kernkraftritter.de

Subway To Sally – Eisheilige Nacht 2025 – Räuber und Narren im Millennium Event Center Braunschweig

Subway To Sally – Eisheilige Nacht 2025 – Räuber und Narren im Millennium Event Center Braunschweig

Punkt 18:00 Uhr ist Einlass im Millennium Event Center in Braunschweig. Bereits zu diesem frühen Zeitpunkt zieht sich eine L-förmige Schlange über den gesamten Parkplatz. Jacken, Kutten und Gewandungen mischen sich, das Bild lässt auf ein enormes Interesse schließen. Bis ca. 19:00 Uhr füllt sich die Halle zusehends, die Stimmung ist aufgeladen und voller Vorfreude. An dieser Eisheiligen Nacht am 26. Dezember 2025 liegt ein spürbares Knistern in der Luft.

Haggefugg – Dudelsackpunk aus der Hölle

Haggefugg aus Köln eröffnen den Abend mit einer Mischung, die sie selbst irgendwo zwischen Mittelalterrock und Dudelsackpunk verorten. Der Bandname stammt aus der Kreuzfahrerzeit und bedeutet sinngemäß „kampfuntauglich“ – musikalisch wirkt hier allerdings nichts harmlos. Dudelsäcke und Schalmeien treiben die Songs nach vorne, Riffs und treibende Rhythmen sorgen für Druck.

Textlich bewegen sich Haggefugg zwischen Gassenromantik und Märchenmotiven. Zeilen wie „In den Gassen dieser Stadt, wird meine Seele satt“ treffen auf augenzwinkernde Anspielungen und rohe Energie. Mit „Hexenkessel“ erreichen sie einen ersten Höhepunkt des Abends. Der Song funktioniert live hervorragend, die Halle verwandelt sich tatsächlich in einen brodelnden Kessel. 

Haggefugg machen von Beginn an klar: Hier geht es um Spaß, Bewegung und ausgelassene Stimmung – ein idealer Start in den Abend.

Kupfergold – Kölsche Lebensfreude mit fiesem Ohrwurmcharakter

Kupfergold bringen anschließend eine ganz eigene Farbe auf die Bühne. Der Bandname leitet sich von den Haarfarben der Gründungsmitglieder Bonnie Banks und Eric Rhymes ab, die bereits seit 2010 unter diesem Namen auftreten. Bonnie Banks steht als Frontfrau im Mittelpunkt, spielt souverän mit Blicken, Gesten und viel Humor und versteht es, die Halle schnell auf ihre Seite zu ziehen.

Kupfergold bewegen sich zwischen mittelalterlichen Klängen, kölschem Flair und Rock, gewürzt mit einer Prise Pop. Die Songs gehen leicht ins Ohr, ohne beliebig zu wirken. Textlich sitzen viele Wortspiele, und so mancher Refrain bleibt sofort hängen. Besonders „Der Klügere kippt nach“ funktioniert live hervorragend und wird von der Masse dankbar angenommen.

Der Gitarrist erklärt augenzwinkernd, warum Kupfergold eine „harte Band“ sei – schließlich bestehe man aus Kupfer und Gold, also doppelt Metal. Hier lugt immer wieder der kölsche Jeck um die Ecke. Wer genauer hinhört, merkt schnell: Hart sind hier vor allem die Texte. Und’n Tripper“ entfaltet seine Wirkung besonders bei den treuen Fans, die auch dann mitsingen, wenn der kölsche Dialekt nicht von allen im Saal verstanden wird. 

Bei „Koboldkeilerei“ wird ein Kobold in bester Stagediving-Manier durch die Halle gereicht und revanchiert sich mit dem Verteilen von Inhalten aus seinem heißen Kessel – ob Süßigkeiten oder harte Nüsse, bleibt offen. Die ausgelassene Stimmung trägt sich weiter durch den Auftritt und erreicht spätestens bei „Es ist Obst im Haus“ ihren nächsten Höhepunkt, wenn die Menge begeistert mitfeiert. 

Was bleibt, sind verdammt fiese Ohrwürmer, eine starke Bühnenpräsenz und eine selbstironische Haltung zur eigenen Musik, die Kupfergold treffend als Asi Folk mit Glam beschreiben.

Schandmaul – Gemeinschaft, Energie und ein emotionaler Kern

Gegen 20:50 Uhr liegt spürbare Spannung in der Halle. Zunächst betreten Geigerin und Flötistin die Bühne und stimmen gemeinsam mit der Snare des Drummers das Publikum ein. Dann folgt der Rest der Band, angeführt vom neuen Frontmann Till Herence. Bereits mit dem Opener „Königsgarde“ ist klar, dass Schandmaul an diesem Abend keine Anlaufzeit benötigen.

Nach dem Opener tritt Thomas Lindner ans Mikrofon und spricht offen über seine Situation. Aus gesundheitlichen Gründen übernimmt er den Gesang nicht mehr, bleibt Schandmaul jedoch an Gitarre und Keyboard eng verbunden. Mit warmen Worten begrüßt er seinen Nachfolger Till Herence – ein Moment, der den Zusammenhalt innerhalb der Schandmaul-Familie spürbar macht. Diese Nähe überträgt sich unmittelbar auf den weiteren Verlauf des Sets: Bei „An der Tafelrunde“ schallt zur Zeile „Legenden sind erwacht“ ein lautes „Ohhoho“ durch die Halle, die Stimmung ist ausgelassen, und man merkt, wie sehr das Publikum seine Schandmäuler feiert.

Tatzelwurm“ nutzt die Band für einen augenzwinkernden Moment, in dem das Publikum selbst Teil der Show wird. Zwei Fans surfen auf aufblasbaren Krokodilen (Tatzelwürmern) von der Stage bis zum FOH und wieder zurück. Der Lohn ist ein Bier auf der Bühne – am Ende gewinnen beide Teilnehmer. 

Mit „Bunt und nicht Braun“ folgen überdimensionale, bunte Bälle, die durchs Publikum fliegen. Die Botschaft des Songs ist klar und wird sichtbar getragen.

Der emotionalste Moment des Sets gehört „Dein Anblick“.  Handys und Feuerzeuge leuchten, während die gesamte Halle minutenlang mitsingt: „Die Sonne, die Sterne tragen Kunde von dir …“.

Für die letzten Songs zieht Schandmaul noch einmal kräftig an, eine „Wall of Love (Death)“ lässt die Körper aneinanderprallen. Mit „Walpurgisnacht“ verabschieden sich die Bayern furios. Vieles deutet darauf hin, dass zahlreiche Besucher an diesem Abend vor allem wegen Schandmaul gekommen sind – ein Co-Headliner, der für mächtig Alarm sorgt.

Subway to Sally – Subway to Sally – Ritual, Feuer und Verbundenheit

Kurz nach 22:00 Uhr beginnt mit „Introitis“ das Finale des Abends. Zu der Textzeile „Gebt uns ein Streichholz, der Himmel wird entflammt“ liegt etwas zwischen gespannter Vorfreude und knisternder Erwartung in der Luft.

Und dann wird es verdammt heiß. Eine Mischung aus Flammen, Funken, Nebel und einer Geigerin, deren lange blonde Haare es bis in die Kniekehlen schaffen, bestimmen das Bild.

„Phönix“ setzt den Startschuss, und die Halle rastet augenblicklich aus. Nahezu 3.000 Menschen feiern ihre Sallys, getragen von einer Energie, die mit „Wunder“ und „Leinen los“ weiter an Fahrt aufnimmt.

Was folgt, ist genau das, was man erwartet: eine kraftvolle Mischung aus Mittelalter-Rock, Metal und Irish Folk, getragen von markanten Dudelsack-Melodien, treibenden Rhythmen, epischen Gitarrenriffs und der unverwechselbaren Stimme von Eric Fish.

Bei „Auf dem Hügel“ entsteht eine dieser Szenen, die hängen bleiben. Eric fordert das Publikum auf, „die Schultern auf die Hände der Nachbarn zu packen“ – ihr wisst schon, was gemeint ist. Der kleine Versprecher wird charmant umschifft und sorgt ganz nebenbei für Verbundenheit. Der Song bringt die Menschen näher zusammen und lässt für ein paar Minuten alles andere in den Hintergrund treten.

Anschließend wird es Zeit, sich ein bisschen nackig zu machen. Nicht im wörtlichen Sinne, nicht die Kleidung – sondern musikalisch. Im Frühjahr starten die Potsdamer ihre Akustik-Tour „Nackt III“, und spätestens hier haben sie mich. Ich bin begeistert davon, sich auf diese Art und Weise musikalisch nackig zu machen.

„Sag dem Teufel“, „Ohne Liebe“ und „Tanz auf dem Vulkan“ geben mir – und dem Rest der Halle – genau dieses wunderbare Gefühl von analoger Musik. Cajón, akustische Gitarre, Geigen und diese markante Stimme holen mich komplett ab. Für einen Moment vergesse ich, dass wir uns in einer hochmodernen Halle mit sehr vielen Menschen befinden. Es fühlt sich intim an, ehrlich, nah.

Gerade aus dieser Nähe heraus wirkt der folgende Bruch umso stärker. Auf die drei Unplugged-Songs folgt ein Metal-Set, und mit „Henkersbraut“, „Knochenschiff“ und „Falscher Heiland“ kommt die andere Seite in mir voll auf ihre Kosten. Diese Abwechslung, dieses bewusste Spiel mit Gegensätzen – genau diese Abwechslung macht für mich den Reiz von Subway to Sally an diesem Abend aus.

„Post Mortem“, der Titeltrack des im Dezember 2024 erschienenen Albums, holt sich schließlich den Backgroundgesang direkt aus der Crowd. „Post“ von der Bühne, „Mortem“ aus dem Publikum – ein Call-and-Response, der wie gemacht ist für den Live-Moment und auch hier perfekt funktioniert.

Nun steuern Subway to Sally mit den Klassikern „Eisblumen“ und „Räuber und Narren“ auf das Finale zu. Alle vier Bands betreten noch einmal gemeinsam die Bühne und geben bei „Veitstanz“ ihr Bestes – ein ausgelassener, würdiger Abschluss dieser Veranstaltung.

Fazit

Mit „Julia und die Räuber“ endet gegen Viertel vor zwölf ein rundum gelungener Konzertabend. Vier deutsche Bands, starke Mittelalter-Vibes, ein perfekt abgestimmtes Line-up und ein durchweg guter Sound machen diese Eisheilige Nacht zu einem besonderen Jahresabschluss – und zeigen ganz nebenbei, dass man Weihnachten auch einmal anders feiern kann.

Wir bedanken uns bei den Veranstaltern für die Akkreditierung und wären im kommenden Jahr nur allzu gern wieder dabei.

Text H.J.

Foto S.R.

Like this Article? Share it!

About The Author

Leave A Response