kernkraftritter.de

Kill The Light Festival 2026: Sagenhafte Premiere zwischen Eisenöfen und Helsinki Vampires

Das beschauliche Ilsenburg im Harz wirkt mit seinen verträumten Gassen fast schon zu malerisch für das, was uns heute erwartet. Doch kaum biegen wir um die Ecke, offenbart sich die perfekte Kulisse: Die Fürst-Stolberg-Hütte. Diese Location ist allein schon die Anreise wert. Eine imposante, langgezogene Werkshalle, die wie eine Kunstausstellung alter Eisenöfen wirkt, eingebettet in diesen rohen, wunderschönen Industrie-Charakter.

Es ist die allererste Auflage des Kill The Light, und man spürt sofort: Hier entsteht gerade etwas mit verdammt viel Potenzial, das sich in den nächsten Jahren fest in der Szene etablieren wird. Auch die Crowd ist ein absoluter Hingucker. In keinem anderen Bereich der schwarzen Szene wird so viel Liebe ins Detail gesteckt. Die Outfits versetzen einen sofort in eine andere Zeit und kicken dich im Bruchteil einer Sekunde aus dem grauen Alltag raus. 

Die Stage-Analysis: Von Newcomern und Legenden

Wisborg: Der Weckruf aus Hannover

Wisborg zünden als Opener direkt die Lunte an und beweisen mit einer Urgewalt an Energie, dass sie viel zu groß für einen reinen Anheizer-Slot sind. Wer denkt, die Jungs spielen sich nur warm, irrt gewaltig. Ihr Stil ist dunkel, druckvoll und trotzdem melodiös – modern, aber ohne diese glattpolierte Langeweile. Die Energie auf der Bühne ist greifbar, und spätestens bei den Ausflügen in die Crowd brennt die Hütte. Für mich heute deutlich mehr als nur ein „Opener“.

Zetra: Kalte Ästhetik aus London

Dann wird es experimentell. Zetra kommen mit einem Konzept um die Ecke, das auf kalten Synths, schweren Riffs und verträumtem Pop basiert. Optisch mit ihren Masken und der mysteriösen Bildsprache absolut eigenständig. Aber Hand aufs Herz: Mich holt der Vibe nicht wirklich ab. Es wirkt teilweise zu statisch und minimalistisch. Gute Musiker, keine Frage, aber der Funke will in dieser monumentalen Halle bei mir nicht überspringen.

Zeraphine: Die Berliner Institution

Ganz anders Zeraphine. Sven Friedrich und seine Truppe bringen diese typische Berliner Spielfreude mit. Sie wirken intensiv, emotional und absolut publikumsnah.

  • Als bei „Lieber Allein“ die verzerrten Gitarren einsetzen und Svens Performance von innerer Stärke und Schmerz erzählt, wird die Menge kollektiv mitgerissen.
  • Mit „Die Macht in Dir“ gab es ein Klassiker, der die Halle in einen düsteren Club verwandelt. 

Während Wisborg dynamischer und Zetra avantgardistischer wirken, punkten Zeraphine mit organischer Songstärke und purer Verlässlichkeit.

Lacrimas Profundere: Die totale Eskalation

Mein persönliches Highlight des Abends! Wer sie am Vorabend schon in der Subkultur gesehen hat, weiß: Diese Band ist on fire. Sänger Julian Larre ist eine absolute Maschine. Er tanzt ekstatisch, taucht immer wieder in die Crowd ab und klettert sogar die Traversen hoch. Ein Frontmann zum Anfassen, dessen Energie ab Sekunde eins überspringt.

  • „Obscurity“ kriecht mit seinen hypnotischen Synths unter die Haut, bevor die Gitarrenwände alles niederwalzen.
  • Bei „My Release in Pain“ explodiert der Drive in der Halle – eine kollektive Katharsis, purer Adrenalinkick. Unschlagbar!

The 69 Eyes: Helsinki Vampires im Harz

Als würdiger Headliner krönen die 1989 gegründeten Pioniere des Goth ’n’ Roll den Abend. Schon das atmosphärische Intro erzeugt dieses ganz spezielle Kribbeln im Bauch und bereitet die Bühne für eine Show voller Coolness. Wenn Jyrki 69 dann das Mikro übernimmt, fühlt man sich sofort an die glorreichen Zeiten der Sisters of Mercy erinnert – sein tiefer, operatitisch-markanter Bass-Bariton schlägt die perfekte Brücke zu Andrew Eldritch. Die Finnen liefern eine ikonische dunkle Ästhetik ab, die dieses wunderbare Event zu etwas ganz Besonderem macht.

Das Fazit: Ein massiver Aufschlag

Was bleibt hängen? Eine sensationelle Location, eine Crowd, die das Event zu etwas Besonderem macht, und faire Preise bei Kulinarik und Drinks. Ein wenig herausfordernd war die Akustik: In so einer riesigen Fabrikhalle ist der Sound ein Biest, das schwer zu bändigen ist. Während er bei Wisborg für mich perfekt saß, hätte ich mir gerade beim Headliner gewünscht, dass Jyrkis Stimme klarer abgegrenzt aus dem Mix hervortritt. Aber das ist Meckern auf extrem hohem Niveau für eine Premiere. Das Kill The Light hat mit seiner ersten Auflage ein dickes Ausrufezeichen gesetzt.

Persönliche Checkliste für die nächste Auflage:

  • Mein Merch-Highlight: Das limitierte Festival-Shirt – ein echtes Sammlerstück! Zwar konnte man es nicht direkt über die Schulter werfen, aber die Vorfreude auf das Paket macht es fast noch exklusiver.
  • Bester Snack: Das Gyros im Brot! Äußerst üppig, verdammt lecker und die nötige Grundlage für eine lange Nacht vor der Stage.
  • Mein Fazit in drei Worten: Sagenhaft, mystisch, legendär.

Man sieht sich nächstes Jahr in der Hütte!

Schall und laut bedankt sich herzlich für die Akkreditierung und den freundlichen Empfang 

Text: H.J.

Fotos: J.J.

Like this Article? Share it!

About The Author

Leave A Response