
Fragen zum neuen Album „Dread Emperor“
Frage:
Euer neues Album Dread Emperor hebt klassische Old School Death-Metal-Elemente auf ein neues Level – wie habt ihr den kreativen Prozess für dieses Werk erlebt und gab es besondere Momente im Studio, die euch noch lange im Gedächtnis geblieben sind?
Antwort:
Diesmal war eigentlich alles sehr spontan. Wir haben viel im Proberaum gejammt und uns beim Songwriting einfach treiben lassen, ohne groß zu planen. Der ganze Prozess war dadurch deutlich weniger verkopft und fühlte sich sehr natürlich an. Vielleicht waren wir auch etwas losgelöster vom Korsett unserer Haupteinflüsse, auch wenn man die natürlich immer noch heraushören kann. Im Studio gab es keinen einzelnen besonderen Moment, sondern eher dieses allgemeine Gefühl, wenn die Songs mit dem Gesang plötzlich richtig zum Leben erwachen – das ist immer noch ein besonderes Erlebnis.
Frage:
Das Artwork von Pär Olofsson ist absolut faszinierend und trägt eine düstere, fast zeremonielle Atmosphäre in sich. Welche Gedanken oder Geschichten standen hinter der Wahl dieses Covers und wie spiegelt es für euch die musikalische Richtung des Albums wider?
Antwort:
Das Cover wurde von Pär Olofsson wirklich exakt nach unseren Wünschen und Vorstellungen umgesetzt. Wir hatten von Anfang an ein sehr klares Bild davon, was wir transportieren wollen, und er hat das perfekt eingefangen. Die Figur des Dread Emperor funktioniert auf den ersten Blick wie eine klassische Horrorfigur, steht für uns aber vor allem metaphorisch für die Macht der Angst. Ähnlich ist es mit dem Wald und den Augen im Artwork – sie symbolisieren Kontrolle, Bedrohung und dieses permanente Gefühl, beobachtet zu werden. Am Ende ist es trotzdem ein klassisches Death-Metal-Artwork, dass sowohl die Musik als auch die Lyrics widerspiegelt.

Frage:
Thematisch dreht sich auf dem Album vieles um Angst als zentrales Machtinstrument – darum, wie sie genutzt wird, um Kontrolle auszuüben und Menschen in einen Zustand von Wahnsinn oder Lähmung zu treiben. Unterdrückung ist dabei ein wiederkehrendes Motiv, aber genauso der Widerstand dagegen: der innere wie auch der äußere Kampf, sich dieser Macht zu entziehen. Die apokalyptischen Bilder und Szenarien dienen dabei als Verstärker dieser Themen – sie stehen für den völligen Zerfall von Ordnung, Moral und Sicherheit und spiegeln die düstere, aggressive Grundstimmung der Musik wider. All diese Aspekte greifen ineinander und formen sowohl lyrisch als auch musikalisch das Gesamtbild von Dread Emperor.
Antwort:
Einige Songs wie der Titeltrack „Dread Emperor“ und „Subconscious Pandemonium“ verbinden schwere Riffs mit unheimlichen Melodien. Welche Inspirationen – musikalisch oder thematisch – haben euch beim Schreiben dieser Stücke geleitet?
Deine Beschreibung trifft unsere Vision von Death Metal eigentlich ziemlich genau. Für uns geht es nicht nur um pure Brutalität, sondern genauso um Melodie und Atmosphäre. Gerade dieses Wechselspiel aus schweren, wuchtigen Riffs und unheimlichen, teilweise fast eingängigen Melodien macht für uns den Reiz aus und prägt unseren Stil im Grunde schon seit Beginn. Musikalisch sind wir stark von unserem Background und unserer Sozialisation in den 80ern und frühen 90ern beeinflusst – diese Zeit hat unser Verständnis von Songwriting einfach nachhaltig geformt. Wir stehen auf klassische Songstrukturen und darauf, dass Songs trotz aller Härte eine gewisse Catchyness haben und hängen bleiben. Genau das wollten wir bei Stücken wie „Dread Emperor“ oder „Subconscious Pandemonium“, wie auch allen anderen konsequent umsetzen, ohne jeden Song gleich klingen zu lassen.
Frage:
Ihr habt mit „Golem“ eine Coverversion eingebaut. Was hat euch an diesem Song so gereizt, dass ihr ihn in euer Album integriert habt, und wie habt ihr ihn für eure eigene klangliche Welt interpretiert?
Antwort:
Wir haben generell großen Spaß daran, alte und vielleicht auch etwas vergessene Perlen aus unserer Jugend wieder hervorzuholen – Songs, die nicht jeder sofort auf dem Schirm hat, die uns aber stark geprägt haben. Bei Coverversionen ist uns immer wichtig, dass sie auch im Death-Metal-Gewand funktionieren und nicht einfach nur eins zu eins kopiert werden. Der ursprüngliche Charakter des Songs soll auf jeden Fall erhalten bleiben, gleichzeitig bekommt er durch unseren Sound und die Vocals eine ganz eigene Note. Bei „Golem“ hat genau diese Mischung perfekt gepasst, weshalb er sich für uns ideal in das Album eingefügt hat.
Fragen zu Live-Aktivitäten und Konzerten
Frage:
Ihr habt in der Vergangenheit auf vielen europäischen Bühnen gestanden, darunter auch auf Festivals wie dem Party.San Open Air – welche Show oder welchen Moment auf der Bühne habt ihr als besonders prägend für die Band erlebt?
Antwort:
Einen einzelnen, alles überstrahlenden Moment gibt es für uns eigentlich nicht. Es gab Auftritte auf großen Festivals, bei denen man im Nachhinein selbst nicht hundertprozentig zufrieden mit der eigenen Leistung war, obwohl die Rahmenbedingungen gestimmt haben. Gleichzeitig hatten wir Shows in kleinen Clubs, bei denen die Erwartungen eher gering waren, die sich dann aber als extrem intensiv und verbindend herausgestellt haben. Wenn ich mich trotzdem für einen Auftritt entscheiden müsste, der nachhaltig hängen geblieben ist, dann wäre das unser erster Gig auf dem Morbid Catacombs Fest 2013 in der Köpi in Berlin. Diese Show hatte eine besondere Energie und positives Chaos, die man nicht so schnell vergisst.
Frage:
Mit den kommenden Tourdaten in Deutschland – z. B. Essen, Oldenburg oder Aalen – wie bereitet ihr euch live auf die neuen Songs vor und gibt es Stücke, die ihr unbedingt live erleben wollt, bevor ihr sie spielt?
Antwort:
Wir sind gerade dabei, ein komplett neues Liveset zusammenzustellen. Klar ist dabei natürlich, dass wir einige Songs vom kommenden Album spielen wollen – vor allem die drei bereits veröffentlichten Singles, auf die wir live richtig Bock haben. Jens hat die Songs im Vorfeld schon komplett vorbereitet, inklusive Tabs und Videos, was die Grundlage für die Proben enorm erleichtert. Am Ende ist uns aber am wichtigsten, dass wir die Sachen im Proberaum gemeinsam spielen und ein Gefühl dafür entwickeln, damit alles tight läuft und live genauso funktioniert, wie wir uns das vorstellen.
Frage:
Wie wichtig ist euch der direkte Kontakt zu euren Fans bei Konzerten, und gibt es ein besonderes Erlebnis mit der Crowd, dass ihr nie vergessen werdet?
Antwort:
Der direkte Kontakt zu unseren Fans ist uns sehr wichtig. Viele von ihnen begleiten uns schon seit Jahren oder sind selbst Musiker – das schafft sofort eine ganz besondere Verbindung und es sind auch viele gute Bekanntschaften dadurch entstanden Wir sehen uns nach wie vor selbst als Fans und begegnen uns auf Konzerten immer auf Augenhöhe. Es gibt viele Momente, die hängen bleiben: zum Beispiel, wenn es Slaughterday-Sprechchöre bei den Shows gibt oder wenn Leute nach dem Konzert auf uns zukommen und erzählen, wie sehr ihnen der Auftritt gefallen hat. Solche Begegnungen sind für uns immer noch etwas sehr Besonderes und geben uns jedes Mal richtig viel Motivation für die Zukunft.
Fragen zum Label und Band-Alltag
Frage:
Mit eurem Wechsel zu Testimony Records habt ihr eine neue Phase gestartet. Wie hat sich die Zusammenarbeit mit dem Label auf eure kreative Freiheit und euer Selbstverständnis als Band ausgewirkt?
Antwort:
Nach all den Jahren mit FDA Records war es für uns einfach Zeit für einen Tapetenwechsel. Wir wollten als Band nochmal einen Schritt nach vorne gehen und versuchen, die nächste Stufe zu erklimmen – sowohl musikalisch als auch in unserer Präsenz. Die Zusammenarbeit mit Testimony Records läuft dabei von Anfang an richtig gut – menschlich wie organisatorisch. Sie geben uns die nötige kreative Freiheit und unterstützen uns gleichzeitig professionell in Sachen Promotion. Das hat uns das Gefühl gegeben, unsere Visionen ohne Kompromisse umzusetzen und als Band weiterzuwachsen.
Frage:
Als Duo habt ihr über Jahre eure Vision kraftvoll verwirklicht. Gibt es Überlegungen, eure Live-Besetzung weiter auszubauen, oder bleibt ihr bewusst bei der klassischen Zwei-Mann-Struktur?
Antwort:
Darauf werden wir tatsächlich seit vielen Jahren immer wieder angesprochen, aber bisher hat sich daran nicht viel geändert. Es ist einfach nicht so leicht, Leute zu finden, die sich genauso intensiv einbringen wollen und können wie wir. Dazu gehört natürlich, dass man unsere gemeinsame Vision von Death Metal teilt, einen ähnlichen musikalischen Background hat und vor allem, dass die Priorität auf Slaughterday liegt. Viele Musiker, die uns in der Vergangenheit unterstützt haben, sind außerdem selbst in anderen Bands und Projekten aktiv. Grundsätzlich sind wir aber nicht abgeneigt, die Band zu vergrößern, wenn wir das Gefühl haben, dass es gut für die Band ist. Trotzdem müssen viele Dinge zusammenkommen, da wir zwei seit Jahren ein gut eingespieltes Team sind und es einfach mögen, schnell und unkompliziert Entscheidungen treffen zu können.
Frage:
Abschließend gefragt: Welchen Rat würdet ihr aufstrebenden Bands geben, die inspiriert von klassischen Death-Metal-Wurzeln ihren eigenen Weg gehen wollen?
Antwort:
Ich würde auf jeden Fall raten, nicht zu viel nachzudenken und einfach loszulegen – so haben wir es selbst gemacht. Wichtig ist, dass die Band eine gemeinsame Vision vom Sound hat, einen ähnlichen musikalischen Background teilt und auf der Bühne stimmig auftritt. Außerdem lohnt es sich, in ein gutes Studio zu investieren und auch beim Artwork nicht zu sparen, weil das den Gesamteindruck stark prägt. Um schnell wahrgenommen zu werden und Kontakte zu knüpfen, ist eine solide Social-Media-Präsenz ebenfalls hilfreich. Es schadet auch nicht, andere Bands zu fragen, wie sie bestimmte Dinge handhaben – das haben wir selbst oft genug gemacht. Und gerade beim Bühnenaufbau und der Performance kann man sich ruhig von den ganz Großen inspirieren lassen. Wir lernen da übrigens auch immer noch dazu.








