
Frage: „Where Suffering Remains“ wirkt sowohl musikalisch als auch visuell extrem intensiv. Welche
persönliche oder gesellschaftliche Inspiration steckt hinter diesem neuen Albumtitel?
Rolf: Tatsächlich spiegeln sich einige persönliche aber hauptsächlich gesellschaftliche
Kriterien im Titel. Natürlich muss man das aber global und im Großen und Ganzen
betrachten, was insbesondere die gesellschaftlichen Inspirationen angeht.
Grob gesagt: es gelingt der Menschheit leider einfach trotz aller Erkenntnis und Einsicht
nicht, die „Leiden“ der Welt in den Griff zu bekommen. Ist ein Konflikt irgendwo beendet oder
am abklingen, entfachen auf der gegenüberliegenden Seite der Erde drei neue. Von Hunger,
Armut, Ungerechtigkeiten, Ausbeutung (sowohl der Natur als auch des Menschen) und
gesellschaftlicher Spaltung etc. ganz zu schweigen. Das ist unserer Meinung nach alles ein
kontinuierlicher Prozess, der nur schwer zu durchbrechen ist, stark ineinander verwoben ist
und sich in den letzten Jahren eher potenziert als bessert. Somit „bleibt das Leiden“…Where
Suffering Remains !
Frage: Ihr habt erneut im Soundlodge Studio bei Jörg Uken aufgenommen. Was macht seine Arbeit und
seine Handschrift für euren Sound unverzichtbar?
Tim: Jörg ist erstmal ein bodenständiger, ehrlicher und guter Mensch. Dazu ist er hoch
erfahren und hat ein gutes Gespür auf die Bands einzugehen. Vor allem ich als Drummer
fühle mich sehr wohl bei Ihm, seine Produktion ist jedesmal druckvoll und auf den Punkt und
trotz modernen Sounds nicht zu klinisch, so dass ich sagen würde das er einen großen
Einfluss hatte unseren Sound mit definiert zu haben. Und da wo man sich wohlfühlt und
zufrieden ist , geht man auch gerne wieder hin.
Frage:Welche Entwicklung seht ihr zwischen dem ersten und zweiten Album?
Naushad: Wir haben fürs zweite Album mehr Zeit und Energie in unser songwriting stecken
können und dabei auch unsere verschiedenen musikalischen Einflüsse noch besser
ineinander verwoben. Unser erstes Album beinhaltete Songs aus einer Zeitspanne von knapp
vier Jahren. Das neue Album haben wir viel schneller geschmiedet, auch weil ich ein paar
Song-Ideen schon vorbereitet hatte. Und wir sind inzwischen noch besser aufeinander
abgestimmt und behalten dabei immer im Blick, dass die Songs auch live zünden. Ich denke,
dass sich dadurch das neue Album mehr wie aus einem Guss anhört.
Frage: Euer Coverartwork zeigt ein apokalyptisches, chaotisches Szenario. Wie viel Einfluss hattet ihr auf
das Artwork – und welche Botschaft oder Stimmung sollte unbedingt transportiert werden?
Rolf: Wir haben Thomas Westphal von Necromaniac Artworks eigentlich nur unsere Songs
und Texte zur Verfügung gestellt und ihm künstlerisch absolut freie Hand gelassen und somit
keinen Einfluss darauf genommen. Wir haben das Artwork auch erst zu Gesicht bekommen,
als er es für sich als „fertig“ betrachtete und waren alle sofort absolut begeistert ! Er hat es
unserer Meinung nach geschafft, die unterschiedlichen Facetten und Inhalte unserer Songs
und Lyrics in ein wunderbar destruktives und, wie Du es schon richtig benannt hast,
apokalyptisches Gesamtkunstwerk zu verwandeln.
Frage: Seit den Anfängen 2016 gab es Line-Up-Wechsel, Pandemie-Pausen und neue kreative Impulse.
Was hat Fear Connection über die Jahre am stärksten verändert?
Tim: Wir hatten bis auf unseren ersten Basser Christian, der im Dezember 2019 für sich
entschloss FC zu verlassen und dann durch Sipo im Januar 2020 ersetzt wurde, keine
weiteren Line- Up Wechsel. Die Pandemie hat sicherlich hier einen gro0en Einfluss gehabt,
da ich selbst auch Mediziner bin und eine neue Angst die Medien dominierte und Social
media völlig austickte. Kreative Impulse kommen sicherlich musikalisch immer von auch
anderen neuen interessanten Bands, aber auch absolut global politische Themen die seit den
20igern des neuen Jahrtausends auf uns einwirken, wie z,B, der Ukrainekrieg, der
Rechtspopulismus und Trump. Die Themen, die wir lyrisch seit 2016 ansprechen, haben sich
sogar intensiviert und verschlimmert und geben uns einen weiteren großen Input hier weiter
kreativ zu bleiben.
Frage: Die Mischung aus Death Metal, Thrash, Punk und Black Metal ist euer Markenzeichen. Welche
Band oder welches Genre hat euren Sound zuletzt besonders beeinflusst – vielleicht auch
unerwartet?
Tim: Die ist eine interessante Frage ….jedes Bandmitglied hat da irgendwie ihre eigenen
Favorites. Unsere Bassist Sipo steht zum Beispiel total auf die rohen, rauen deutschen
Thrash Metal Produktionen und Bands der 80iger Jahre, wo hingegen unser Gitarrist
Naushad eher die technisch anspruchvolleren Bands aus den USA bevorzugt. Dies ist bei
den Death Metal- Geschmäckern dann ähnlich. Rolf und ich hingegen sind die mehr
Verantwortlichen, die absolute alte Punk- und Hardcore Fans sind. Dies fängt von den
Kultbands von GBH und Discharge an und reicht bis in die Crustcore- und Grindcoreszene
von Napalm Death , Bolt Thrower, Extreme Noise Terror, Carcass usw.. Ursprünglich wollten
wir einfach nur Terrorizer Songs covern, was wir auch zuerst umsetzten. Dies änderte sich
aber mit der Zeit, wie wir alle wissen… ;). Neuere Einflüsse sind definitiv viele melodisch
klingende Neue- Black Metal Bands wie z. B. Dödsrit oder Mgla. Aber auch meloderische
Crustbands wie Tragedy, Agnosy oder auch Wolfbrigade. So entsteht später einfach unser
Sound, würde ich definieren.
Frage: Mit der „Where Evil Prevails“-EP habt ihr alte und neue Songs zusammengeführt und diese erstmals
auf Vinyl veröffentlicht. Wie wichtig ist euch das Medium Vinyl im Jahr 2025 – und wie reagiert eure
Fanbase darauf?
Tim: Wir hatten die im Jahr 2024 zuvor erschienende „Where evil prevails“- EP nur auf Vinyl
veröffentlicht, da wir fanden oder auch finden, dass dieser Art von Musik mit dem Cover und
dem Layout am besten zur Geltung kommt. Unsere erste EP von 2018 „ Raging Terror“ war
aber auch noch nie auf Vinyl veröffentlicht worden, so dass uns die Idee kam diese als
Double EP auf Vinyl mit der „Where evil prevails“ zu veröffentlichen. Die CD sehen wir aber
weiterhin immer noch als wichtig an und es gab auch letztes Jahr viele Nachrufe, diese bitte
doch auf CD rauszubringen. So ist sie jetzt als Bonus auf dem neuem Album „Where
Suffering Remains“ erhältlich. Wir sehen insgesamt Vinyl und CD beides als sehr wichtig.
Frage: Ihr seid 2022–2025 wieder viel live unterwegs gewesen und habt u.a. mit Tankard, Cytotoxin und
Disbelief gespielt. Gab es ein bestimmtes Konzert oder Festival, das für euch wie ein Wendepunkt
oder Highlight war?
Tim: Sicherlich war es ein Highlight für uns im Mai 2023 mit Tankard und Rumble Militia in der
Kesselhalle des Schlachthofs in Bremen zu spielen. Es waren gut 500 Anwesende da und der
Laden war schon zu Beginn als wir als Opener starteten gut voll. Nach den Reaktionen des
Publikums kamen wir gut an und auch wir haben da nie wieder so viel Merch verkauft. Davon
abgesehen sind Tankard bodenständige Menschen, die null Arroganz und Star- Allüren
präsentieren.
Frage: Eure Songs wirken oft wie Momentaufnahmen aus einem zerfallenden System – roh, wütend und
sehr direkt. Entstehen eure Texte eher spontan aus Emotionen heraus, oder geht ihr konzeptionell
an gesellschaftliche Themen heran, bevor ihr sie musikalisch zerlegt?
Rolf: Nein, ein bestimmtes Konzept verfolgen wir eigentlich nicht bei den Lyrics. Es ist eher
ein Verarbeiten oder Reflektieren von persönlichen Schicksalsschlägen / Erfahrungen und
dem alltäglichen Wahnsinn, der uns alle umgibt.
Frage: Bei einem zweiten Album wird oft erwartet, dass man den eigenen Sound definiert. Würdet ihr
sagen, Fear Connection haben „ihren Stil“ jetzt gefunden, oder seid ihr weiterhin eine Band im
Wandel?
Tim: Den Stil gefunden, ist schwierig zu bejahen. Im Gegensatz zur ersten EP und unserer
ersten LP, haben wir jetzt noch mehr Black Metal- Soundeinflüsse einfließen lassen. Das es
vielleicht eine Art Crossover vieler extremen Metalrichtungen und Punksounds ist, ist
vielleicht jetzt unsere Richtung. Wir werden vielleicht nicht im Wandel sein, aber definitiv uns
auch weiterentwickeln.
Frage: Das neue Album erscheint über Neckbreaker Records. Was hat euch an der Zusammenarbeit
überzeugt – und wie wichtig ist euch ein Label, das Metal wirklich lebt?
Tim: Wir haben Martin Quast von Neckbreaker Records vor gut 2 Jahren mehr kennengelernt
und Martin ist einer, der viel auch außerhalb seiner Heimatstadt auf Underground Festivals
und Konzerte fährt und wie du schon sagst, den Metal lebt. Da kamen wir mit Ihm mehr ins
Gespräch und Martin ist ein sehr engagierter Mensch. Die Kommunikation läuft super,
schnell und zuverlässig und sein Plattendeal, den er uns anbot, war super. Dies waren für
uns die Kriterien mit Ihm zusammenarbeiten zu wollen. Wie du schon sagst, gibt es
manchmal Labels, die den Metal nicht wirklich leben.









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