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Amenra und Support im Glocksee Hannover am 06.08.2026

Heute war ich in privater Sache in der Glocke, um mir Amenra und ihren Support Machukha anzusehen. Amenra habe ich bereits vor einigen Jahren zusammen mit Haven bewundern können. Seitdem bin ich Fan beider Bands. Als ich Anfang der Jahres gesehen habe, dass Amenra erneut in Hannover aufspielt gab es beim Ticketkauf daher kein Halten mehr. Und mal gut: Das Konzert war schlussendlich ausverkauft! Die Glocke war voll! Der Einlass war schnell und die Fans sammelten sich schon vorher zahlreich. Dieses Mal stellte „Take Care“ sogar ein Awarness-Team bereit, was ich persönlich super fand.

Die Aussicht auf einen grandiösen Abend steigerte sich mit der Berliner Support-Band „Machukha“ (Ukrainisch: „Stiefmutter“). Die Band verband Elemente aus Post-Black-Metal, Dark Hardcore und Punk. Ihr Debütalbum „Mochari“ (2024) welches sie aufführten, handelt von der Widerstandsfähigkeit des Menschen jegliche Traumata zu überstehen und das tägliche damit umgehen. Die Lieder sind dank der Herkunft der Sängerin Natayla und des Bassisten Vrohdo auf ukrainisch gehalten, welches die aktuelle Lage um Krieg und Schmerz intensiver fassbar machte. Unterstrichen durch den rauen, emotionalen Gesang mit volltönenden Scream-Elementen, „weinerlichen“ Darstellungen und melodischer Gitarre fühlte das Publikum tief im Inneren mit. Es herrschte Totenstille als Natayla fordernd in die Menge starrte oder unter der Last der Musik in den Breaks kauernd auf der Bühne saß. Das Highlight waren schräge Töne eines Saxophons, die ich so aus dem Black-Metal noch nicht kannte. Auch das Schlagzeug wies Elemente auf, wie beispielsweise mit senkrechtem Drumstick angespielte Becken, die mich völlig faszinierten. Ich war komplett in den Bann gezogen von dieser mir unbekannten Band. Ich fühlte alles!

Nach einem kurzer Pause betrat die belgische Post-Metal-Band „Amenra“ (verwurzelt im Künstlerkollektiv „Church of Ra“) die Bühne. Der Musikstil der Band ist düster- atmosphärisch, sowie geprägt von einer tiefen Verzweiflung und einer intensiven Spiritualität, die von filmischen schwarz-weiß Projektionen im Hintergrund gestützt wird. Beides zusammen macht die Band zu einem körperlich-spirituellen, sowie zugleich ähstehtischen Erlebnis für das Publikum. Ihr Alben „De Doom“ (2021) und „Mass IIII“ (2017) umfassen Lieder wie „Ogentroost“ oder auch „Thurifer“ den Schmerz und die Hoffnung dieser, aber auch der nächsten Welt. Auch musikalisch transportieren Spoken-Word-Einlagen von Sänger Colin , emotionale Schreie von Bassistin Caro und eruptive Gitarrenwellen von Gitarristen Mathieu und Lennart zwischen meditativer Ruhe und rituell geschaffenen Klangräumen eine tranceartige Atmosphäre, die sich im Konzert zu steigern schien. Das Publikum war anfangs ruhig, fast schon bedächtigt, jedoch neigten sich die Köpfe der Fans zum Ende ala Post-Metal im Halbtakt der Bühne entgegen. Auffällig war, dass Collin oft mit dem Gesicht zur Wand stand, als ob er selbst die Projektionen anbeten würde. Ab und zu stellte er Kontakt zu den Fans her, indem er sich fast von der Bühne schmiss sich aber sogleich aufgestützt auf den Schultern seiner Anhänger erhob. Auch ich wurde komplett mitgezogen und reingerissen. Es war, als würde ich meinem eigenen Gott ein Stück näher kommen indem ich erneut meine tiefsten Abgründe während des Konzerts durchschritt. Was eine wahnsinnige Show! Noch viel besser als die Erste!

Alles in allem war der Abend gelungen. Beide Bands haben gnadenlos abgeliefert und mich tief berührt. Zugegeben: Die Art von Musik ist was für Kenner der Szene, da sie für einen Metalneuling eher gewöhnungsbedürftig sein könnte. Jedoch hat grade Amenra deutlich gezeigt, wieso ihre Fangemeinde stetig weiter wächst. Wer auf der Suche nach dem „gewissen Mehr“ ist, sich nach einer Phase der Misanthrophie wiederfinden will oder auch spirituell- liebevollen Metal erfahren möchte ist bei beiden Bands in guten Händen. Fans von „Townes Van Zandt“, „Haven“ oder auch „Gojira“ finden sich musikalisch hier definitiv wieder.

Text/Bild: Hannah Helsing

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