kernkraftritter.de

Queensrÿche & Rivers of Nihil im Pavillon Hannover

Queensrÿche & Rivers of Nihil im Pavillon Hannover – Progressive Metal trifft Technical Death Metal

Bereits um 19 Uhr öffneten sich die Türen des Pavillons Hannover. Zu diesem Zeitpunkt war es noch überraschend leer. Mein erster Weg führt bei Konzerten allerdings grundsätzlich zum Merchandising-Stand. Während Rivers of Nihil lediglich die aktuelle CD, zwei Vinyl-Ausgaben und ein T-Shirt im Gepäck hatten, konnten Queensrÿche mit einer deutlich größeren Auswahl an Shirts und Fanartikeln aufwarten.

Noch bevor ich den Saal erkundete, gab es das erste Wiedersehen des Abends. Überraschend stand plötzlich Britta Görtz vor mir. Natürlich wurde sich herzlich begrüßt. Britta ist in Hannover längst keine Unbekannte, sei es als Frontfrau von Hiraes oder früher mit Cripper und Critical Mess.

Da der Pavillon für mich Neuland war, nutzte ich die Gelegenheit, mir zunächst den Saal anzusehen. Als ich wenig später zurück zum Getränkestand kam, traute ich meinen Augen kaum. Wo kamen auf einmal all die Metalfans her? Innerhalb kurzer Zeit hatte sich die Halle merklich gefüllt. Schön zu sehen, dass so viele den Weg gefunden hatten, um eine echte Progressive-Metal-Legende live zu erleben.

Pünktlich um 20 Uhr erklang das Intro und Rivers of Nihil betraten die Bühne.

Die Band aus Reading im US-Bundesstaat Pennsylvania wurde 2009 gegründet und zählt mittlerweile zu den spannendsten Vertretern des Technical Death Metal. Fünf Studioalben stehen inzwischen in der Diskografie.

Den Auftakt machte „Rivers of Nihil“ vom aktuellen, selbstbetitelten Album. Bereits hier wurde deutlich, wie stark die Band mittlerweile Progressive Metal und Death Metal miteinander verbindet. Clean- und Harsh-Vocals wechseln sich nahezu perfekt ab und verleihen den Songs zusätzliche Dynamik.

Mit „The Silent Life“ folgte anschließend einer meiner absoluten Lieblingssongs vom grandiosen 2018 erschienenen Album Where Owls Know My Name. Das Stück ist zunächst ein kompromissloses Death-Metal-Brett, bevor im Mittelteil überraschend ein Saxofonist die Bühne betritt. Was auf dem Papier ungewöhnlich klingt, funktioniert live hervorragend und fügt sich nahtlos in den Sound der Band ein.

Anschließend ging es mit „The Void From Which No Sound Escapes“ vom Vorgängeralbum The Work weiter, bevor gleich mehrere Songs des aktuellen Albums folgten.

Gerade diese Mischung macht Rivers of Nihil so besonders. Technischer Death Metal trifft auf progressive Songstrukturen, harte Growls wechseln sich mit melodischen Clean-Vocals ab und immer wieder setzen die Saxofon-Passagen spannende Akzente, ohne den Songs ihre Härte zu nehmen.

Zwischendurch musste ich kurz zum Getränkestand. Als ich zurückkam, war der Saal inzwischen hervorragend gefüllt. Offenbar wollten sich viele Besucher den Auftritt nicht entgehen lassen.

Den emotionalen Abschluss bildete schließlich „Where Owls Know My Name“. Für mich persönlich der perfekte Schlusspunkt eines viel zu kurzen 45-minütigen Sets. Hoffentlich ergibt sich bald die Gelegenheit, Rivers of Nihil einmal mit einer längeren Spielzeit erleben zu können.

In der Umbaupause blieb genügend Zeit für Gespräche mit zahlreichen bekannten Gesichtern aus Hannover und Braunschweig. Auch der Autor Marc Halupczok, vielen besser unter seinem Künstlernamen Till Burgwächter bekannt, war im Auftrag des Metal Hammer vor Ort.

Um 21:10 Uhr war es schließlich Zeit für den Headliner.

Mit den ersten Tönen von Black Sabbaths „Mob Rules“ begann das Intro von Queensrÿche. Im Hintergrund prangte der klassische Queensrÿche-Schriftzug, ein stimmungsvoller Auftakt für eine Reise durch die Geschichte der Band. Es wurde bis auf ein Song nur Lieder der ersten vier Alben gespielt.

Direkt danach folgte mit „Queen of the Reich“ ein Klassiker der gleichnamigen EP, ehe „Operation Mindcrime“ und „Walk in the Shadows“ das Publikum endgültig in Feierlaune versetzten. Beim Anfangsriff von „Walk in the Shadows“ unterlief Gitarrist Michael Wilton ein kleiner Patzer. Die Band nahm es mit Humor, brach den Song kurzerhand ab und begann einfach noch einmal. Spätestens beim Refrain sang der gesamte Saal lautstark mit.

Von Song zu Song steigerte sich die Stimmung. Mit „Speak“ und „I Don’t Believe in Love“ folgten gleich zwei weitere Highlights des legendären Albums Operation: Mindcrime. Für längere Soli blieb den beiden Gitarristen kaum Zeit, stattdessen stand ganz klar das Songmaterial im Mittelpunkt.

Todd La Torre kündigte anschließend „London“ als einen seiner persönlichen Lieblingssongs an und bewies einmal mehr, warum er seit seinem Einstieg 2012 als perfekte Besetzung am Mikrofon gilt.

Als wenig später „Best I Can“ vom Erfolgsalbum Empire erklang, erreichte die Stimmung eine neue Stufe. Kaum ein Besucher sang nicht mit. Mit „Warning“ folgte einer meiner persönlichen Favoriten des Abends. Danach präsentierte die Band mit „Behind the Walls“ den einzigen Song aus der aktuellen Ära, bevor Klassiker wie „Take Hold of the Flame“ das Set fortsetzten. Ich war eigentlich der Meinung, dass die Stimmung ihren Höhepunkt bereits erreicht hatte. Doch als die ersten Gitarrenklänge von „Jet City Woman“ erklangen, wurde es im Pavillon noch einmal deutlich lauter. Direkt anschließend fügte sich „Screaming in Digital“ nahtlos in das Programm ein.

Nach rund 70 Minuten verschwand die Band von der Bühne. Ein kurzer Blick auf die Uhr ließ viele Fans überrascht zurück – das konnte unmöglich schon alles gewesen sein.

Natürlich nicht.

Mit „Anarchy-X“ und dem nahtlos folgenden „Revolution Calling“ begann der Zugabenteil genau so, wie es sich die Fans gewünscht hatten. Der Pavillon verwandelte sich endgültig in einen riesigen Chor.

Es folgte „Empire“, bei dem wirklich jeder im Saal den Refrain mitsang. Den würdigen Abschluss eines großartigen Konzertabends bildete schließlich „Eyes of a Stranger“ einer der ganz großen Klassiker von Operation: Mindcrime.

Fazit: Rivers of Nihil lieferten einen beeindruckenden Support-Auftritt ab und machten Lust auf mehr. Ihr Mix aus Technical Death Metal und progressiven Elementen funktioniert live hervorragend und hätte gerne deutlich länger dauern dürfen.

Queensrÿche hingegen bewiesen eindrucksvoll, warum sie seit über vier Jahrzehnten zu den wichtigsten Bands des Progressive Metal gehören. Todd La Torre steht Geoff Tate stimmlich in nichts nach und verleiht den Klassikern gleichzeitig eine eigene Note. Wer die Gelegenheit bekommt, Queensrÿche in der aktuellen Besetzung live zu erleben, sollte sie unbedingt nutzen.

Ein großes Dankeschön geht an Living Concerts für die Akkreditierung und einen rundum gelungenen Konzertabend.

 

Text: Frank
Fotos: Sven Richter

Like this Article? Share it!

About The Author

Leave A Response