
30 Jahre Party.San Metal Open Air, das muss man erst einmal schaffen. Seit drei Jahrzehnten gehört das Festival zu den festen Größen der deutschen Extrem-Metal-Szene und gilt nicht umsonst als größtes Extrem-Metal-Festival Deutschlands. Für viele beginnt das Party.San bereits am Mittwoch. Anreise, Zelt aufbauen, erste Biere mit Freunden und natürlich die ersten bekannten Gesichter begrüßen. Donnerstag ist dann endlich der Moment gekommen, auf den alle gewartet haben. Um 13 Uhr wird das Infield traditionell mit zwei Kanonenschüssen eröffnet.
Und kurz darauf heißt es: Party.San, wir sind wieder da!
Pünktlich um 13:45 Uhr stehen Sarcator auf der Bühne und haben damit die Ehre, das 30. Party.San musikalisch zu eröffnen. Die Schweden kommen aus Trollhättan und haben sich 2018 gegründet. Musikalisch bewegen sie sich irgendwo zwischen Black und Thrash Metal, also genau die richtige Mischung, um einen Festivaltag ordentlich in Gang zu bringen. Und obwohl es für einen ersten Auftritt noch ziemlich früh ist, ist das Infield bereits erstaunlich gut gefüllt. Sarcator machen keine Gefangenen und geben von der ersten Sekunde an Vollgas. Dabei sieht man den Musikern deutlich an, dass sie richtig Bock haben, hier zu spielen. Keine Spur von „erst einmal langsam warm werden“.

Die Schweden haben inzwischen drei Veröffentlichungen auf dem Konto, Ende Oktober soll bereits das vierte Release folgen. Für mich ein absolut gelungener Festivalauftakt.

Viel Zeit zum Durchatmen bleibt nicht. Mit 200 Stab Wounds wird es anschließend deutlich härter. Die Band aus Cleveland, Ohio, wurde 2019 gegründet und hat sich in relativ kurzer Zeit einen Namen in der modernen Death-Metal-Szene gemacht. Und wer die Band gerade erst in Braunschweig als Support von Heaven Shall Burn gesehen hat, dürfte vielleicht ein Déjà-vu erleben. Die Amerikaner gehören aktuell zu den angesagteren jungen Death-Metal-Bands und haben mittlerweile zwei Alben veröffentlicht. Auf dem Party.San zeigen sie, warum. Brachial, direkt und ohne unnötige Umwege geht es nach vorne.
Der ganz normale Party.San-Stress beginnt jetzt für mich das, was man beim Party.San irgendwann nur noch als „ganz normalen Wahnsinn“ bezeichnet.
Hauptbühne oder Zelt? Während auf der Mainstage umgebaut wird, steht im Zelt bereits die nächste Band bereit. Eigentlich perfekt, denn so könnte man theoretisch noch mehr Bands sehen.Theoretisch. Denn die Bands im Zelt spielen meistens länger als der Bühnenumbau auf der Mainstage dauert. Wer also eine Zeltband komplett sehen möchte und danach pünktlich zur nächsten Hauptbühnenband will, verpasst dort mindestens einen Song.
Ich entscheide mich für das Zelt.

Morbus Dei spielen im Zelt und es wird finster im Zelt.
Nein, nicht weil plötzlich ein Unwetter aufzieht, sondern weil Morbus Dei mit ihrem Black Metal übernehmen. Die deutsche Band wurde 2019 gegründet und hat bereits ein Jahr später ihre erste EP veröffentlicht. Danach folgten zwei Alben.

Im Zelt ist es dunkel, die Atmosphäre passt und der Black Metal drückt ordentlich aus den Boxen. Genau dafür liebe ich das Party.San, während draußen die Sonne knallt und auf der Hauptbühne gerade noch Vollgas gegeben wurde, steht man wenige Meter weiter in einem dunklen Zelt und bekommt die komplette Gegenwelt präsentiert.
Auf der Hauptbühne wird es anschließend etwas ruhiger und vor allem melodischer. Iotunn aus Dänemark verbinden progressive Elemente mit Melodic Death und Doom Metal. Ich durfte die Band bereits auf ihrer Tour mit Dark Tranquillity erleben und weiß daher, dass hier nicht einfach nur stumpf auf die Zwölf gespielt wird.
Den ersten Song verpasse ich allerdings. Warum? Richtig: Zelt! Während ich mich noch darüber ärgere, etwas von Iotunn verpasst zu haben, steht Sänger Jón Aldará bereits in seinem charakteristischen Gewand auf der Bühne. Bei den Temperaturen eine durchaus sportliche Entscheidung. Musikalisch liefern Iotunn wieder ihre großen Melodien und schweren, atmosphärischen Passagen ab. Ein schöner Kontrast zu den vorherigen Bands.
Für mich geht es wieder ins Zelt. Dort warten Rats of Gomorrah.
Und die Kieler kenne ich inzwischen. Vor gerade einmal drei Wochen durfte ich sie beim Rude Festival zum ersten Mal live sehen. Auch ihre Vorgängerband Divide hatte ich bereits zweimal auf der Bühne erlebt. Entsprechend gespannt bin ich, was sie diesmal abliefern. Und wieder werde ich nicht enttäuscht.
Daniel und Moritz haben sich musikalisch enorm weiterentwickelt. Was die beiden als Duo auf die Bühne stellen, ist einfach beeindruckend. Technical Death Metal, der so druckvoll klingt, dass man eigentlich gar nicht glauben möchte, dass hier nur zwei Musiker stehen.

Daniel übernimmt Gitarre und Gesang, während Moritz am Schlagzeug ordentlich aufräumt und zusätzlich mit seinen Vocals immer wieder Akzente setzt.
Zwischen zwei Song erzählt Daniel, das er gefragt wurde: Warum seid ihr eigentlich nur zu zweit?
Die Antwort des Sängers: „Weil wir es können. Wir haben alle entlassen und würden uns selber entlassen, wenn es ohne gehen würde.“
Besser kann man es eigentlich nicht erklären. Rats of Gomorrah haben für mich an diesem Tag endgültig bewiesen, dass eine große Bandbesetzung nicht automatisch großen Sound bedeutet.
Danach müsste ich eigentlich dringend wieder ins Infield.
Misery Index stehen auf der Hauptbühne. Das Problem bei mir ist, Rats of Gomorrah waren so gut, dass ich deutlich später dort ankomme als geplant.
Ich muß zu meiner Schande sagen, das ich diese Band noch nie live gesehen habe.

Misery Index liefern ab. Die amerikanische Death-Metal-Band ist schließlich seit Ende der 90er aktiv und hat genug Erfahrung, um ein Festivalpublikum problemlos zu bedienen.
Aber manchmal ist es eben einfach so. Musikalisch alles richtig, trotzdem springt bei mir der Funke nicht über.

Also geht es wieder Richtung Zelt.
Messticator stehen auf dem Programm. Die Hamburger habe ich bereits 2024 beim Metal Frenzy gesehen. Damals war die aktuelle CD allerdings noch nicht draußen.
Inzwischen ist sie erschienen und ich finde sie richtig gut. Also bin ich pünktlich im Zelt.
Messticator wurden 2019 gegründet und veröffentlichten 2022 ihr Debüt. Musikalisch geht es klar in Richtung Old School Death Metal.
Was mich allerdings überrascht, das Zelt ist gerade einmal halb so voll wie zuvor bei Rats of Gomorrah.
Vielleicht ist das aber auch einfach das Problem eines Festivals, wenn man vorher einen Auftritt erlebt hat, der einen komplett abholt, haben es die nächsten Bands automatisch schwerer.
Dabei macht die Band eigentlich alles richtig. Der Sound passt, die Songs sitzen und das Publikum geht ordentlich mit.
Auf der Hauptbühne geht es anschließend wieder eine Stufe härter zu.

Sadistic Intent stehen für kompromisslosen Brutal Death Metal und gehören zu den Veteranen der amerikanischen Szene.
Bereits 1987 in Los Angeles gegründet, gehören sie zu den frühen Death-Metal-Bands der Region.

Und genau so klingt es auch. Kein modernes Hochglanzprodukt, sondern Death Metal mit ordentlich Dreck unter den Fingernägeln.
Im Zelt darf danach wieder etwas durchgeatmet werden.
ToDoMal bringen Doom Metal auf die Bühne. Es wird langsamer, ruhiger und melodischer. Keyboard und Clean-Gesang sorgen für zusätzliche Atmosphäre.
Und auch hier zeigt sich wieder, das Zelt ist sehr gut gefüllt. Das Party.San-Publikum nimmt eben nicht nur die härtesten Bands mit, sondern lässt sich auch auf die ruhigeren und atmosphärischeren Seiten des Genres ein.
Bei Schirence Plays Pungent Stench muss ich zugeben, die Band ist bisher komplett an mir vorbeigegangen. Schade eigentlich.
Denn das, was ich hier sehe, gefällt mir richtig gut. Drei Musiker, Death Metal, keine unnötigen Spielereien, einfach kurz, knapp und auf den Punkt.

Schirence Plays Pungent Stench widmen sich dem Material der österreichischen Death-Metal-Legende Pungent Stench.
Da das Projekt Ende 2026 beendet werden soll, bekommt der Auftritt zusätzlich einen gewissen Abschiedscharakter.

Für mich eine der positive Neuentdeckung.

Im Zelt wird anschließend wieder auf Brutalität geschaltet. Begging for Incest verbinden Brutal Death Metal mit Hardcore-Einflüssen.
Und das merkt man sofort. Kaum geht es los, entstehen die ersten Moshpits und Circle Pits.
Die typische Axt-Handbewegung taucht in der Menge auf und das Zelt wird immer voller.
Interessant ist dabei das Publikum, das komplett anders ist als bei Todomál.
Eben noch Doom und Atmosphäre, jetzt Moshpit und Abriss. Genau diese Mischung macht ein Festival aus.
Eigentlich hätte jetzt Desaster auf der Bühne stehen sollen. Doch krankheitsbedingt müssen Desaster absagen.
Kurzfristig springen Lamp of Murmuur ein und retten damit den Slot.
Dafür geht zunächst einmal ein großes Dankeschön an die Band und natürlich an die Party.San-Crew, die so kurzfristig für Ersatz sorgt.

Lamp of Murmuur stammen aus den USA und stehen für atmosphärischen, melodischen Black Metal.
Die Songs haben Atmosphäre, Melodie und gleichzeitig genügend Härte, um perfekt zum Party.San zu passen.

Manchmal sind es eben genau die Bands, die man eigentlich gar nicht eingeplant hatte, die am Ende besonders hängen bleiben.
Und für mich werden sie zur Entdeckung des Tages.
Im Zelt geht es anschließend wieder tief in die Dunkelheit. Evoken gehören zu den bekannten Namen des Funeral Doom und Death Doom.
Die Band aus New Jersey existiert bereits seit den frühen 90ern und hat sich über Jahrzehnte einen Namen mit extrem schweren, langsamen und düsteren Songs gemacht.
Dazu gibt es jede Menge Nebel. Sehr viel Nebel. Eigentlich genau das, was man bei Evoken erwartet.
Dann kommt einer meiner persönlichen Höhepunkte des Tages.

Sventevith: Misthyrming & Nergal perform Behemoth’s Sventevith
Hier wird das frühe Behemoth-Material von Nergal gemeinsam mit Musikern von Misthyrming aufgeführt. Und diese Besetzung funktioniert verdammt gut.
Nergal konzentriert sich komplett auf den Gesang und dazu kommen zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug.
Das Ergebnis?

Mehr Tiefe. Mehr Power. Mehr Energie. Die alten Songs wirken in dieser Besetzung teilweise sogar noch gewaltiger.
Nach ungefähr 40 Minuten ist das eigentliche „Sventevith“-Release komplett gespielt. Aber das war es noch nicht.
Es folgen weitere Songs, bevor die Show nach insgesamt rund 60 Minuten mit „Satanica“ endet.
Was für eine Performance! Genau für solche einmaligen Shows fährt man auf diese Festival.
Eigentlich müsste ich jetzt noch komplett ins Zelt zu Sear Bliss. Leider komme ich zu spät.
Der Grund ist einfach: Sventevith musste ich bis zum Ende sehen.
Sear Bliss aus Ungarn gibt es bereits seit 30 Jahren und die Band verbindet Black Metal mit ungewöhnlichen melodischen Elementen.
Besonders das Saxophon fällt auf und verleiht den Songs eine ganz eigene Note.
Dann wieder Doublebass und finsterer Gesang und plötzlich ist man wieder tief im Black Metal.
Sear Bliss spielen zum zweiten Mal auf dem Party.San. Leider sehe ich diesmal nur einen Teil Ihrer Show.
Zurück auf der Hauptbühne. Moonspell eröffnen ihren Auftritt mit dem umstrittenen „Opium“.

Die Bühne wird komplett rot beleuchtet und die Portugiesen tauchen das Infield sofort in eine düstere Atmosphäre.
Moonspell gehören zu den ganz alten Hasen der europäischen Metal-Szene. Seit 1992 ist die Band aktiv und gerade die Alben und Songs aus den 90ern haben bis heute Kultstatus.
Obwohl man Moonspell immer mal wieder in Deutschland live sehen kann, sind Festivalauftritte eher selten.
Beim Party.San spielen sie nun zum ersten Mal.

Dazu gibt es Songs vom neuen Album, das wieder deutlich stärker in Richtung der frühen Moonspell geht.
Und natürlich darf auch das alte Material nicht fehlen. Für mich eine richtig starke Setlist.
Dann ist es endlich so weit. Testament betreten die Bühne.
Testament … würdiger Headliner zum 30. Geburtstag!
Der Bühnenaufbau dauert etwas länger, aber spätestens als das riesige Skelett über dem Schlagzeug auftaucht, weiß jeder, das Warten hat sich gelohnt.

Testament gehören seit ihrer Gründung 1983 zu den wichtigsten Bands der amerikanischen Thrash-Metal-Szene. Zusammen mit Metallica, Slayer und Exodus gehören sie zu den Bands, die den Bay-Area-Thrash entscheidend geprägt haben. Und heute zeigen sie, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören. Der Sound ist glasklar.

Chuck Billy ist stimmlich richtig stark unterwegs.
Alex Skolnick nutzt natürlich jede Gelegenheit, um zu zeigen, was er an der Gitarre kann. Heute fällt besonders seine giftgrüne Gitarre ins Auge.
Auch Songs vom aktuellen Release „Parallellam“ finden ihren Weg in die Setlist.

Natürlich ist es bei 75 Minuten Spielzeit unmöglich, eine Karriere mit so vielen Klassikern komplett abzubilden.
Trotzdem ist die Mischung gelungen. Das Infield ist inzwischen brechend voll. Auf der Wiese sitzen zahlreiche Leute, die nach einem langen Festivaltag einfach nur noch zuhören wollen.
Und dann ist er vorbei, der erste große Tag des Party.San-Jubiläums.
Fazit: 17 Bands habe ich an diesem Tag geschafft. Oder besser gesagt, 17 Bands mit der üblichen Party.San-Rechnung, bei der man wegen der Überschneidungen auf der Hauptbühne immer wieder ein paar Minuten opfern muss. Mein persönlicher Entdeckung des Tages sind Lamp of Murmuur.
Aber auch Rats of Gomorrah haben bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Zwei Musiker, aber ein Sound, der problemlos mit deutlich größeren Bands mithalten kann. Ganz besonders waren natürlich Sventevith, solche einmaligen Shows bekommt man nicht jeden Tag zu sehen. Und auch Schirence Plays Pungent Stench waren für mich eine positive Überraschung. Dazu Moonspell mit einer starken Setlist und Testament als würdiger Headliner.
Jetzt heißt es erst einmal: Füße hoch, Stimme suchen und irgendwie noch ein bisschen Schlaf bekommen.
Denn morgen geht es weiter.
Vielen Dank an das Party.San Metal Open Air für die Akkreditierung.
Bericht: Frank
Fotos: Daniel Kremberg (@lovodium)










