
Mittags-Abgrund – Mittags-Abgrund VÖ 15.09.2026 Dark Shall Rise Productions
Mittags-Abgrund wurde 2022 in St. Petersburg gegründet. Hinter dem Projekt steht ursprünglich der alleinige Musiker Daniil Shipilov, für das Album wurde zusätzlich ein Gastmusiker am Schlagzeug verpflichtet. Und gerade dessen Drumming möchte ich ausdrücklich erwähnen: Das Schlagzeugspiel ist wirklich stark und trägt einen großen Teil zur Dynamik des Albums bei. Musikalisch wird Mittags-Abgrund offiziell dem Black Metal zugeordnet. Für mich persönlich geht die Musik allerdings deutlich stärker in Richtung Death Metal mit Black-Metal-Einschlag. Das Ganze wirkt nicht wie typischer russischer Black Metal, sondern verbindet die beiden Genres ziemlich organisch. Das wirklich Außergewöhnliche ist allerdings die Sprache. Alle Texte sind auf Russisch verfasst und werden auch auf Russisch gesungen. Für mich funktioniert das ausgesprochen gut. Gerade im Black Metal kann die eigene Muttersprache eine ganz andere Atmosphäre erzeugen als das inzwischen fast obligatorische Englisch. Dazu kommt, dass Daniil gesanglich ziemlich variabel unterwegs ist, von finsterem Heulen und rauem Krächzen bis hin zu cleanen Passagen. Das Album besteht aus neun Stücken und bringt es auf ungefähr 48 Minuten Spielzeit. Dabei handelt es sich nicht einfach um neun kurze Songs. „Prologue“ und „Epilogue – Ultima Thule“ sind instrumentale Stücke, während die sieben eigentlichen Songs teilweise ordentlich Länge mitbringen. Mittags-Abgrund geben den Instrumentalisten viel Freiheit. Die Gitarren dürfen sich entwickeln, das Schlagzeug treibt die Songs immer wieder nach vorne und die Kompositionen wirken nicht so, als hätte man unbedingt versucht, alles auf drei oder vier Minuten zu reduzieren.

„Пролог – Prologue“
Der instrumentale Opener funktioniert für mich weniger als eigenständiger Song, sondern vielmehr als Einstieg in die Welt von Mittags-Abgrund. Die Atmosphäre wird aufgebaut, bevor die eigentliche musikalische Reise beginnt.
„Портреты моих предков – Portraits of my Ancestors“
Hier geht es richtig los. Die Gitarren verbinden Black-Metal-Atmosphäre mit deutlich hörbaren Death-Metal-Riffs. Das Schlagzeug sorgt für ordentlich Druck und zeigt das hier nicht einfach nur den Takt gehalten wird. Mir gefällt besonders, dass die Gitarren immer wieder Freiräume bekommen. Es gibt nicht permanent nur Vollgas, sondern genügend Momente, in denen die Instrumentalisten ihre Ideen ausspielen können.
„Пой со мной (Грусть в глазах бога) – Sing with Me (Sadness in the Eyes of God)“
Ein Stück, bei dem die verschiedenen Gesangsarten besonders gut zur Geltung kommen. Die harschen Vocals passen hervorragend zu den dunklen Gitarren, während die ruhigeren Passagen für einen interessanten Kontrast sorgen. Gerade diese Wechsel verhindern, dass die längeren Songs eintönig werden.
„Высокомерие над пропастью червей – Arrogance Above the Abyss of Worms“
Hier kommt für mich die Death-Metal-Seite besonders stark zum Vorschein. Die Riffs sind teilweise richtig schön massiv und erinnern mich eher an klassischen Death Metal als an typisches Black-Metal-Geknüppel. Gleichzeitig bleibt die düstere Grundstimmung erhalten. Genau diese Mischung macht das Album für mich interessant.
„Паруса крыльев простёрты… – The Sails of the Wings are Spread…“
Ein weiterer längerer Track, der wieder zeigt, dass Mittags-Abgrund ihren Songs Zeit geben. Die Gitarrenarbeit steht erneut im Mittelpunkt und das Schlagzeug sorgt für ordentlich Bewegung. Hier wird auch deutlich, dass das Album nicht einfach nach dem Schema „schnell – langsam – schnell“ funktioniert. Die Songs entwickeln sich und haben genügend musikalische Details, um auch beim zweiten und dritten Durchlauf interessant zu bleiben.
„Aurora Consurgens“
Schon der Titel passt hervorragend zu der Atmosphäre des Albums. Musikalisch bleibt die Band ihrem eingeschlagenen Weg treu: Black-Metal-Atmosphäre trifft auf Death-Metal-Riffs und kraftvolles Schlagzeug. Für mich einer der Songs, bei denen man sich einfach zurücklehnen und die Instrumentalisten machen lassen kann.
„В городе – In the City“
Auch hier gefällt mir wieder der russische Gesang. Ich finde, dass die Sprache den Songs einen eigenen Charakter gibt und sich hervorragend in die Musik einfügt. Instrumental bleibt die Band abwechslungsreich und gibt den einzelnen Instrumenten genügend Platz. Besonders die Gitarrenarbeit gefällt mir.
„Ignis Subterraneus“
Zum Ende hin wird noch einmal ordentlich Druck aufgebaut. Der Song passt hervorragend in das Gesamtbild und zeigt noch einmal die Verbindung zwischen Black und Death Metal. Was mir inzwischen beim Album besonders auffällt, es gibt keinen Song, bei dem ich denke, dass er komplett aus dem Rahmen fällt. Alles wirkt wie aus einem Guss.
„Эпилог – Предельная Туле – Epilogue – Ultima Thule“
Zum Schluss wird es wieder instrumental. Das „Epilogue“ beendet die Reise und bildet einen ruhigen Gegenpol zu den teilweise sehr aggressiven Songs davor.
Fazit: Black Metal oder Death Metal?
Wer ausschließlich traditionellen Black Metal erwartet, bekommt hier vielleicht etwas anderes als gedacht. Wer dagegen Death Metal mit Black-Metal-Einschlag, lange Songs und abwechslungsreiche Instrumentalarbeit mag, sollte Mittags-Abgrund definitiv eine Chance geben. Ich mag besonders, dass die Band ihre Songs nicht unnötig kurz hält und den Instrumentalisten viel Freiheit gibt. Das starke Schlagzeugspiel, die Gitarrenarbeit und der Wechsel zwischen aggressivem und atmosphärischem Material machen die knapp 48 Minuten abwechslungsreich. Und dann natürlich der russische Gesang. Für mich definitiv ein Pluspunkt. Die eigene Muttersprache gibt dem Album einen eigenen Charakter und passt hervorragend zu der düsteren Atmosphäre.
Frank










