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Konzert Review ABSU ANCIENT TRIVAX Oldenburg 13.12.2025

Die Disco Amadeus in der Oldenburger Fußgängerzone war am 13.12.2025 Austragungsort des vorletzten Konzerts der „30th Anniversary – The Sun of Tiphareth“-Tour und damit Treffpunkt für Anhänger metallischer und extremer Klangkunst.

Den Auftakt des Abends machten TRIVAX, die ebenso pünktlich wie unvermittelt die Bühne betraten. Die ersten beiden Songs wurden vollständig ohne Beleuchtung gespielt – ein Umstand, der die Band jedoch keineswegs aus dem Konzept brachte. Das mittlerweile äußerst routinierte Trio ließ sich weder von der anfänglichen Dunkelheit noch von der spärlichen Kulisse irritieren: Zu Beginn hatten sich lediglich rund 30 Besucher im Amadeus eingefunden. Bis zum Ende des Sets wuchs die Zahl immerhin auf etwa 50 an. Dies lag vermutlich an nicht ganz eindeutigen online-Informationen, da zum Veranstaltungsort als auch Konzertbeginn unterschiedliche Angaben kursierten.

Musikalisch lag der Fokus erwartungsgemäß auf dem starken letzten Album „The Great Satan“.

Vor allem Frontmann Shayan verstand es mit seiner unbändigen Energie und Präsenz, die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zu ziehen und den Abend trotz der überschaubaren Anzahl an Zuschauern eindrucksvoll zu eröffnen. Was bei TRIVAX immer wieder ins Interesse rückt, sind ihre iranische/syrische Herkunft und die islamkritischen Lyrics. Wer sich in diesem Zusammenhang mit der Band näher beschäftigen will, dem seien die Folgen Nr. 56 und 111 des Iblis-Manifestations yt-Channel/Podcast von Shayan wärmstens empfohlen.

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In der rund halbstündigen Umbaupause fanden weitere Metaller den Weg in den Club, sodass sich der Konzertraum zum Auftritt von ANCIENT bereits weiter gefüllt präsentierte.

Mit den seit 1992 aktiven Norwegern stand nun ein echtes Black-Metal-Urgestein auf der Bühne. Trotz einer vergleichsweise überschaubaren Diskografie von sieben Alben – das letzte erschien 2016 – genießen ihre Veröffentlichungen Kultstatus innerhalb der Szene. Live verzichtete man auf den Einsatz eines aktiven Keyboards, wodurch der Sound deutlich rauer und direkter wirkte als auf den oftmals ausgefeilten Studioaufnahmen, wie etwa bei „Lilith’s Embrace“. Zel, Gründungsmitglied, Sänger, Gitarrist und optischer Mittelpunkt der Band, hat über die Jahre nichts von seiner Ausstrahlung eingebüßt. Seine Stimme besitzt noch immer jene dunkle Magie, die das Publikum mühelos in ihren Bann zieht.

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Der eigentliche Höhepunkt des Abends folgte schließlich mit dem Auftritt des Headliners ABSU, deren 30jähriges Jubiläum ihres zweiten Albums „The Sun of Tiphareth“ den Anlass für diese Tour darstellte. Auch ABSU spielen an diesem Abend ohne Nebel und nur mit spärlicher Beleuchtung, obwohl gerade im Black Metal eine Präsentation der lyrischen Inhalte nicht nur mittels Corpsepaint, Bühnen-Outfit sowie Theatralik gestalten wird. Zu einem authentischen Black-Metal-Konzert gehört auch das Erlebnis einer mystischen Atmosphäre durch eine passende optische Inszenierung mit Licht und Nebel.

Bandleader und Kultfigur Proscriptor verzichtete live auf seine Rolle hinter dem Schlagzeug und übergab die Drumsticks an den Griechen Lord Vorskaath, um sich vollständig auf den Gesang zu fokussieren. Diese Entscheidung zahlte sich aus: Mit einer intensiven, fast beschwörenden Performance rückte Proscriptor ins Zentrum des Geschehens. Unterstützt von seinem markanten Outfit und dem auffälligen, mit okkulten Symbolen verzierten Mikrofonhalter dominierte er die Bühne. Bei ABSU wurde die selbst gesetzte Doktrin des „mythological occult black metal“ kompromisslos gelebt. Okkultismus war hier kein bloßes Stilmittel, sondern gelebter Inhalt: Crowley-Referenzen und thelemische Symbolik trafen offen auf Elemente der jüdischen Kabbalah, ergänzt durch die tief verankerte Beschäftigung mit altbabylonischer Mythologie. Diese konsequente Vermischung spiritueller Strömungen jenseits bloßer Provokation gehörte von Anfang an zur DNA der Band und machte ABSU früh zu festen Vertretern des okkulten Black Metal.

Erwartungsgemäß bestand das Programm zu rund 90 Prozent aus Material von „The Sun of Tiphareth“, das ABSU durchweg mit musikalischer Präzision, spürbarer Hingabe und überzeugender Authentizität zelebrierten. Wir würden uns freuen ABSU nochmal in 2026 auf einem Szene-Festival sehen zu können, aber danach sieht es zur Zeit nicht aus.

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Fazit

Trotz verspäteten Besucheraufkommens zu Beginn entwickelte sich im Amadeus ein intensiver Abend, der vor allem durch musikalische Hingabe und Klasse überzeugte. Gleichzeitig offenbarte der Abend verschenktes Potenzial. Vor allem das mangelhafte Beleuchtung erwies sich als durchgängiges Ärgernis: Das Anstrahlen des Publikums bei gleichzeitiger Verdunkelung der Bühne nahm der Performance einen Teil ihrer visuellen Wirkung und erschwerte sowohl die Wahrnehmung der Musiker als auch das Aufkommen einer angemessenen Atmosphäre. Musikalisch hingegen ließen die Bands keinerlei Zweifel an ihrer Klasse aufkommen. Insbesondere ABSU lieferten mit dem nahezu vollständig gespielten „The Sun of Tiphareth“-Material eine würdige und leidenschaftliche Jubiläumsperformance ab, die dem Status des Albums als Meilenstein der Black-Metal-Historie gerecht wurde

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