
Trollzorn Records | Release: 29.01.2026
Obscurity klingen auf Ascheregen fokussierter, entschlossener und spürbar härter. Der Black-Metal-Anteil wurde erhöht und dient als Grundstein, auf dem alles Weitere aufbaut. Die Musik wirkt kälter, schärfer, stellenweise auch unnachgiebiger als auf den letzten Veröffentlichungen.
Die Riffs sind oft roh und sägend. Weniger auf heroische Melodieführung ausgelegt, dafür dichter und aggressiver verzahnt. Wo früher mehr epische Offenheit war, herrscht nun ein spürbarer Druck, der sich durch fast alle Songs zieht. Das Schlagzeug treibt kompromisslos, ohne permanent auf Höchsttempo zu setzen, und verleiht den Stücken eine wuchtige Erdung. Gerade diese Mischung aus kontrollierter Härte und gezielter Raserei sorgt dafür, dass das Album nicht zerfällt, sondern seine Spannung über die gesamte Laufzeit bewahrt.
Der stärkere Black-Metal-Einfluss verändert nicht nur den Sound, sondern verschiebt die gesamte Stimmung des Albums. Die Songs wirken verschlossener und entwickeln ihre Wirkung nicht sofort. Beim ersten Durchlauf bleibt manches sperrig, fast abweisend, als würde sich das Material bewusst gegen schnellen Zugriff wehren. Erst mit wiederholtem Hören treten Feinheiten hervor: unterschwellige Melodien, rhythmische Verschiebungen und Spannungsbögen, die sich langsam aufbauen und dann umso nachhaltiger greifen.

Lyrisch verstärkt sich dieser Eindruck. Ohne sich in reiner Nostalgie zu verlieren, spannt das Album einen thematischen Bogen zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Mythos und moderner Desillusionierung. Im Song „Rúnar Víg“ holen sich Obscurity mit Erik Grawsiö von Månegarm einen starken Gastsänger. Besonders ist dabei, dass er seine Passagen auf Deutsch singt. Gerade dieser gezielte Einsatz verleiht dem Stück zusätzliche Schwere, ohne es aus dem Fluss des Albums zu reißen. Für mich ist das einer der stärksten Momente von Ascheregen und ein klarer Anspieltipp der Platte.
Ganz frei von Kritik ist Ascheregen nicht. Die durchgehende Düsternis kann auf Dauer fordern, und nicht jeder Song besitzt die gleiche Durchschlagskraft. Einige Passagen hätten von mehr Dynamik oder bewusster Zurücknahme profitieren können. Gleichzeitig wirkt das Album in sich geschlossen und konsequent durchgezogen. Obscurity setzen hier klar auf Schwere und Verdichtung statt auf Ausgleich. Genau diese Entscheidung verleiht Ascheregen seine Stärke.
Mario W.








