
Am Freitag beim Party.San bin ich pünktlich um 12 Uhr wieder vor der Hauptbühne. Nach dem gestrigen Auftakt mit jeder Menge unterschiedlicher Stilrichtungen geht es heute direkt mit einer der traditionellen Party.San-Eröffnungen weiter: Grindcore.
Guttural Slug eröffnen den Freitag auf der Hauptbühne. Die dänische Band steht für brutalen Grindcore bzw. Goregrind und passt damit perfekt in die Party.San-Tradition, den Festivaltag mit einer möglichst kompromisslosen Band zu beginnen. Ich werde wahrscheinlich nie der größte Fan dieses Genres werden. Aber das muss ja nicht für alle gelten.

Das Infield ist für diese frühe Uhrzeit bereits richtig voll und kaum sind die ersten Töne erklungen, entstehen die ersten riesigen Circle Pits. Und die hören in den rund 30 Minuten Spielzeit auch nicht wirklich auf. Ich beobachte das Ganze lieber etwas von außen und stelle wieder einmal fest: Grindcore polarisiert, aber die Fans, die ihn lieben, feiern ihn dafür umso intensiver.
Erst einmal Essen statt Musik …
Die erste Pause nutze ich für einen kleinen Rundgang über das Festivalgelände. Denn das Party.San hat auch kulinarisch einiges zu bieten. Die Auswahl ist riesig und die Preise empfinde ich weiterhin als fair. Ich gehe einmal der Reihe nach: Kaffee-Spezialitäten, Eis und natürlich der Brathuhn-Stand. Statt Satan gibt es hier Haxe, Rippchen, halbe Hähnchen, verschiedene Fleisch- und Fischbrötchen, Nudelgerichte und Pommes. Ich habe nicht alles geschafft, also nicht alles gesehen und auch nicht gegessen, denn inzwischen fängt die nächste Band an.
A Canorous Quintet aus Stockholm stehen auf der MainStage. Die Schweden wurden bereits Anfang der 90er gegründet und gehören zu den Bands, die den schwedischen Melodic-Death-Metal-Sound der frühen 90er Jahre mitgeprägt haben. Nach einer langen Pause kehrte die Band vor einigen Jahren wieder auf die Bühne zurück. Genau das macht den Auftritt für mich besonders interessant. Musikalisch geht es zurück zu den Wurzeln, melodischer, aber gleichzeitig Old-School-Death Metal, wie man ihn aus den 90ern kennt.
Die fünf Musiker stehen als geschlossene Einheit auf der Bühne und machen ordentlich Druck. Ich bin so begeistert, dass ich nach der Show natürlich zum Merch muss.

Und tatsächlich habe ich Glück, ihr Debütalbum von 1996 haben Sie dabei und genau von diesem Album spielen sie heute einige Songs. Schade eigentlich, dass A Canorous Quintet fast 20 Jahre auf Eis gelegen haben. Für mich ein richtig starker Auftritt.
Ich setze meinen Rundgang fort …weitere Stände sind Klöße mit Sauce, Knoblauchbrot und afghanische Spezialitäten. Aber damit ist noch lange nicht Schluss. Burrito-Bowls und Nachos, Backwaren, thailändische Spezialitäten, Crêpes, Café und Softeis, Pommes & Currywurst.
Zwischen den Zelten stehen außerdem zwei mobile Lastenfahrräder mit Kaffee und weiteren Kleinigkeiten.
Kaum habe ich den Essensrundgang beendet, ohne was gegessen zu haben, geht es musikalisch weiter.
Wormed stehen auf der Hauptbühne. Die Band kommt aus Spanien und spielen technischer Death Metal. Also genau mein Ding.
Die Spanier gehören seit den späten 90ern zur technischen und brutalen Death-Metal-Szene und haben sich mit ihrem futuristischen, extrem komplexen Sound einen festen Platz im Underground erspielt. Und hier wird es richtig brutal. Die Songs sind technisch anspruchsvoll, schnell und gleichzeitig so schwer, dass man sich schon fragt, wie die Jungs das live überhaupt reproduzieren. Für mich definitiv ein Highlight.

Natürlich muss ich danach zum Merch und schauen, ob es CDs gibt. Immerhin haben Wormed bereits vier Studioalben veröffentlicht.
Nach drei richtig guten und vor allem ziemlich brutalen Bands ist es Zeit, einmal runterzukommen.
Sorcerer aus Stockholm übernehmen den Part und spielen auf der Hauptbühne Epic Doom Metal.
Die Schweden wurden bereits Ende der 80er gegründet, bevor die Band zunächst wieder verschwand und später (2010) neu durchstartet.
Seit ihrem Comeback gehören Sorcerer zu den bekannteren Vertretern des epischen Doom Metal.

Ich durfte Sorcerer vor einigen Jahren bereits beim Rock Hard Festival sehen und war damals schon sehr begeistert. Und jetzt tut dieser Stilwechsel einfach gut. Clean-Gesang, große Melodien und epische Gitarren statt Blastbeats und technischem Gefrickel. Sorcerer spiele einige Stücke vom letzten Release „Reign of the Reader“ (2023).


Das Wetter spielt heute perfekt mit… kein Regen… dafür Sonne.
Für meinen Geschmack allerdings ein paar Grad zu viel.
Zum Glück steht als Nächstes die erste Band im Zelt auf dem Programm.
Nail by Nail kommen aus Karlsruhe und haben sich erst 2023 gegründet. Musikalisch geht es in Richtung Black Metal. Das Debütalbum ist 2025 erschienen und am 25. September steht bereits das nächste Album an „Internat Inferno“. Ich durfte in die neue Veröffentlichung schon einmal reinhören und bin ziemlich begeistert. Umso gespannter bin ich auf den Live-Auftritt.

Und meine Erwartungen werden erfüllt. Nail by Nail zeigen, dass der Black Metal-Nachwuchs alles andere als tot ist. Gerade solche jungen Bands braucht die Szene.
Das Zelt ist sehr gut besucht und das ist für eine noch relativ junge Band ein ziemlich gutes Zeichen.

Ein Auftritt, der Lust auf das kommende Album und mehr macht.
Ich komme zu spät zur Hauptbühne, da ich Mail by Nail zu Ende sehen mußte und ich erst beim Rude Jungle Rot gesehen habe. Die Amerikaner aus Kenosha, Wisconsin, sind seit den frühen 90ern aktiv und gehören mittlerweile zu den etablierten Größen des Death Metal. Ich gehe mal was Essen und höre aus der ferne zu. Jungle Rot liefern wie gewohnt ihren erbarmungslosen Death Metal ab.
Im Zelt wird es wieder ruhiger.
Endonomos aus Österreich spielen Doom Metal und sind für mich heute eine Neuentdeckung. Das Zelt ist zunächst überraschend leer. Ob es an der Hitze liegt? Oder ist es vielen nach Jungle Rot einfach zu ruhig? Nach dem zweiten Song füllt sich das Zelt allerdings deutlich. Jungle Rot sind inzwischen vorbei und einige Besucher wechseln nun ebenfalls ins Zelt. Ich bin bewusst früher hierher gegangen, weil ich Jungle Rot erst vor drei Wochen gesehen habe und Endonomos für mich neu sind. Trotzdem heißt es irgendwann wieder raus, denn die nächste Band auf der Hauptbühne möchte ich auf keinen Fall verpassen.
Afsky stehen auf der Hauptbühne… und das bei brütender Hitze.
Das scheint allerdings niemanden wirklich zu interessieren. Das Infield ist voll. Afsky, das Projekt von Ole Luk, gehört inzwischen zu den bekannteren Namen im atmosphärischen Black Metal. Was mich besonders fasziniert: Die Musik lebt stark von den Instrumentalpassagen. Der Gesang ist nicht permanent präsent.

Dafür macht der Drummer ordentlich Druck. Teilweise unglaublich schnell.

Ich habe Afsky das erste Mal vor ungefähr vier oder fünf Jahren in der Trompete in Bochum vor vielleicht 100 Leuten gesehen. Heute stehen hier mehrere tausend Menschen. Das ist schon eine Entwicklung.

Was ich bei ungefähr 25 Grad und strahlendem Sonnenschein allerdings nicht unbedingt brauche, ist Pyro.
Black Metal hin oder her… bei Tageslicht wirkt es einfach nicht so gut.
Crawl kommen aus Schweden und wurden 2014 gegründet. Die Band stammt aus dem Umfeld von Kalmar und hat sich dem Old School Death Metal verschrieben. Dabei geht es allerdings nicht ausschließlich um klassischen schwedischen Death Metal. Crawl verbinden die typischen schweren, sägenden Gitarren mit deutlichen Crust-Einflüssen. Genau diese Mischung macht den Sound der Band so dreckig und aggressiv. Die Band hat eine unglaubliche Spielfreude und eine Energie, die sofort auf das Publikum überspringt. Keine langen Ansagen, keine unnötigen Pausen, einfach nur spielen. Das Publikum nimmt die Vorlage dankbar an. Und plötzlich merkt man, dass es nicht unbedingt ein riesiges Infield braucht, um eine intensive Festivalshow zu erleben. Das Zelt ist reicht völlig. Ich muss ehrlich sagen: Mit Crawl hatte ich vorher nicht unbedingt gerechnet. Aber genau solche Momente liebe ich auf Festivals.
Mit Deceased… geht es anschließend weiter in Richtung Thrash.
Die amerikanische Band wurde bereits 1985 gegründet und gehört damit zu den echten Veteranen der extremen Metal-Szene. Über die Jahrzehnte haben Deceased ihren eigenen Mix aus Death-, Thrash- und Speed-Metal entwickelt.

Nach Crawl ist das musikalisch ein schöner Übergang. Deceased… haben auch technisch gibt es einiges zu sehen. Die Gitarrenarbeit darf ruhig als „Gefrickel“ bezeichnet werden, allerdings im positiven Sinne. Nach den ganzen brutalen Death-Metal-Bands tut dieser Stilwechsel ebenfalls gut.

Es geht Schlag auf Schlag… wieder schnell ins Zelt.
Death Worship aus Kanada und Deutschland stehen dort schon auf der Bühne.
Und ehrlich gesagt bin ich bei der Sonne ganz froh darüber. Die Band ist noch relative jung und wurde 2013 in Kanada gegründet.

Musikalisch gibt es Death Metal mit deutlichem Black-Metal-Einschlag. Dazu kommen Thrash-Einflüsse und ordentlich Geschwindigkeit. Die Musiker stehen teilweise mit Corpsepaint auf der Bühne. Kompromisslos. Direkt. Schnell.

Und vor allem mit ordentlich Spielfreude. Welches Genre das jetzt genau ist, ist mir irgendwann ziemlich egal. Der Sound gefällt mir und die Band hat richtig Bock.
Auf der Hauptbühne geht es mit Wolves in the Throne Room weiter. Die Amerikaner aus Olympia, Washington, gehören zu den bekanntesten Vertretern des atmosphärischen Black Metal und haben sich seit ihrer Gründung 2002 eine ganz eigene Nische geschaffen. Jetzt wird es deutlich düsterer.

Die Musik lebt von langen, atmosphärischen Passagen, wiederkehrenden Gitarrenmotiven und einer fast hypnotischen Wirkung. Die Setlist umfasst die gesamte Schaffensphase, beginnend mit dem aktuellen „Mountain Magick“, und den älteren „Beholden to Clan“, „Crown of Stone“, „Thuja Magus Imperium“ und zum Abschluss das 18 minütigen Stück „I Will Lay Down My Bones Among the Rocks and Roots“.

Gerade der letzte Song passt perfekt als Abschluss. Ein Stück Black Metal, das nicht einfach nur zerstören will, sondern eine eigene Atmosphäre aufbaut.
Sacred Reich geben sich die Ehre und der Härtegrad geht leicht zurück.
Die Band aus Phoenix, Arizona, wurde bereits 1985 gegründet und gehört zu den wichtigen Vertretern des amerikanischen Thrash Metal.

Und natürlich gibt es die Klassiker. Der Sound ist hervorragend und Sacred Reich zeigen, dass Thrash Metal auch nach Jahrzehnten noch ordentlich Druck entwickeln kann.
Die Sonne geht langsam unter und damit wird es Zeit für das Longsleeve oder gleich den Kapu.

Musikalisch kann man eigentlich nichts aussetzen. Mein persönliches Problem sind allerdings die vielen Ansagen und kleinen Geschichten zwischen den Songs.
Für mich dürfte es etwas mehr Musik und etwas weniger Moderation sein. Aber das ist Geschmackssache.
Asagraum fangen schon an, während Sacred Reich noch spielen, geht es für mich wieder ins Zelt. Hier wird es jetzt richtig voll!!! Die Band wurde 2015 gegründet und besteht aus Musikerinnen aus den Niederlanden und Norwegen. Mittlerweile haben sie sich zu einer festen Größe im Black-Metal-Underground entwickelt.

Ob man bei einer solchen Entwicklung überhaupt noch von Underground sprechen kann? Egal.
Asagraum verstehen ihr Handwerk und der Kontrast zu Sacred Reich könnte kaum größer sein.
Keine langen Ansagen. Keine Geschichten. Kein unnötiges Gerede.

Einfach Musik. Black Metal. Finster. Intensiv.
Das Zelt ist so voll wie an diesem Tag bisher kaum.
Dann kommt eine Band, die ich schon lange einmal live sehen wollte Alcest.
Die Franzosen um Neige zeigen eindrucksvoll, wie breit der Begriff Black Metal eigentlich sein kann.
Gerade der direkte Vergleich im Genre Black-Metal mit Asagraum könnte größer kaum sein.

Asagraum: roh, finster und kompromisslos.
Alcest: Atmosphäre, Melodie, Post-Metal und große Instrumentalpassagen, aber trotzdem tief im Black Metal verwurzelt.

Das Bühnenbild kommt dadurch richtig gut zur Geltung. Der angestrahlte Mond und der blaue Hintergrund schaffen eine Atmosphäre, die perfekt zur Musik passt.
Für mich eine der Shows des Tages. Endlich Alcest live gesehen und es hat sich gelohnt.
Als letzte Band im Zelt stehen heute Fleshcrawl auf dem Programm.
Eine deutsche Death-Metal-Institution. Die Band aus Illertissen ist bereits seit 1987 aktiv und gehört damit zu den langlebigsten deutschen Death-Metal-Bands.
Old School Death Metal ist hier Programm.

Ich habe einige CDs der Band zu Hause, aber tatsächlich noch nie die Gelegenheit gehabt, Fleshcrawl live zu sehen. Als ich am Mittwoch zum Party.San losfahren wollte, habe ich vorher noch den Briefkasten geleert. Was liegt darin? Ein kleines Paket. Die neue Fleshcrawl-CD. Perfektes Timing! Jetzt bekomme ich die neuen Songs eben live.

Fleshcrawl eröffnen mit „Blood Dominion“. Danach folgt vom Album Made of Flesh „Flesh Bloody Flesh“ und anschließend mit „Perpetual Dawn“ ein Song vom ersten Release Descend into the Absurd und darauf drehen die Fans durch und jetzt wird das Zelt zerlegt. Genau so habe ich mir Fleshcrawl vorgestellt. Old School Death Metal, druckvoll und direkt.
Auf der Hauptbühne geht es anschließend wieder ganz klar in Richtung Black Metal Dark Funeral
Die Schweden aus Stockholm gehören seit ihrer Gründung 1993 zu den bekanntesten Vertretern des schwedischen Black Metal.

Jetzt passt einfach alles. Es ist dunkel. Es wird kalt. Die Bühne wird von Pyro erhellt.

Das Infield ist richtig voll. Was für Dark Funeral spricht.
Die Band hat diese typische große Bühnenpräsenz und gehört für mich definitiv auf eine große Festivalbühne.

Durch die Dunkelheit kommen die Pyroeffekte jetzt auch richtig gut zur Geltung
Mein Fazit: Der zweite Festivaltag ist geschafft.
Wenn ich meine persönlichen Highlights nennen soll, stehen A Canorous Quintet, Crawl, Fleshcrawl und Alcest ganz weit oben.
Aber eigentlich muss ich auch sagen, es gab keinen wirklichen Reinfall. Von brutalem Grindcore am Mittag über technischen Death Metal, Doom, Black Metal, Thrash und atmosphärische Klänge war wieder alles dabei.
Bericht: Frank
Fotos: Daniel Kremberg (@lovodium)
Vielen Dank an das Party.San Metal Open Air für die Akkreditierung.










