
Gestern war ein verdammt langer Tag. Eigentlich könnte man am Samstag also ausschlafen, gemütlich frühstücken und irgendwann gegen Mittag aufs Festivalgelände schlendern. Eigentlich. Aber … um 11 Uhr spielt For Victory, bei einer Sache gibt es für mich keine Diskussion: Bolt Thrower gehen immer!

Ich bin ein Kind der 80er beziehungsweise in den 80ern mit Metal groß geworden und Bolt Thrower gehören für mich einfach dazu. For Victory haben sich genau diesem Sound verschrieben und bringen eine Stunde lang die Klassiker der britischen Death-Metal-Legende auf die Bühne. Das Party.San beweist damit einmal mehr, dass Metalheads offenbar zu jeder Tageszeit funktionieren, solange die Musik stimmt. Eine Stunde Bolt Thrower zum Frühstück oder wach werden, besser kann ein Samstag eigentlich nicht anfangen.

Direkt danach geht es auf der Mainstage mit GUT weiter. Die deutsche Band steht für Grindcore und sorgt damit für einen ziemlich harten Kontrast zum vorherigen Bolt-Thrower-Tribut. Viel Zeit zum Nachdenken bleibt nicht. Schnell, laut und direkt, der Samstag ist endgültig eröffnet.

Die erste kurze Pause nutze ich, um mir diesmal einmal genauer über anderen Stände (nicht Essensstände) zu schauen. Und auch hier zeigt sich wieder, dass das Party.San mehr ist als nur Musik. Es gibt Schmuckstände, Kleider und Röcke, Patches, Hüte und Sonnenbrillen, Shirts sowie Piercing und Tattoo. Dazu natürlich die Plattenstände. Bei den Labels beziehungsweise Händlern stehen unter anderem Cudgel, F.O.A.D. Records, Undercover, Eisenwald, Edgar the Car, Season of Mist und Darkness Shall Rise Productions.
CDs, Vinyl, Shirts… eigentlich könnte man den ganzen Tag nur Geld ausgeben.
Als Nächstes stehen Gates of Ishtar auf der Mainstage. Darauf freue ich mich richtig. Ich habe alle CDs der Band zu Hause, habe sie aber tatsächlich noch nie live gesehen. Jetzt ist es endlich so weit. Die Schweden kommen aus Luleå und gehören zu den Bands, die in den 90ern den melodischen schwedischen Death Metal mitgeprägt haben. Gegründet wurden Gates of Ishtar bereits 1992, bevor sie sich Ende der 90er zunächst auflösten. Nach vielen Jahren Pause kehrte die Band schließlich wieder zurück. Und heute stehen sie vor mir. Death Metal, ohne dass man unbedingt noch drei weitere Genres auf das Etikett schreiben muss. Einfach Death Metal.

Das Infield wird langsam voller und der Wettergott meint es heute ebenfalls gut mit uns. Strahlender Sonnenschein.

Mit Internal Bleeding aus den USA wird es anschließend brutal. Die New Yorker gehören zu den frühen Vertretern des Slam/Brutal Death Metal und sind seit den frühen 90ern aktiv. Und bevor überhaupt der erste richtig brutale Breakdown kommt, weiß das Publikum schon, was passieren wird. Vor der Bühne wird in der Mitte Platz gelassen. Das obligatorische Zeichen ist ebenfalls schnell zu sehen: die Hand beziehungsweise der Arm als Axtbewegung. 🪓 Dann geht es los. Circlepit. Slam. Brutal Death Metal.

Live finde ich diese Art von Musik tatsächlich richtig gut, weil die Energie einfach direkt aus dem Publikum zurückkommt. Auf CD zu Hause ist das für mich manchmal eine ganz andere Geschichte. Live funktioniert es dagegen hervorragend.
Danach wird es wieder deutlich ruhiger. Hexvessel kommen aus Finnland und verbinden atmosphärischen Post-Black Metal mit Doom und psychedelischen beziehungsweise folkloristischen Elementen. Clean-Gesang trifft auf schwere Gitarren, dazu kommen teilweise Keyboard- und Ambient-Elemente. Das ist schon etwas außergewöhnlicher.

Aber genau das gefällt mir. Nach Internal Bleeding tut dieser musikalische Wechsel richtig gut. Hexvessel bauen eine Atmosphäre auf, anstatt einfach nur Druck zu erzeugen.


Als erste Zeltband am Nachmittag stehen Baxaxaxa auf dem Programm. Atmosphärischer Black Metal. Corpsepaint. Keyboard. Das Zelt ist brechend voll. Und verdammt warm. Baxaxaxa stammen aus Deutschland und haben ihre Wurzeln bereits in den frühen 90ern. Nach einer langen Pause wurde die Band wieder aktiviert und veröffentlichte schließlich neues Material.

Die Keyboardflächen sorgen für die passende Atmosphäre, während der Gesang teilweise wie eine Beschwörung wirkt. Schreiende, aggressive Passagen und eine komplett andere Stimmung als draußen. Das Zelt ist inzwischen eigentlich eine Sauna. Aber offenbar interessiert das niemanden.

Auf der Mainstage geht es anschließend mit Hardcore weiter. Acranius aus Berlin übernehmen. Die Band verbindet Death Metal, Beatdown und Hardcore zu einem ziemlich brutalen Mix. Ich habe Acranius vor Jahren einmal im JuZe Ost gesehen. Und heute wird mir wieder bewusst, warum eine große Bühne manchmal einfach einen Unterschied macht. Hier kommt deutlich mehr rüber. Das Publikum dankt es der Band mit riesigen Circle Pits und jeder Menge Crowdsurfern. Und das bei gefühlten 30 Grad.

Respekt an alle, die sich jetzt noch freiwillig in die Mitte des Circle Pits stellen.
Im Zelt bleibt es beim Black Metal. Mit Bloody Vengeance wird der Sound allerdings deutlich roher. Die Band steht zu dritt auf der Bühne und verzichtet auf Keyboard. Das macht den Sound schneller, schmutziger und direkter. Das Zelt ist wieder gut besucht, aber nicht ganz so voll wie zuvor bei Baxaxaxa. An der Band liegt das meiner Meinung nach nicht.

Nach drei Tagen Festival merkt man einfach langsam, dass die Kräfte schwinden.

Langsam könnte man meinen, der Samstag steht komplett im Zeichen des Black Metal. Auf der Mainstage spielen In the Woods… und wieder eine Premiere für mich. Von der Band hatte ich vorher tatsächlich nicht wirklich etwas gehört. Die Norweger gibt es bereits seit den frühen 90ern und sie gehören zu den Bands, die Black Metal mit Progressive-, Avantgarde- und atmosphärischen Elementen verbinden. Auf der Bühne wechseln sich harscher und cleaner Gesang ab. Dazu kommen Keyboardflächen, die die Songs atmosphärisch erweitern. Eine interessante Entdeckung. Genau solche Bands sind für mich einer der Gründe, warum ich auf Festivals gerne auch einmal zu Gruppen gehe, die ich bisher nicht kenne.

Jetzt freue ich mich wieder auf das Zelt. Temple of Dread. Old School Death Metal. Und dazu eine kleine Besonderheit. Die Band kommt von der Insel – und das tatsächlich wortwörtlich. Temple of Dread stammen von der ostfriesischen Insel Spiekeroog. Gegründet wurde die Band 2016 von Jörg Uken, der gleichzeitig als Schlagzeuger und Produzent aktiv ist. Musikalisch orientiert sich Temple of Dread stark am klassischen Death Metal der späten 80er und frühen 90er. Mittlerweile stehen bereits sechs Alben in der Diskografie.

Und das aktuelle Album ist gerade erst erschienen. Das Party.San ist damit quasi das Release-Konzert. Ich habe Temple of Dread bereits 2025 live gesehen, nachdem die Band beschlossen hatte, ihre Insel tatsächlich zu verlassen und regelmäßig live aufzutreten. Auch heute gibt es wieder diesen wunderbar dreckigen Old School Death Metal.

Auf der Mainstage folgt für mich ein weiterer Höhepunkt. Firespawn. Die schwedische Death-Metal-Band wurde 2012 gegründet und besteht beziehungsweise bestand aus Musikern, die schon in unzähligen bekannten Bands ihre Spuren hinterlassen haben. Entombed. Unleashed. Necrophobic. Shining. Und damit sind längst nicht alle Stationen genannt. Das Line-up von Firespawn liest sich fast wie ein Who-is-Who der schwedischen Extreme-Metal-Szene. Für mich ist es deshalb eine besondere Freude, Firespawn live zu sehen.

Die Band ist schließlich nicht ständig in Deutschland unterwegs. Ich habe alle CDs und finde das Material richtig geil. Und musikalisch bekomme ich genau das, was ich erwartet habe: Death Metal mit ordentlich Druck, aber gleichzeitig immer wieder starken Gitarrenpassagen. Teilweise schönes Gitarren-Gefrickel. Also genau mein Ding. Über der Bühne hängt ein Banner zu Ehren des 2021 verstorbenen LG Petrov, der vor allem als Sänger von Entombed zu einer Ikone des schwedischen Death Metal wurde.

Zum Ende des Auftritts wird schließlich sogar seine Kutte auf die Bühne gebracht. Dann folgt „Emperor“. Ein sehr emotionaler Moment und für mich ein würdiger Tribut an einen Musiker, der die Death-Metal-Szene nachhaltig geprägt hat.

Im Zelt geht es mit Impurity weiter. Eine vergleichsweise junge Band, die 2025 ihr Debütalbum veröffentlicht hat. Und genau diese Jugend merkt man der Band an, im positiven Sinne. Viel Spielfreude. Viel Energie. Keine Müdigkeit. Das Publikum geht mit und die Band nutzt die Bühne, als hätte sie darauf gewartet. Nach drei Tagen Festival ist das nicht selbstverständlich.
Dann steht Groza auf der Mainstage. Die deutsche Black-Metal-Band stammt aus Mühldorf am Inn und wurde 2016 von Patrick Ginglseder alias P.G. gegründet. Ursprünglich war Groza sogar ein Ein-Mann-Projekt. Der Name ist slawischen Ursprungs und bedeutet unter anderem Grauen, Furcht, Schrecken oder Bedrohlichkeit. Gleichzeitig ist „Groza“ eine bewusste Referenz an das erste Album der polnischen Band Mgła. Und genau diese Verbindung hört man den frühen Groza auch an.

Das Debüt „Unified in Void“ erschien 2018 zunächst in Eigenregie. Die Band wurde damals teilweise sehr kritisch gesehen, weil die musikalischen Parallelen zu Mgła und Uada ziemlich deutlich waren. Aber Groza entwickelten sich weiter. Mit „The Redemptive End“ erschien 2021 das zweite Album über AOP Records. Das Album markierte einen wichtigen Wendepunkt, weil erstmals auch die inzwischen hinzugekommenen Musiker stärker am Songwriting beteiligt waren. Das Ergebnis war ein deutlich eigenständigerer Sound.

2024 folgte dann „Nadir“. Und dieses Album hat eine ganz besondere Bedeutung. „Nadir“ ist dem 2023 verstorbenen Bassisten M.S. / Mike gewidmet, der nach langer Krankheit an Krebs starb. Der Titel bezeichnet den Tiefpunkt und genau diese persönliche Tragödie prägt die Atmosphäre des Albums.

Die Musik ist atmosphärisch, melodisch und gleichzeitig aggressiv. Lange Gitarrenläufe treffen auf treibendes Schlagzeug und diesen typischen, melancholischen Black-Metal-Sog. Groza sind inzwischen weit davon entfernt, nur als Mgła-Kopie bezeichnet zu werden. Sie haben ihren eigenen Sound gefunden. Und genau deshalb funktioniert der Auftritt für mich so gut.
Danach geht es ins Zelt zu Celeste aus Frankreich. Black Metal. Zumindest im weitesten Sinne. Denn Celeste verbinden Black Metal mit Sludge, Hardcore und schnellen, aggressiven Passagen. Als die Band anfängt, denke ich zunächst: Warum ist das Zelt so leer? Zwei Songs später sieht die Welt komplett anders aus. Plötzlich ist es wieder brechend voll. Musikalisch geht es immer wieder aus dem Black Metal in deutlich schnellere und aggressivere Bereiche. Teilweise erinnert das fast an Thrash oder Hardcore. Ein ziemlicher Kontrast zu Groza. Aber genau das funktioniert.
Auf der Mainstage geht es mit Murder Squad weiter. Old School Death Metal aus Schweden. Die Band wurde bereits in den 90ern aktiv und veröffentlichte damals zwei Alben, bevor anschließend für ungefähr 25 Jahre Ruhe einkehrte.

Und jetzt stehen sie wieder auf der Bühne. Das Line-up ist angenehm klassisch: Schlagzeug, Bass, Gitarre und Gesang. Mehr braucht man für guten Old School Death Metal nicht. Ich bin direkt danach beim Labelstand. Und natürlich passiert das, was passieren musste: Beide CDs werden gekauft. Man fährt schließlich nicht umsonst aufs Party.San.
Und dann wird es für mich noch einmal richtig atmosphärisch. Sunken aus Aarhus in Dänemark stehen im Zelt. Und der Name passt heute irgendwie perfekt. Die Band wurde 2013 gegründet, nachdem sie zuvor unter dem Namen Arescet aktiv war. Musikalisch bewegen sich Sunken im atmosphärischen Black Metal und verbinden diesen mit Post-Black-Metal-, Doom- und melancholischen Elementen. Das Party.San hat Sunken 2026 erstmals eingeladen, also eine P.S.O.A.-Premiere. Sunken bauen keine Musik, die sofort mit dem ersten Riff zuschlägt. Sie lassen die Songs wachsen. Dichte Gitarrenwände. Melancholie. Atmosphäre. Dann wieder diese treibenden Passagen, die plötzlich alles nach vorne bringen. Die Band hat bereits mehrere Veröffentlichungen im Gepäck. Das Zelt liegt im Nebel. Die Musik wirkt dadurch noch intensiver.

Im Infield sieht es inzwischen erstaunlich leer aus. Aber der Eindruck täuscht. Das Gelände ist voll. Viele sitzen einfach nur noch auf der Wiese. Drei Tage Festival fordern ihren Tribut. Viele sind seit Mittwoch hier. Viele haben inzwischen wahrscheinlich mehr Bands gesehen, als sie überhaupt zählen können. Und dann kommen Wolfbrigade. Die Schweden verbinden Crust Punk und D-Beat mit Metal und bringen noch einmal ordentlich Energie auf die Bühne. Ich finde das gerade richtig gut. Nach all dem Death und Black Metal ist diese musikalische Abwechslung genau das Richtige. Wolfbrigade versuchen noch einmal, die müden Festivalbesucher abzuholen. Und das gelingt.

Marduk betreten die Mainstage. Marduk machen keine Gefangenen. Die Schweden gehören seit 1990 zu den bekanntesten Namen des schwedischen Black Metal. Seit Jahrzehnten steht die Band für schnellen, aggressiven und kompromisslosen Black Metal. Und heute wird noch einmal ordentlich aufgedreht. Pyros gibt es natürlich ebenfalls reichlich. Inzwischen sind wieder fast alle auf dem Infield beziehungsweise auf der Wiese. Diejenigen, die nach drei Tagen noch Kraft haben, wollen den Abschluss miterleben. Und Marduk liefern. Das Infield sieht unglaublich voll aus. Allerdings stehen die Leute erstaunlich entspannt nebeneinander. Kein großes Gedränge. Marduk walzen alles nieder.

Fazit: Musikalisch bleiben bei mir besonders Gates of Ishtar, Firespawn, Groza, Sunken, Temple of Dread und Murder Squad hängen. Dann natürlich For Victory um 11 Uhr, den Bolt Thrower gehen eben immer.
Festival-Resume: Ich habe noch nie so viele gute Bands zu ersten Mal live gesehen, wie auf keinem anderen Festival. Die Sound war bei allen Bands sehr gut. In Summe sind es 16 CDs geworden (ich mußte mich zusammenreißen). Aber genau dafür fährt man aufs Party.San. Natürlich darf das Ganze drumherum nicht vergessen werden, die gute Essens- und Getränkeauswahl zu fairen Preisen. Vielen Dank an das Party.San Metal Open Air für die Akkreditierung.
Bericht: Frank
Fotos: Daniel Kremberg (@lovodium)










