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Maschinen am Limit: Heldmaschine im Musikzentrum Hannover

Es gibt Abende, da weißt du schon beim Parken, dass dein Nacken morgen einen eigenen Anwalt braucht. Heute ist so ein Abend. Die Heldmaschine macht im Musikzentrum Hannover Halt, und was soll ich sagen? Wer NDH (Neue Deutsche Härte) liebt, kommt an diesem Sonntagabend nicht umhin, kollektiv zu eskalieren.

Dass die Hütte an einem Sonntagabend nahezu ausverkauft ist, spricht Bände für die Fanbase hier in der Region. Die Schlange vor dem Einlass ist lang, die Vorfreude riesig.

Der Vibe & Johanna Krins 

Das Musikzentrum ist die perfekte Schmiede für diesen Sound: Dreckig, intim, echt. Den Abend eröffnen Johanna Krins, eine Newcomer-Band, die sich erst im September 2025 gegründet hat. Der Kontrast ist genial: Die Instrumente liefern den typisch harten NDH-Style, aber Johannas Stimme ist extrem clean und präzise. Mein absoluter Favorit: „Dichtertod“. Ein Song, der unter die Haut geht, weil er thematisiert, wie die gesamte Musikszene während der Corona-Zeit von jetzt auf gleich in der Bedeutungslosigkeit versank. Ein starker Auftakt!

21:00 Uhr: Die Maschine läuft an

Pünktlich um 21:00 Uhr übernehmen René Anlauff und seine Männer das Kommando. Es ist der große Tourabschluss der „Eiszeit 2026“, und man merkt der Band an, dass sie heute alles geben will. Zwei Stunden lang – bis 23:00 Uhr – ziehen sie gnadenlos durch. Die Stimmung in der vollen Halle ist von der ersten Sekunde an hochelektrisch.

Die Highlights der Show

Die Setlist ist ein Traum für jeden Fan. Klassiker wie „Schlag mich“, „Gottverdammter Mensch“ und „Ich bin ein Star“ peitschen durch das Musikzentrum. Bei „Webterrorist“ geht dann so richtig die Post ab – das Publikum eskaliert im Kollektiv.

Und dann kommen diese Momente, die eine Heldmaschine-Show so einzigartig machen:

  • „Monoton“: Die komplette Band steht plötzlich hinter einem XXL-Keyboard. Alle tragen weiße Shirts, weiße Masken und LED-Sonnenbrillen. Das Ganze ist extrem elektro-lastig und sieht einfach nur verdammt cool aus.
  • „Radioaktiv“: René betritt die Bühne im passenden Outfit – ein Schutzanzug-Look mit zwei Scheinwerfern um den Kopf, als käme er gerade aus einem verseuchten Sperrgebiet. Die ganze Halle singt jede Zeile mit, Gänsehaut pur!

Ein Moment für die Ewigkeit

Gegen Ende wird es persönlich. René steht mit seinem Bruder Marco auf der Bühne. Marco spielt seine Akustikgitarre – ein besonderes Instrument, denn René verrät uns: Niemand sonst darf diese Gitarre spielen, nur sein Bruder. Dann erzählt er lachend, wie sie früher als Kinder gemeinsam auf dem Bett im Kinderzimmer saßen und sich gegenseitig in den Schlaf gesungen haben. Eine herrlich lustige Vorstellung bei diesen gestandenen Männern!

Hannover will das Wohnzimmerkonzert

Ganz zum Schluss wird es nochmal laut – im wahrsten Sinne des Wortes. Die obligatorische Lautstärkemessung steht an. Wenn wir Hannoveraner am Jahresende im Vergleich zu allen anderen Tour-Städten am lautesten waren, darf sich jemand aus unserer Stadt für ein Wohnzimmerkonzert bewerben. Wir haben geschrien, was das Zeug hält!

Fazit: Ein würdiges Finale

Wer nach diesem Abriss noch eine funktionierende Stimme oder trockene T-Shirts hat, hat etwas falsch gemacht. Drei Stunden vollgepacktes Programm und eine Band, die ihre Fans wirklich liebt. Was heute besonders herausstach: Der Sound im Musikzentrum war richtig gut abgemischt. Jedes Riff saß perfekt und die Bässe drückten massiv in die Magengrube. Der FOH  hat geliefert, die Heldmaschine hat abgeliefert.

Danke für diesen unvergesslichen Abend! Wir sehen uns in der ersten Reihe auf einem eurer nächsten Konzerte.

Schall und Laut bedankt sich bei Hannover Concerts für die Akkreditierung und den freundlichen Empfang.

 

Text: HJ

Fotos: SR

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