Manchmal braucht es nur ein paar Takte, um eine Band für sich zu entdecken. So ging es mir mit Orkrist aus Bratislava. Atmosphärischer Metal, melodische Keyboardpassagen, Flöten und eine gehörige Portion Fantasy – das ist genau die Mischung, bei der ich gerne genauer hinhöre. Im Gespräch mit Crom geht es um die Geschichte der Band, dunkle slowakische Märchen, die besondere Bedeutung von Summoning und die Frage, warum man Musik am besten dann macht, wenn sie einem wirklich am Herzen liegt.
Von Bratislava in die Welt der Fantasie
Kernkraftritter: Fangen wir ganz vorne an. Orkrist gibt es schon eine ganze Weile, allerdings mit einer längeren Unterbrechung. Wann habt ihr angefangen, und wie kam es dazu, dass ihr nach so vielen Jahren wieder zurückgekehrt seid?
Crom: Wir haben im Jahr 2000 angefangen. Unser erstes Album erschien 2002, das zweite 2003. Um 2004 haben wir uns dann aufgelöst. Danach gab es eine Pause von ungefähr 14 Jahren, bevor wir 2018 zurückgekommen sind. Seitdem versuchen wir wieder, aktiv zu sein.
Kernkraftritter: Eine ziemlich lange Auszeit also. Umso schöner, dass ihr wieder da seid. Ich muss allerdings zugeben, dass ich euch vor eurem Auftritt in Deutschland noch gar nicht kannte. Dabei habe ich durchaus eine Schwäche für Folk Metal und atmosphärische Klänge. Als ich mir eure vier Alben angehört habe, dachte ich mir: Das ist doch eine richtig gute Sache!
Eure Musik verbindet Melodie und Atmosphäre, ohne sich unbedingt in die üblichen Schubladen stecken zu lassen. Wenn man euch auf der Bühne erlebt, kommt außerdem noch eine ordentliche Portion Spielfreude dazu. Du bist ja nicht nur Keyboarder, sondern auch Sänger und Flötist. Da kommt einiges zusammen.
Crom: Ja, ich spiele Keyboard, singe und spiele Flöte. Ich würde mich aber nicht als Multiinstrumentalisten bezeichnen, da ich nicht alle Instrumente wirklich gut beherrsche.
Kernkraftritter: Bescheidenheit ist ja eine schöne Eigenschaft. Aber wenn man sich selbst Songs ausdenkt, verschiedene Instrumente ausprobiert und dann auch noch auf der Bühne steht, ist das schon eine ganze Menge Arbeit.

Tolkien, dunkle Märchen und die slowakische Heimat
Kernkraftritter: Bei Orkrist kommt man an J. R. R. Tolkien kaum vorbei. Schon euer Bandname hat einen Bezug zu seiner Welt. Was bedeutet Tolkien für euch, und welche Geschichten inspirieren euch darüber hinaus?
Crom: Tolkien ist für uns sehr wichtig. Seine Welt hat uns schon lange interessiert, und wir sind sicher nicht die erste und auch nicht die letzte Band, die sich von ihm inspirieren lässt.
Unsere Songs handeln allerdings nicht ausschließlich von Tolkien. Wir mögen generell historische und fantastische Themen. Dazu gehören auch die slowakischen Volksmärchen. Dort findet man viele dunkle Geschichten, in denen es um Leid, Tod, Liebe und Schicksal geht.
Auf unserem nächsten Album wollen wir außerdem nordische Mythologie und ein wenig aus der griechischen Mythologie aufgreifen. Wir versuchen also, unterschiedliche Themen miteinander zu verbinden.
Kernkraftritter: Gerade Märchen finde ich spannend. Wenn wir über Märchen und Sagen
sprechen, denkt man hierzulande schnell an die Gebrüder Grimm. Bei osteuropäischen Geschichten begegnet einem dagegen häufiger eine ganz eigene, teilweise ziemlich düstere Welt. Baba Jaga wäre ein Beispiel, das vielen bekannt sein dürfte.
Welche Rolle spielen solche Überlieferungen in eurer Kultur?
Crom: Wir gehören zur slawischen Kultur. Schon vor der Christianisierung gab es viele Volksmärchen, die über Generationen mündlich weitergegeben wurden. Später haben Autoren diese Geschichten gesammelt und in Büchern veröffentlicht.
Viele Themen ähneln sich dabei. Es geht beispielsweise um Menschen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten, die sich lieben, aber nicht zusammen sein dürfen. Ein einfaches Mädchen verliebt sich in einen Mann aus einer höheren Gesellschaftsschicht, doch die Umstände lassen diese Verbindung nicht zu. Der Man muss aber (auf Wunsch/Befehl seiner Familie) ein anderes Weib heiraten, und das Mädchen nimmt sich aus Verzweiflung das Leben.
Solche Geschichten gibt es in unterschiedlichen Varianten. Sie erzählen von Liebe, sozialen Unterschieden und einem Schicksal, dem die Menschen nicht entkommen können.
Kernkraftritter: Das zeigt, wie universell viele dieser Erzählungen eigentlich sind. Die Motive findet man quer durch Europa. Und gerade die dunklen Seiten des Menschseins bieten natürlich reichlich Stoff für Musik.
Die Slowakei hat dafür auch landschaftlich einiges zu bieten: Berge, alte Burgen und jede Menge Ruinen. Ich habe gelesen, dass es bei euch ausgesprochen viele Burgen gibt.
Crom: Bratislava ist für viele Menschen der bekannteste Teil unseres Landes. Dabei gibt es in der Slowakei viele interessante Orte. Wir haben eine große Zahl an Burgruinen, und gemessen an der Einwohnerzahl gehören wir meines Wissens zu den Ländern mit besonders vielen davon.
Man findet wunderschöne Plätze, dunkle Berge und alte Ruinen. Das alles kann sehr inspirierend sein.
Kernkraftritter: Wenn ich an die Slowakei denke, fallen mir neben der Landschaft auch ihre wechselvolle Geschichte und die vielen unterschiedlichen kulturellen Einflüsse ein. Römer, Kelten, Slawen und später weitere Völker haben ihre Spuren hinterlassen.
Und dann gibt es noch Gestalten wie Elisabeth Báthory, die bis heute eine düstere Faszination ausüben. Sie lebte auf dem Gebiet der heutigen Slowakei und ist zu einer bekannten Figur der Horrorgeschichte geworden. Kein Wunder, dass solche Geschichten auch Metalbands inspirieren.
Crom: Ja, der Ort, an dem Elisabeth Báthory gelebt hat, liegt ungefähr 120 Kilometer von Bratislava entfernt. Dort gibt es eine alte Burgruine, die auch heute noch viele Besucher anzieht.
Sie ist eine Figur, die zahlreiche Bands inspiriert hat. Das zeigt, wie stark solche historischen Geschichten in der Musik weiterleben können.
Kernkraftritter: Da könnte man fast sagen: Wenn man düstere Geschichten sucht, ist die Slowakei ein guter Ausgangspunkt für Black Metal!
Musik aus einer anderen Welt
Kernkraftritter: Was mich an eurer Musik reizt, ist diese Verbindung aus Melodie, Atmosphäre und epischen Momenten. Man hört, dass ihr euch von Bands wie Summoning inspirieren lasst, ohne sie einfach kopieren zu wollen.
Wie würdest du euren eigenen Stil beschreiben?
Crom: Wir versuchen, eine bestimmte Atmosphäre zu schaffen. Die Flöte soll beispielsweise nicht unbedingt einen traditionellen Folk-Sound erzeugen, sondern eher ein Gefühl von Altertum und Fantasie vermitteln.
Natürlich gibt es Bands, die stärker auf Folk-Elemente setzen. Wir verfolgen einen etwas anderen Ansatz.
Kernkraftritter: Das hört man. Die Flöte ist bei euch kein bloßer Schmuck, sondern Teil der Atmosphäre. Und die Keyboardmelodien geben den Songs diesen epischen Charakter, ohne dass alles in Bombast untergeht.
Ein Album voller unglücklicher Märchen
Kernkraftritter: Euer letztes Album trägt den Titel Luea. Du hast im Gespräch erklärt, dass der Name aus dem englischen Satz „Live Unhappily Ever After“ abgeleitet ist. Das erinnert natürlich an die klassische Märchenformel „Happily Ever After“ – und dreht sie ins Gegenteil.
Warum habt ihr euch für diese Idee entschieden?
Crom: Der Titel passt zu den slowakischen Volksmärchen, mit denen wir uns auf diesem Album beschäftigen. Diese Geschichten enden nicht immer glücklich. Oft sind sie mit Unglück, Leid und tragischen Schicksalen verbunden. In dem bekannten Satz “Lived Happily Ever After” haben wir das Wort „Happily“ durch „Unhappily“ ersetzt. Das beschreibt ziemlich gut die Richtung, in die wir mit dem Album gehen wollten.
Kernkraftritter: Auch das Cover greift diese Themen auf. Ich mag solche Artworks, bei denen man nicht sofort alles erkennt, sondern immer wieder neue Details entdeckt. Bei eurem Cover gibt es eine ganze Menge zu sehen: Burgen, Berge, fantastische Gestalten und Szenen, die mit den einzelnen Geschichten verbunden sind.
Kannst du uns ein wenig durch das Bild führen?
Crom: Auf dem Cover finden sich tatsächlich Motive aus den einzelnen Songs. Man sieht beispielsweise eine Burg und die Hohe Tatra (unser höchstes Gebirge), über der Hexen fliegen.
An einer Stelle ist eine Frau dargestellt, die von einem Felsen springen möchte, weil sie mit ansehen muss, wie der Mann, den sie liebt, eine andere Frau heiratet. Auch andere Figuren und Gegenstände stehen für bestimmte Geschichten aus dem Album.
Ganz vorne sieht man einen Mann und eine Frau. Es geht wieder um Liebe, aber man erkennt an ihren Gesichtern, dass das Leben für sie nicht einfach ist.
Wir wollten ein Cover gestalten, bei dem man nicht sofort alles entdeckt. Man soll sich ein wenig damit beschäftigen und später noch neue Einzelheiten finden können.
Kernkraftritter: Genau das gefällt mir daran. Das Artwork hat etwas Skizzenhaftes, fast so, als würde man in einem alten Märchenbuch blättern.
Und wenn man sich die Details genauer anschaut, merkt man, wie viel Arbeit darin steckt. Das ist ein Cover, bei dem es sich lohnt, genauer hinzusehen – am besten natürlich in der physischen Ausgabe.
Wie entsteht ein Orkrist-Song?
Kernkraftritter: Eure Musik wirkt sehr durchdacht und abwechslungsreich. Gleichzeitig habt ihr erzählt, dass ihr euch nicht jede Woche vollständig im Proberaum trefft, weil euer Schlagzeuger mehrere Hundert Kilometer entfernt wohnt.
Wie funktioniert das Songwriting unter diesen Bedingungen?
Crom: Bei mir beginnt ein Song normalerweise mit einem Keyboard-Sound. Ich suche nach interessanten Klängen, und daraus entwickelt sich dann eine Melodie.
Viele Bands komponieren gemeinsam und tauschen ihre Ideen aus. Bei uns ist das ein wenig anders. Ich würde sagen, dass wir eine gewisse Autokratie haben 😊– um es politisch auszudrücken.
Die meisten Ideen kommen von mir. Ich entwickle die Songs und programmiere beziehungsweise arrangiere dabei auch Schlagzeug, Flöten, Gesang und manchmal Gitarren oder Bass. Dafür nutze ich das Keyboard und den Computer.
Anschließend gebe ich die ausgearbeiteten Ideen an die anderen Bandmitglieder weiter. Natürlich können sie etwas verändern oder anpassen. Mir ist aber wichtig, dass die ursprüngliche Atmosphäre erhalten bleibt.
Kernkraftritter: Das klingt nach einer Arbeitsweise, die durchaus ihre Vorteile hat, aber auch einiges an Verantwortung bei dir bündelt. Gerade wenn man Gitarrenparts zunächst auf dem Keyboard entwickelt, kann das für die anderen Musiker eine Herausforderung sein.
Crom: Ja, mit den Gitarren gab es schon Schwierigkeiten. Wenn du einen Gitarrenpart auf dem Keyboard komponierst, gehst du nicht unbedingt so vor, wie es ein Gitarrist normalerweise machen würde.
Manchmal ist es auch nicht einfach, einen Part so umzusetzen, dass er auf der Bühne funktioniert. Dann müssen wir gemeinsam überlegen, wie wir ihn anpassen können.
Mit dem Schlagzeug ist es ähnlich. Ich programmiere die Parts zunächst am Computer, aber wir müssen natürlich darauf achten, dass sie sich auch tatsächlich spielen lassen.
Kernkraftritter: Und dann gibt es noch die räumliche Entfernung. Ihr seid hauptsächlich in Bratislava, euer Schlagzeuger lebt weiter im Landesinneren. Da ist es schon praktisch, dass man heute mit dem Computer arbeiten kann.
Crom: Genau. Wir proben regelmäßig, aber nicht immer mit allen Musikern gleichzeitig. Unser Schlagzeuger kommt ungefähr einmal im Monat nach Bratislava. Bis dahin können wir vieles vorbereiten.
Vor 20 Jahren wäre das deutlich schwieriger gewesen. Damals musste man sich mit der ganzen Band im Proberaum treffen. Und die Proberäume waren oft nicht besonders komfortabel.
Man spielte in alten Bunkern oder Garagen. Im Sommer war es dort heißer als draußen, im Winter kälter. Das gehörte zum Underground damals einfach dazu.
Heute haben wir andere Möglichkeiten, und wir nutzen sie.
Musik aus Leidenschaft – nicht unter Zeitdruck
Kernkraftritter: Du hast gerade beschrieben, wie viel Arbeit du in das Songwriting steckst. Gleichzeitig betonst du, dass ihr eine Amateurband seid und die Musik nicht für den Lebensunterhalt macht. Wie passt das zusammen?
Crom: Für mich ist das eine Frage der Freiheit. Wir machen die Musik, weil wir sie lieben und weil wir sie live präsentieren möchten. Wir machen es nicht des Geldes wegen.
Wenn ich damit Geld verdienen müsste, hätte ich wahrscheinlich einen Vertrag mit einem Label und müsste bestimmte Bedingungen erfüllen. Vielleicht müsste ich drei Alben innerhalb von sechs Jahren abliefern.
Aber ich glaube nicht, dass man unter Druck die besten Ideen entwickelt. Entweder man hat eine Idee oder man hat sie nicht. Musik muss aus dem Herzen kommen.
Kernkraftritter: Das ist ein Satz, den ich gut nachvollziehen kann. Natürlich braucht eine Band Disziplin, wenn sie etwas erreichen möchte. Aber wenn am Ende nur noch Termine, Erwartungen und Abgabefristen im Vordergrund stehen, kann das schnell zulasten der Kreativität gehen.
Und du hast dir deine Fähigkeiten an den Instrumenten zum Teil selbst beigebracht?
Crom: Ja. Ich habe mir vieles selbst beigebracht. Ich hatte keinen klassischen Musikunterricht und kann auch nicht behaupten, dass ich alle Instrumente perfekt beherrsche.
Mit der Flöte war es beispielsweise so: Früher hatten wir eine Sängerin, die auch Flöte spielte. Als wir die Sängerin wechselten, fehlte dieses Instrument plötzlich. Ich dachte mir, dass ich versuchen könnte, diese Lücke zu schließen.
Außerdem wollte ich mich bei Konzerten stärker auf den Gesang und die Show konzentrieren. Die Keyboardparts können wir vom Sampler abspielen. So kann ich mich auf der Bühne mehr bewegen und zusätzlich die Flöte spielen.
Kernkraftritter: Das ist eine pragmatische Lösung, und live funktioniert sie offensichtlich. Beim Auftritt konnte man gut sehen, dass du nicht einfach nur hinter deinem Keyboard stehst, sondern auch als Frontmann agierst.
Zwischen Tradition und Moderne
Kernkraftritter: Ihr stammt aus einem Land mit einer starken Volksmusiktradition. Gleichzeitig singt ihr überwiegend auf Englisch. Habt ihr jemals darüber nachgedacht, mehr Songs auf Slowakisch zu schreiben?
Crom: Englisch ist für uns einfacher, wenn wir möchten, dass unsere Musik auch im Ausland verstanden wird. Wir würden uns freuen, wenn Menschen in anderen Ländern unsere Songs hören und etwas damit anfangen können.
Es gibt aber auch Bands, die in ihrer Muttersprache singen. Auf unserem letzten Album gibt es ein Stück, in dem ein Teil auf Slowakisch gesungen wird. Wenn ihr euch das anhören möchtet, bitte sucht nach dem Lied “The One Who Rides The Dragon”.
Kernkraftritter: Das finde ich spannend. Ich mag es, wenn Bands ihre eigene Sprache verwenden. Gerade bei Folk Metal und atmosphärischer Musik kann das einen ganz besonderen Reiz entwickeln.
Natürlich funktioniert das nicht automatisch. Die Texte müssen zur Musik passen, und die Sprache sollte nicht gezwungen wirken. Aber wenn es gelingt, bekommt die Musik eine zusätzliche Identität.
In der Slowakei gibt es ja auch eine lebendige Volksmusiktradition. Wie stark spürt man diese im Alltag und in der Metalszene?
Crom: Die Volksmusik ist bei uns tief verwurzelt. Es gibt traditionelle Tänze, typische Kleidung, Instrumente und Gesangsstile. Das gehört zur Kultur des Landes.
In der Metal-Musik ist dieser Einfluss nicht immer unmittelbar zu hören. Aber es gibt Bands, die solche Elemente aufgreifen und in eine andere musikalische Form übertragen.
Die slowakische Szene ist kleiner als beispielsweise die deutsche, finnische oder schwedische. Trotzdem gibt es unterschiedliche Stile und interessante Bands.
Kernkraftritter: Und gerade diese Mischung macht die Sache doch interessant. Man muss nicht zwangsläufig die größten Festivals bespielen oder den modernsten Sound haben, um etwas Eigenes zu schaffen.
Die Metal-Szene ist schließlich vielseitiger, als man manchmal denkt. Neben den Puristen, die am liebsten möchten, dass alles genauso klingt wie vor 30 oder 40 Jahren, gibt es genügend Leute, die offen für neue Ideen sind.
Crom: Ja, Metal ist inzwischen sehr vielfältig geworden. Es gibt viele Bands, die mit unterschiedlichen Einflüssen experimentieren. Man denke beispielsweise an The Hu aus der Mongolei, die ihre eigene traditionelle Musik mit Metal verbinden.
Solche Experimente finde ich interessant. Es gibt viele Möglichkeiten, Musik zu machen.
Kernkraftritter: Genau. Man muss nicht alles mögen, aber man sollte zumindest bereit sein, sich darauf einzulassen. Sonst entgeht einem womöglich die eine oder andere musikalische Entdeckung.
Ein neues Album ist in Arbeit
Kernkraftritter: Kommen wir zurück zu Orkrist. Wie geht es bei euch weiter? Arbeitet ihr bereits an neuem Material?
Crom: Ja, wir arbeiten an einem neuen Album. Zum Zeitpunkt des Gesprächs wurden die Songs gerade gemischt. Ein Freund aus einer lokalen Band kümmert sich um das Mastering.
Es gibt sechs oder sieben neue Stücke, und unser Ziel ist es, das Album bis zum Ende des Jahres zu veröffentlichen.
Musikalisch bleibt es typisch Orkrist: Melodien, Atmosphäre und keine extremen Experimente. Wir sind in gewisser Weise in den Neunzigern geblieben, weil wir diese Zeit mögen. Damals gab es eine besondere Kombination aus hartem Metal und atmosphärischen Elementen.
Diesen Weg wollen wir weitergehen.
Kernkraftritter: Das finde ich grundsätzlich sympathisch. Nicht jede Band muss sich ständig neu erfinden, nur weil sich Trends verändern. Wenn ein eigener Stil funktioniert und man selbst hinter der Musik steht, gibt es keinen Grund, ihm um jeden Preis davonlaufen zu wollen.
Natürlich gibt es Leute, die immer etwas Neues erwarten. Andere freuen sich gerade darüber, dass eine Band ihrer Linie treu bleibt.
Crom: Genau. Manchmal ist es ein Vorteil, dass wir unseren Stil beibehalten. Andere erwarten vielleicht einen moderneren Sound. Aber es gibt auch Menschen, die sich freuen, dass wir weiterhin unsere Musik machen und unserem eigenen Weg folgen.
Zwischen Bratislava und der großen Metalwelt
Kernkraftritter: Ihr seid hauptsächlich in der Slowakei unterwegs, habt aber inzwischen auch erste Erfahrungen im Ausland gesammelt. Im August habt ihr beim Helmfest in Deutschland gespielt. Wie war das für euch?
Crom: Das war unser erster Auftritt in Deutschland. Wir würden uns natürlich freuen, wenn es nicht der letzte gewesen wäre.
Im Jahr davor hatten wir erstmals in Rumänien gespielt. Von Zeit zu Zeit ergeben sich solche Möglichkeiten, und das freut uns sehr.
Es ist allerdings nicht einfach, als Band aus Osteuropa international bekannter zu werden, wenn man kein großes Label und keine starke Promotion hinter sich hat. Wir schreiben Festivals an und fragen, ob wir spielen können. Manchmal bekommen wir gar keine Antwort. Manchmal heißt es, dass es schon Hunderte Bands gibt, die ähnlich klingen und ebenfalls spielen möchten.
Aber wenn etwas nicht klappt, mache ich mir deswegen keine großen Sorgen. Wir versuchen es weiter und freuen uns über die Möglichkeiten, die sich ergeben.
Für mich ist es vor allem schön, neue Menschen kennenzulernen, die unsere Musik vorher nicht kannten und sie dann mögen.
Kernkraftritter: Das ist vermutlich auch einer der schönsten Aspekte am Live-Spielen. Man steht vor Leuten, die noch nie etwas von der Band gehört haben, und bekommt die Chance, sie mit der eigenen Musik zu erreichen.
So entstehen neue Kontakte, neue Hörer und manchmal vielleicht auch Freundschaften. Und wenn man dabei noch Spaß an der Sache hat, ist schon einiges gewonnen.
Crom: Ja, genau. Wir freuen uns über solche Begegnungen und hoffen natürlich, dass wir in Zukunft wieder in Deutschland spielen können.
Kernkraftritter: Dann drücken wir euch dafür die Daumen. Vielleicht ergibt sich ja bald wieder eine Gelegenheit, euch hierzulande live zu erleben.
Zum Schluss
Kernkraftritter: Crom, vielen Dank für das Gespräch und dafür, dass du uns einen Einblick in die Welt von Orkrist gegeben hast. Es war interessant, mehr über eure musikalischen Einflüsse, die slowakischen Märchen und eure Arbeitsweise zu erfahren.
Ich wünsche euch viel Erfolg mit dem neuen Album und hoffe, dass wir euch bald wieder auf einer deutschen Bühne erleben können.
Crom: Vielen Dank für das Gespräch und an alle, die uns zugehört haben. Wenn ihr etwas Interessantes an unserer Musik findet und uns eines Tages in Deutschland live seht, kommt vorbei. Wir würden uns freuen!
Mein Fazit: Orkrist sind eine Band für alle, die sich gerne in atmosphärische Klangwelten entführen lassen. Wer mit Summoning etwas anfangen kann, sich für Tolkien begeistert oder düsteren Märchen und epischen Melodien etwas abgewinnen kann, sollte den Slowaken eine Chance geben.
Text und Foto: S.R.












