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Induction – Love Kills!

Mario Waschkowski 9. Februar 2026 Review Keine Kommentare zu Induction – Love Kills!

Induction – Love Kills!

Reigning Phoenix Music | 06.02.2026

Manchmal braucht es genau diesen einen Moment: ein Konzert, ein Song, eine Stimme und plötzlich ist da diese Verbindung. Bei mir war es Induction im letzten Jahr live. Vorher kannte ich die Band nur oberflächlich, danach war da dieses unmittelbare Gefühl von Power, Spielfreude und spürbarer guter Laune. Eine Stimme, die mühelos zwischen Druck und Emotion pendelt. Melodien, die hängen bleiben. Refrains, die man unwillkürlich mitnimmt. Genau dieses Gefühl trägt auch Love Kills! weiter.

Das dritte Studioalbum der Band wirkt wie eine selbstbewusste Standortbestimmung. Induction bewegen sich weiterhin klar im Power-Metal-Kosmos, öffnen ihren Sound aber stärker in Richtung moderner Rock- und Metal-Elemente. Die Produktion ist breit, klar und druckvoll. Die Gitarren und Keyboards greifen klanglich ineinander, während das Schlagzeug dem Album konstanten Vortrieb verleiht. Auch wenn Induction seit ihrer Gründung 2014 mehrfach personelle Veränderungen erlebt haben und heute kein Gründungsmitglied mehr Teil der Band ist, wirkt Love Kills! erstaunlich geschlossen. Gitarrist Tim Hansen, seit 2017 dabei, und Bassist Dominik Gusch, der 2022 zur Band stieß, bilden dabei ein stabiles Fundament im Instrumentalbereich. Dass auf jedem Album bislang ein anderer Sänger zu hören war, unterstreicht den Umbruchcharakter der Bandgeschichte. Umso bemerkenswerter ist es, wie selbstverständlich sich der aktuelle Sänger Gabriele Gozzi in das Klangbild einfügt. Als Sohn von Kai Hansen mag Tim Hansens Name Erwartungen wecken, doch Love Kills! zeigt einmal mehr, dass es hier längst um eine eigenständige Identität geht und nährt zugleich die Hoffnung, dass diese Besetzung die nötige Stabilität mitbringt, um den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen.

Entscheidend ist am Ende, wie gut sich Love Kills! anfühlt. Der Gesang trägt das Album mit einer Selbstverständlichkeit, die sofort funktioniert, ohne sich aufzudrängen. Druckvolle Momente wechseln sich mit ruhigeren Passagen ab, Refrains setzen sich fest, ohne dabei beliebig zu wirken. Härte und Melodie stehen hier nicht im Widerspruch, sondern greifen ineinander. Genau das sorgt dafür, dass viele Songs auch nach mehreren Durchläufen nichts von ihrer Wirkung verlieren. Persönlich empfinde ich keinen der Songs als schwach. Das Album lebt nicht von einzelnen Ausreißern, sondern von einem durchgehend stimmigen Gesamtgefühl.

Auch im Detail zeigt Love Kills! viel Gespür für Abwechslung. Strangers in Love sticht dabei besonders hervor: Mit Clémentine Delauney von Visions of Atlantis als Gastsängerin gewinnt der Song eine zusätzliche emotionale Ebene. Ihre Stimme fügt sich hervorragend ein und verleiht dem Stück eine besondere Leichtigkeit. Als Einstieg oder klare Hörempfehlung bieten sich zudem Virtual Insanity und Empress an. Ersterer ist für mich ein typischer Induction-Song. Treibend, melodisch, mit einem Refrain, der sofort sitzt. Das Gamma Ray – Cover Empress hingegen hat sich mit jedem Durchlauf tiefer im Gehörgang festgesetzt. Love Kills! lebt von seiner Abwechslung, ohne den eigenen Kern aus den Augen zu verlieren. Der rote Faden liegt nicht in Gleichförmigkeit, sondern im Wiedererkennungswert. Ein Album, das wächst, je öfter man sich darauf einlässt.

Mario W.

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