A Response