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J.B.O. & Grailknights live im Pavillon Hannover – Konzertbericht

Freitagabend, und nach den tiefen Minusgraden und dem Schnee der letzten Tage fühlt sich dieser Abend bei fast zweistelligen Plusgraden beinahe schon wie Frühling an. Eine milde Luft liegt über der Stadt, die Vorfreude steigt – perfekte Bedingungen für einen geilen Konzertabend.

Es ist schön, mal wieder im Pavillon zu sein. Die Location hat sich über die Jahre sichtbar gemausert. Der Eingangsbereich wirkt offen und einladend, die Halle bietet genau die richtige Mischung aus Nähe und Weite. Sofort ist klar: Hier werde ich gern einen schönen Abend verbringen. An den Merchständen herrscht reger Betrieb, überall sieht man entspannte, gut gelaunte Gesichter. Genau der richtige Rahmen für einen langen Abend.

Grailknights

Dunkles Intro und Ankunft der Helden

Pünktlich um 20:00 Uhr taucht die Bühne in tiefes Blau. Lichtschwerter zeichnen sich im Dunst ab, Rauch liegt in der Luft. Dr. Skull betritt die Bühne, den Heiligen Gral in der einen, das Lichtschwert in der anderen Hand. Aus dem Off wird eine düstere Geschichte erzählt, begleitet von Gelächter und Buhrufen. Der Bösewicht präsentiert seine Beute – doch noch ist die Hoffnung nicht verloren.

Das Publikum wird zum Battlechoir und ruft gemeinsam die Ritter des Lichts herbei. Zu „Holding Out For A Hero“ stürmen die Grailknights unter großem Jubel auf die Bühne. Umhänge in verschiedenen Farben, heroische Posen, geballte Muskeln. Ein kurzer gemeinsamer Blick in die gleiche Richtung, dann geht es los.

Bühnenkontrolle und Publikumsnähe

Von Beginn an haben sie alles im Griff. Die Band nutzt die komplette Bühne, wechselt ständig die Seiten und kommt über die Monitorboxen als Podeste immer wieder nah an das Publikum heran. Sovereign Storm setzt seinen trainierten Körper gekonnt in Szene, während Sir Optimus Prime unermüdlich animiert. Bei „Cthulhu“ singt der Pavillon textsicher mit, bei „Laser Raptor“ schallen die obligatorischen „Hey, hey, hey“-Rufe durch die Halle, begleitet von synchron nach vorne gestreckten Fäusten.

Kultmomente, Humor und Grailrobic

Natürlich dürfen auch die Kultmomente nicht fehlen. Wenn Sir Optimus Prime „Battlechoir!“ ins Mikro ruft und der Pavillon geschlossen mit „Yes, Sire!“ antwortet, fühlt sich das Ganze eher wie ein Heimspiel als wie ein gewöhnliches Konzert an. Der Verweis auf „Grailknights City, Hannover“ verstärkt dieses Gefühl noch. Zwischendurch übernimmt Dr. Skull das Wort und bewirbt die Lichtschwerter am Merchstand. Ob sie nun 9,99 € oder 10,99 € kosten, bleibt herrlich unklar.

Mit „Powerlift“ wird weiter posiert und animiert, inklusive Vocoder-Passagen, bevor die Grailknights nahtlos in ihre Grailrobic übergehen. Arm nach vorne, Pose, ab in die Hocke – zunächst noch überschaubar, dann zunehmend anspruchsvoller. Und natürlich macht der ganze Saal mit.

Finale Schlacht und Gänsehaut

Zum Abschluss kommt es zur epischen Schlacht um den Heiligen Gral, stilecht in Zeitlupe. Der Gral wird zurückerobert, begleitet von Feuerwerk und den Klängen von „We Are the Champions“. Ein echter Gänsehautmoment. Power Metal aus Hannover, der genau weiß, wie man ein Publikum abholt – und perfekt auf das vorbereitet, was gleich folgt.

J.B.O.

Nach einer kurzen Umbaupause, genug Zeit für ein kaltes Getränk, geht es um Punkt 21:00 Uhr weiter. Die Lichter gehen aus. Man hört friedliches Schnarchen, begleitet von einer Spieluhr. Ein Handy vibriert, das Schnarchen verstummt.
„Ja, was’n los?“ – „Vito, wir machen Krach.“
Und genau das passiert.

Fun Metal, Farben und Selbstironie

J.B.O. betreten die Bühne, getaucht in Pink und Rosa. Marshall-Türme, ein aufblasbarer Kassettenrekorder – alles atmet 80er-Jahre. Wer an diesem Abend ernsthaften Metal erwartet, ist hier falsch. J.B.O. machen seit 1989 Fun Metal und setzen konsequent auf Spaß und Selbstironie. Das Publikum weiß das – und feiert es.

„Arschloch und Spaß dabei“ wird aus voller Kehle mitgesungen, besonders die Zeile „Der Ruf, der Ruf, der Ruf ist im Eimer“ sitzt bei allen. Vito begrüßt Hannover, wundert sich, warum die Band noch nie im Pavillon gespielt hat, lobt die Location – und natürlich das Publikum, das sehr, sehr gut aussehe. Mit „Ich will Spaß“ inklusive Bobby-Car wird der Ton endgültig gesetzt.

Liebeslieder, Metal-Momente und Soli

„Im Verkehr“ leitet eine Ansage zum neuen Album ein. Release-Shows mussten wegen eines Norovirus ausfallen, nicht – wie zunächst vermutet – wegen einer Lebensmittelvergiftung. Kurz Klartext, dann Musik. Mit „Bussi“ folgt ein bayerisches Liebeslied, anschließend „Dr. Met“, der Doktor des Heavy Metal.

Vito greift später zur Akustikgitarre und erklärt, dass sie im Grunde nur Liebeslieder spielen. Ein kurzes e-Moll-Vorspiel, dann „Der Hofnarr“. Der Bassist zieht mit pinker Lederjacke, langen grauen Haaren und LED-Brille immer wieder die Blicke auf sich.

Bei „Gänseblümchen“ wird es spürbar härter, die Gitarren tiefer, Rockposen inklusive. Mit der Flying V und „Metal Was My First Love“ erreicht der Abend einen dieser Momente, die hörbar und spürbar unter die Haut gehen.

Danach wird wieder gefeiert. „Mach noch eins auf!“ leitet in den Soloteil über. Der Bass darf slappen, präzise und souverän, bevor Wolfram minutenlang zeigt, wie intensiv ein Drumsolo sein kann.

Akustik, Chaos und Zugaben

Mit Akustikgitarre geht es weiter zu „Ein guter Tag zu sterben“. Vito spielt, das Publikum singt die ersten Zeilen geschlossen mit. Im Anschluss erzählt die Band die Geschichte hinter einer Textzeile des Songs. Ursprünglich wurde darin Patrizier Bier besungen – ein Name, der später aus rechtlichen Gründen nicht mehr verwendet werden durfte und deshalb durch das ähnlich klingende „Pariser Bier“ ersetzt wurde.

Bei „Verteidiger des Blödsinns“ fliegen große pinke Bälle durch den Saal. Einer davon sorgt beim Zurückkicken ins Publikum für einen unfreiwilligen Live-Moment, als er Vitos Mikro kurzerhand in den Pressegraben befördert. Kleine Panne, große Gelassenheit – live ist eben live. Vier Zugaben werden eingefordert, aufgeteilt in zwei Runden mit jeweils zwei Songs.

Fazit

Der Sound ist druckvoll und gut, besonders zuvor bei den Grailknights. Vor den Zugaben animiert der Lichttechniker die Crowd mit leuchtender Schrift: „jo jo jo JBO“. Ansonsten dominiert buntes Licht, Pink ganz vorne.

Der Altersdurchschnitt liegt deutlich über 40, doch auch einige jüngere Gesichter feiern begeistert mit. Es ist mehr Partycrowd als Metalhead-Treffen, aber genau das funktioniert hervorragend. Der Pit bildet sich immer wieder spontan, ohne den entspannten Charakter des Abends zu dominieren. Die Bands wirken extrem routiniert.

Am Ende bleibt vor allem eines: sehr viel Spaß. Und das gute Gefühl, dass auch ältere Herren auf der Bühne verdammt gut feiern können. Ein paar pinke Schnipsel haben sich trotz intensiven Abklopfens hartnäckig an meiner Kleidung festgesetzt und gehen mit nach Hause.

Schall und Laut bedankt sich herzlich bei sunday entertainment für die Akkreditierung und den freundlichen Empfang.

Text: H.J.

Fotos: J.J.

 

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